Privatärztliche Praxis, Ausgabe 1/2012

ISSN Nummer 1438-7085

Ausgabe 1/2012

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass hier im Internet unsere Verbandsnachrichten nur sehr verkürzt wiedergegeben werden. Insbesondere Tipps zur Abrechnung stellen wir nur unseren Mitgliedern zur Verfügung.

Wohin geht die PKV

(Ärzteblatt 9.1.2012)

Der 1. Leitartikel im DÄ 2012 beschreibt einen wesentlichen Zustand unseres Praxisalltags: unsere Privatversicherten versuchen sich „krampfhaft“ gegen Beitragssteigerungen zu wehren, z. T. indem sie ihren Selbstbehalt erhöhen, um niedrigere Monatsbeiträge zu realisieren. Viele Patienten sagen Ihnen so was nicht; Sie sollten sich aber nicht wundern, wenn der/die ein oder andere seltener in die Praxis kommt weil er vom privaten Vollversicherten zum Selbstzahler „mutiert“ ist. Gerade über DKV und Central haben sich viele „Kunden“ zuletzt heftig beschwert wegen überdimensionalen Beitragssteigerungen. Wenn das (wie nachfolgend beschrieben) nun besser wird, können unsere betroffenen Patientinnen und Patienten bald wieder aufatmen.

Die beschriebenen „Bemühungen“ der PKV sind längst überfällig; ansonsten ginge der Weg einfach weiter, sich selbst abzuschaffen, bevor es die Politik nach der nächsten Wahl tun wird.

Wir wünschen einen guten Start 2012!

Dr. Oehl-Voss

Schriftführer

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Neue Suchmaschine des PBV für die Privatarztsuche

Liebe Mitglieder. Wie Sie wissen soll ein neues Portal des PBV zur Arztsuche in Kürze starten, sobald genügend Mitglieder ihr Interesse erklärt haben. Noch haben wir nicht die erforderliche Anzahl Mitglieder zusammen, die einen Start sinnvoll erscheinen lassen.

Falls Sie also noch nicht Ihre Daten hinterlegt haben und teilnehmen wollen erbitten wir von Ihnen:

Namen, Titel, Facharztbezeichnung, die Offiziellen Zusatzbezeichnungen, Adresse, Telefon, Fax, E-Mail und Homepage per Mail an die Geschäftsstelle unter mail(at)pbv-aerzte

Praxisschwerpunkte sind rechtlich problematisch und wurden deshalb vorerst nicht aufgenommen.

Die Suchmaschine wird zu erreichen sein unter

http://www.arztsuche-privataerzte.de

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Private Krankenversicherung: Hausgemachte Probleme

Dtsch Arztebl 2012; 109(1-2): A-1 / B-1 / C-1

Flintrop, Jens

Die Beiträge zur privaten Krankenversicherung (PKV) dürfen nicht allein deshalb steigen, weil die Versicherten älter werden. Vielmehr soll die alterungsbedingte höhere Inanspruchnahme von Gesundheitsleistungen durch eine Alterungsrückstellung berücksichtigt werden. So steht es im Informationsblatt der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht gemäß § 10 a Abs. 3 Versicherungsaufsichtsgesetz. Das Blatt wird seit 2010 vor Abschluss eines PKV-Vertrages an jeden Interessenten ausgehändigt

Dennoch sind es wieder einmal vor allem die älteren PKV-Versicherten, deren Prämien zu Jahresbeginn deutlich "angepasst" wurden - nach oben, versteht sich. Die Älteren sind unter anderem deshalb die Dummen, weil die Unternehmen immer wieder Tarife schließen, die sie vor längerer Zeit aufgelegt haben. Junge, gesunde Neukunden werden hier also gar nicht mehr aufgenommen. Diese Klientel locken die Versicherer lieber in neue Billigtarife. Angesprochen sind dabei besonders junge Selbstständige. Dadurch vergreisen aber die alten Tarife. Und offensichtlich reichen die Alterungsrückstellungen nicht aus, um die Tarifsteigerungen moderat zu halten, wenn die jungen Gesunden fehlen. Das Versprechen bei Vertragsabschluss wird zur Makulatur.

Vor diesem Hintergrund ist es eine gute Nachricht, dass die beiden großen Anbieter DKV und Central angekündigt haben, keine billigen Einsteigertarife mehr anzubieten. Ausschlaggebend hierfür ist aber wohl nicht das schlechte Gewissen gegenüber den Bestandskunden. Vielmehr rechnet sich das Geschäft mit den Billigtarifen nicht: Einerseits sind die Tarife zu knapp kalkuliert (selbst ein abgespeckter Krankenversicherungsschutz ist für unter 100 Euro monatlich einfach nicht darstellbar), anderseits zahlen viele Kunden ihre Beiträge nicht (was bei der Zielgruppe nicht wirklich verwundert). Säumigen Zahlern darf aber seit 2007 nicht mehr gekündigt werden. Ende Juni gab es 142 800 Nichtzahler in der PKV. Andere Versicherer haben die Neugeschäftsbeiträge in den unterklassigen Tarifen zu Jahresbeginn um bis zu 20 Prozent erhöht.

Hausgemacht ist auch das Problem der Provisionen. Bis zu 18 Monatsbeiträge überweisen die Krankenversicherer an externe Makler, wenn diese ihnen einen Neukunden in der Vollversicherung vermitteln. Die Abschlussaufwendungen in der PKV summierten sich 2010 auf 2,65 Milliarden Euro. Die Ausgaben für ambulante ärztliche Leistungen waren mit 5,24 Milliarden Euro gerade einmal doppelt so hoch. Dass der Gesetzgeber die Obergrenze für Abschlussprovisionen zum 1. April auf neun Monatsprämien begrenzt, ist deshalb die zweite gute Nachricht für PKV-Versicherte. Auch kann sich der Makler künftig erst nach fünf Jahren sicher sein, die volle Provision zu erhalten. Kündigt der Versicherte früher, muss er Geld zurückzahlen. Klienten nach kurzer Zeit erneut zum Anbieterwechsel zu drängen, wird dadurch unattraktiv. Bislang beträgt die Stornohaftung bei den meisten Versicherern zwei Jahre.

Lockangebote und Provisionsexzesse - es sind dem Konkurrenzdruck geschuldete Strategien, die die deftigen Prämiensteigerungen der vergangenen Jahre mitverursacht haben und die nun korrigiert werden. Der Vorwurf des PKV-Verbandes, wonach vor allem die Ärzte die Ausgaben in die Höhe getrieben hätten (weil sie Mindereinnahmen in der gesetzlichen über nicht gerechtfertigte Mehreinnahmen in der privaten Krankenversicherung kompensieren wollten), wird so ein Stück weit entkräftet.

Jens Flintrop
Redakteur für Gesundheits- und Sozialpolitik

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PKV sieht Tarifwechsel nicht gerne

Ärzte Zeitung, 13.12.2011

PKV-Versicherte haben das Recht, beim selben Unternehmen einen anderen Tarif zu wählen. Jedoch ist das Procedere oft langwierig.

Von Ilse Schlingensiepen

KÖLN. Viele Ärzte haben in den vergangenen Tagen unangenehme Post von ihrem privaten Krankenversicherer (PKV) bekommen: die Ankündigung, dass zum 1. Januar die nächste Prämienerhöhung ins Haus steht.

Wenn sie nicht mehr bereit sind, die geforderten Prämien zu zahlen, sollten sich Ärzte darüber informieren, welche vergleichbaren Tarife ihr Anbieter in seinem Angebot hat.

Sie müssen sich aber darauf gefasst machen, dass der Versicherer versucht, ihnen Steine in den Weg zu legen.

Paragraf 204 des Versicherungsvertragsgesetzes sichert privat Krankenversicherten das Recht zu, beim selben Unternehmen in einen Tarif mit gleichartigem Versicherungsschutz zu wechseln.

Risikozuschlag für Zusatzleistungen

Fassen die Kunden ein Angebot ins Auge, das mehr Leistungen als das bisherige enthält, kann der Versicherer auf einer erneuten Gesundheitsprüfung bestehen und für die Zusatzleistungen gegebenenfalls einen Risikozuschlag verlangen. Diesen Zuschlag kann der Versicherte durch Vereinbarung eines Leistungsausschlusses verhindern.

Mediziner, die in einem speziellen Ärztetarif versichert sind, können nach Angaben des Finanzdienstleisters MLP auch in andere Tarife wechseln - vorausgesetzt der Leistungsumfang ist in etwa vergleichbar.

Bei den PKV-Anbietern ist der Tarifwechsel nicht sonderlich beliebt. Schließlich ist er meistens mit einer Senkung des Prämienniveaus verbunden. "Eines unserer Mitglieder ist von seinem Versicherer fast ein Jahr lang hingehalten worden", berichtet Hajo Köster, Justiziar bei der Verbraucherorganisation Bund der Versicherten (BdV).

Vier bis fünf Monate kann ein Wechsel dauern

Nicht immer dauere es ganz so lange, aber vier bis fünf Monate sind die Regel. Das hat System, vermutet Köster: Auf diese Weise versuchen die Unternehmen, die Versicherten von einem Wechsel abzubringen.

"Verbraucher, die den Tarif wechseln wollen, müssen sich auf ein langes Procedere einstellen und beharrlich sein." Immer wieder berichten Kunden, dass die Versicherer auf ihre Schreiben nicht reagieren und Vertreter nicht zurückrufen. Nehmen die Unternehmen den Wechselwunsch zur Kenntnis, tun sie das häufig, indem sie auf die damit angeblich verbundenen Nachteile hinweisen.

Köster fordert deshalb eine gesetzliche Regelung, dass die Versicherer Kunden von sich aus über das Wechselrecht informieren sollen - und gleich passende Alternativen vorschlagen. Bei Versicherten, die älter als 60 Jahre alt sind, ist die PKV schon heute dazu verpflichtet. Bei allen anderen reicht der Hinweis auf das Tarifwechselrecht, auch wenn er im Kleingedruckten verschwindet.

Nach Einschätzung des PKV-Verbands hat die Branche mit dem Wechselrecht kein Problem. "Die Rechtslage ist eindeutig. Unsere Unternehmen halten sich an die gesetzlichen Vorgaben", sagt ein Sprecher.

Dagegen spricht neben der Erfahrung vieler Versicherter auch die Tatsache, dass es inzwischen Unternehmen gibt, deren einziger Geschäftszweck es ist, PKV-Versicherten beim Tarifwechsel zu helfen.

Tarifwechsel durch Unternehmen

Anbieter wie Beitragsoptimierung24.de oder Widge.de suchen für Interessierte günstige Alternativtarife. Bei einem erfolgreichen Wechsel geben die Kunden einen Teil der so erzielten Ersparnis an die Unternehmen weiter.

Bei Widge.de sind das acht eingesparte Monatsbeiträge. "Das Geld wird nur bei Erfolg fällig. Wir treten mit unserer Dienstleistung komplett in Vorleistung", sagt Gründer Ozan Sözeri. Widge.de habe eine umfangreiche Datenbank mit den unterschiedlichen Tarifen aufgebaut.

Das Unternehmen bietet seit Anfang 2010 Hilfe beim Tarifwechsel an. "Das Interesse ist explodiert", sagt Sözeri. Registrierte der Anbieter zunächst zehn Wechselanfragen pro Monat, sind es heute mehrere Dutzend pro Tag. Bislang hat Widge.de nach eigenen Angaben mehr als 2000 Wechsel erfolgreich durchgesetzt. "Die durchschnittliche Ersparnis beträgt 250 bis 300 Euro pro Monat", berichtet er.

Köster vom BdV hält die Entgelte, die viele der Tarifwechsel-Unternehmen verlangen, für zu hoch. Die Beteiligung der Anbieter an den erzielten Ersparnissen könnte falsche Anreize setzen, warnt er. "Der Tarif mit der größten Ersparnis muss nicht der beste für den Kunden sein", sagt er.

Der BdV will seinen Kunden künftig selbst die Unterstützung beim Tarifwechsel als Dienstleistung anbieten. Das werde zu einem Festhonorar und zu "weitaus günstigeren Bedingungen" als bei den kommerziellen Anbietern erfolgen, kündigt Köster

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Gesundheit im Gewand der Gerechtigkeit

(...machen Sie sich selbst ein Bild, wohin der anstehende Regierungswechsel 2013 führt)

Ärzte Zeitung, 08.12.2011

Solidarität und Gerechtigkeit - das sind die Zauberworte, mit der die SPD ihre traditionellen Werte wiederbelebt. Sie sind zugleich das Gewand, in dem die Bürgerversicherung daherkommt, um beim Wähler zu punkten. Was ist dran am SPD-Konzept?

Von Helmut Laschet

BERLIN. "Wir beenden die Zwei-Klassen-Medizin. Wir schaffen ein Versicherungs- und Versorgungssystem für alle Bürger... Wir stellen die Solidarität im Krankenversicherungssystem wieder her und sorgen für mehr Gerechtigkeit bei den Beiträgen."

So hat der SPD-Parteitag die Ziele einer Gesundheitsreform für die nächste Legislaturperiode beschrieben, deren Kernstück die Weiterentwicklung der Pläne für eine Bürgerversicherung sind.

Ärzte sind davon hoch betroffen: als Leistungserbringer, als Arbeitgeber oder Arbeitnehmer, schließlich auch als Versicherter, ob privat oder gesetzlich.

Vor die Therapie haben auch die Sozialdemokraten die Diagnose gestellt und konstatieren: Die paritätische Finanzierung im Gesundheitswesen ist (mit Zustimmung der SPD) seit 2004 nicht mehr existent; die Koexistenz von GKV und PKV entsolidarisiert auf der Finanzierungs- wie auf der Leistungsseite; bei sinkender Lohnquote am Volkseinkommen (Rückgang 72,5 Prozent 2002 auf 64,2 Prozent im Jahr 2008) erodiert die Finanzierungsbasis der GKV.

Kernstücke der SPD-Reform werden sein:

Eine einheitliche Honorarordnung für die Ärzte: Die unterschiedliche Vergütung der ambulanten Versorgung von gesetzlich und privat Versicherten ist nach Auffassung der SPD die Hauptursache der Zwei-Klassen-Medizin. Deshalb soll zusammen mit der Bürgerversicherung auf Grundlage der evidenzbasierten Medizin eine einheitliche Honorarordnung eingeführt werden.

Für Ärzte soll es gerechter zugehen, unsinnige und schädliche Anreize wie die verstärkte Niederlassung in Regionen mit hohen Privatversicherten-Anteilen sollen entfallen. Die neue Gebührenordnung soll auch für PKV-Bestandsversicherte gelten. Damit, so hofft die SPD, entfalle jeglicher Diskriminierungsgrund für Kassenpatienten.

Am Konzept der Bürgerversicherung wurde noch einmal gefeilt. Zumindest wurde der verfassungsrechtlich bedeutsame Bestandsschutz der gegenwärtig privat Versicherten voll berücksichtigt.

Mitgliedschaft in der Bürgerversicherung: Zum Stichtag der Einführung der Bürgerversicherung werden alle neu zu versichernden Bürger darin Mitglied. Es bleibt bei der beitragsfreien Mitversicherung der Kinder und Ehepartner. Alle Krankenkassen unterliegen einem Kontrahierungszwang. Die Beiträge sind alters- und risikounabhängig.

Wahlrecht für PKV-Versicherte: Diese können in ihrer privaten Krankenversicherung bleiben, haben aber für ein Jahr nach Einführung der Bürgerversicherung die Option, in die gesetzliche Krankenversicherung zu wechseln. Dies ist alters- und risikounabhängig. Aufgebaute Alterungsrückstellungen sollen beim Wechsel mitgegeben werden.

Bürgerversicherung für Selbstständige: Rund ein Drittel der Selbstständigen verdient im prekären Bereich von weniger als 1100 Euro im Monat. In der PKV versicherte Selbstständige können derzeit in der Regel nicht in die GKV zurückkehren; außerdem ist in der GKV die Mindestbeitragsbemessung für Selbstständige so hoch, dass die Beiträge kaum zu tragen sind.

Die SPD will daher Selbstständigen eine Wechseloption in die Bürgerversicherung eröffnen: Dabei wird die Mindestbeitragsbemessung auf das Niveau oberhalb der Geringfügigkeitsgrenze von 400,00 Euro gesenkt.

Bürgerversicherung für Beamte: Neu verbeamtete Staatsbedienstete werden automatisch in die Bürgerversicherung aufgenommen. Bestandsbeamte erhalten eine Wechseloption.

Paritätische Finanzierung: Zusatzbeiträge und Sonderbeitragssatz (0,9 Prozent) werden abgeschafft. Arbeitgeber und Arbeitnehmer zahlen in der Summe bei globaler Betrachtung des Gesamtsystems das gleiche in die Bürgerversicherung ein. Die Finanzierung besteht aus drei Säulen:

Der Bürgerbeitrag: Er wird als Prozentsatz auf Einkommen von mehr als 400 Euro monatlich erhoben; die Beitragsbemessungsgrenze bleibt. Die Kassen setzen den Beitragssatz selbst fest. Einkünfte aus Vermietung und Kapitalvermögen werden wegen des Erhebungsaufwandes nicht verbeitragt.

Der Arbeitgeberbeitrag: Er soll in der Summe genauso hoch sein wie die Summe aller Bürgerbeiträge. Der Arbeitgeberbeitrag soll als Prozentsatz auf die gesamte Lohnsumme gezahlt werden; hier gilt die Beitragsbemessungsgrenze also nicht.

Damit werden auch höchste Einkommen und Boni vom Arbeitgeberbeitrag erfasst. Eine zusätzliche Belastung erwartet die SPD für Branchen wie Energie, Banken und Versicherungen, bei denen die Durchschnittseinkommen bei rund 60.000 Euro jährlich liegen.

Dritte Säule dynamisierter Steuerbeitrag: Den gegenwärtigen Steuerzuschuss an die GKV will die SPD jährlich dynamisieren. Vorbild dafür soll das in der Rentenversicherung angewandte Verfahren sein. Der wachsende Steuerzuschuss soll aus einer erhöhten Abgeltungsteuer finanziert werden - dies wäre der Solidarbeitrag der Kapitalisten zur Bürgerversicherung.

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Bürgerversicherung: Neues Honorarsystem als Allheilmittel

Deutsches Ärzteblatt 10, Ausgabe November 2011, Seite 501

Meißner, Marc

POLITIK

Gut ein Jahr vor der Bundestagswahl plant die SPD schon die Regierungsübernahme und legt ein detailliertes Konzept für eine Bürgerversicherung vor. Damit will sie die Finanzierung reformieren und die Zweiklassenmedizin abschaffen.

Sechs Monate ist es her, dass die SPD Eckpunkte für eine Bürgerversicherung präsentierte. Ende Oktober haben die Sozialdemokraten noch mal nachgelegt und ein fast 30-seitiges Konzeptpapier für eine "solidarische Gesundheitspolitik für alle Bürgerinnen und Bürger" vorgestellt. Die Kernidee der Bürgerversicherung ist geblieben: eine Krankenversicherung für alle. Private Krankenversicherungen (PKV) soll es nicht mehr geben. Allerdings sollen sowohl gesetzliche Krankenkassen als auch private Krankenversicherer die Bürgerversicherung anbieten können. Für beide Anbieter gelten dann die gleichen Bedingungen, wie Zuweisungen aus dem Gesundheitsfonds und dem morbiditätsorientierten Risikostrukturausgleich.

Für die Finanzierung ist ein Drei-Säulen-Modell vorgesehen: Die Hauptlast der Kosten wird dabei durch Versichertenbeiträge und Arbeitgeberabgaben getragen, ergänzt um einen dynamischen Steueranteil. "Wir wollen erstmals echte Parität bei der Finanzierung herstellen", erklärte Karl Lauterbach, gesundheitspolitischer Sprecher der SPD. Die Beitragssätze für Arbeitgeber sollen deshalb so berechnet werden, dass die Arbeitgeber genauso viel zur Finanzierung beitragen wie die Versicherten. Basis für den Arbeitgeberanteil wäre in der Bürgerversicherung nicht mehr die Grundlohnsumme, sondern die gesamte Lohnsumme, wodurch auch Bonuszahlungen und ähnliches mit- einbezogen würden. Die Beitragsbemessungsgrenze soll entfallen, so dass Arbeitgeber, die hohe Löhne zahlen, stärker zur Kasse gebeten werden.

Die Versicherten würden mit dem Modell auf den Stand von 2008 zurückkehren: Ihre Beitragssätze würden wieder direkt von den Krankenkassen festgelegt. Zusatzbeiträge würden abgeschafft. Nach Berechnungen der SPD käme es mit der Bürgerversicherung zu einer Entlastung der Versicherten in Höhe von fünf Milliarden Euro, die die Arbeitgeber dafür zusätzlich aufbringen müssten. Die Beitragssätze der Arbeitnehmer würden entsprechend um circa 0,5 bis 0,6 Prozentpunkte sinken.

Ein weiterer zentraler Punkt ist die Abschaffung der Zweiklassenmedizin. Kürzere Wartezeiten für besser Verdienende soll es nicht mehr geben. "Damit ist in Zukunft allein die Krankheit dafür ausschlaggebend, wie und wann jemand behandelt wird", betonte Andrea Nahles, SPD-Generalsekretärin. Fehlanreize, die durch die PKV in das Gesundheitssystem kämen, würden durch die einheitliche Bürgerversicherung beseitigt.

Ein neues Vergütungssystem, das den Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) und die Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) ersetzt, soll die Gleichbehandlung der Patienten sicherstellen. Darüber hinaus soll es Anreize abschaffen, sich in Städten niederzulassen und für eine angemessene Honorierung von Haus- und Landärzten sorgen. "Mit einem einheitlichen Honorarsystem beseitigen wir die Fehlanreize in den Ballungszentren", erklärte Nahles. "Im Gegensatz dazu führt die PKV bislang zu Überversorgung in den starken Regionen." Wie genau ein Honorarsystem aussehen soll, das die Probleme der Zweiklassenmedizin und der Über- und Unterversorgung löst und zugleich die Ärzte aufs Land lockt, ist dem SPD-Papier jedoch nicht zu entnehmen.

Kritik gab es vonseiten der Bundesärztekammer (BÄK): "Es wird nicht ohne Mehrklassenmedizin gehen", betonte Dr. med. Frank-Ulrich Montgomery, Präsident der BÄK. Solange Patienten Zusatzversicherungen abschließen könnten, würden sich die wohlhabenderen kürzere Wartezeiten dazukaufen.

Lauterbach verteidigte den SPD-Vorschlag: "Wie gut die medizinische Versorgung ist, soll davon abhängen, wie krank man ist, und nicht davon, wie viel man verdient." Der BÄK-Präsident erwiderte, dass es in Deutschland zwar eine Zweiklassenmedizin gebe, dies aber kaum Probleme verursache: "Wir können doch froh sein, dass sich die Unterschiede nicht auf medizinische Inhalte beziehen, sondern nur auf solche Bereiche wie Wartezeiten und Komfort."

Dr. rer. nat. Marc Meißner

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Nach Wahlsieg: Bürgerversicherung!

Ärzte Zeitung, 06.12.2011

Die Genossen marschieren Seit' an Seit' mit ihrem Vorstand und stimmen dafür, das Gesundheitswesen neu zu denken. Die Zauberformel heißt: Solidarische Bürgerversicherung.

Von Anno Fricke

BERLIN. Nach einer stundenlangen Debatte über die Steuerpolitik hatte es die Bürgerversicherung am frühen Dienstag nachmittag schwer, die Delegierten des SPD-Parteitages zu fesseln. Generalsekretärin Andrea Nahles versuchte es trotzdem.

"Diese Reform ist parteiisch", donnerte sie mit allem, was ihre Stimme hergab, in den Saal. Diese Reform sei im Interesse der Arbeitnehmer, der Rentner und der mittelständischen Unternehmen.

Die Reform schaffe Gerechtigkeit, indem sie die kapitalintensiven Unternehmen belaste - gemeint waren Banken und Versicherungen -, in denen hohe Boni ausgeschüttet würden.

Deutlich leiser wandte sich der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion Professor Karl Lauterbach an die Delegierten.

Köpfe als Kapitaldeckung

Die Probleme des Staatswesens mit der Rente, der Pflege und der Arbeitslosigkeit seien nichts gegen den Kostendruck, der künftig vom Gesunheitswesen ausgehen werde.

"Wir müssen die Krankenversicherung jetzt reformieren, solange wir noch können", sagte Lauterbach. Eine Schlüsselrolle spiele dabei die Bildung.

"Die Köpfe unserer Kinder sind die eigentliche Kapitaldeckung unseres Gesundheitswesens", sagte Lauterbach, der an dem Modell der Bürgerversicherung mitgearbeitet hat.

Zwischen Nahles und Lauterbach hatten einige wenige Rednerinnen und Redner versucht, die Delegierten für eine radikalere Variante einer Bürgerversicherung einzunehmen. Im Kern ging es darum, die Beitragsbemessungsgrenze auf das Niveau der Beitragsbemessungsgrenzen in der Rentenversicherung (5500 Euro) anzuheben.

Dreyer: SPD soll Mehrheiten nutzen

Zudem gab es die Forderung, Beiträge auch auf Mieten und Zinsen zu erheben und nach der Einführung einer Beitragssatzparität. Die Bürgerversicherung sieht eine Summenparität vor. Dabei zahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber insgesamt jeweils gleichviel ein.

Alle drei Änderungsanträge lehnten die Delegierten ab. Der Leitantrag "Solidarische Gesundheitspolitik für alle Bürgerinnen und Bürger" des SPD-Parteivorstands fand die überwiegende Zustimmung des Parteitags. Nur wenige Delegierte stimmten dagegen oder enthielten sich.

Nach der Linken und den Grünen hat damit nun auch die SPD ein konkretes Modell einer Bürgerversicherung. Die Gesundheitsministerin von Rheinland Pfalz, Malu Dreyer, forderte die Partei auf, das Ja des Parteitages zur Bürgerversicherung schnellstmöglich in Gesetzesform zu gießen.

Nach einer Regierungsübernahme im Jahr 2013 müsse die Partei das Zeitfenster mit Mehrheiten im Bundestag und Bundesrat konsequent für die Einführung der Bürgerversicherung nutzen.

Drei Milliarden Euro mehr Arzt-Honorar

Für Ärzte soll die Bürgerversicherung jährlich drei Milliarden Euro mehr an Honoraren einbringen. Das hat der gesundheitspolitische Sprecher der SPD-Bundestagsfraktion, Professor Karl Lauterbach, im Vorfeld des Parteitages bei verschiedenen Gelegenheiten angekündigt.

Unterschiede in der Honorierung der Behandlung gesetzlich und privat Versicherter soll es dann nicht mehr geben, die Anpassung eher in Richtung der Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) gehen.

Die Pauschalen im Einheitlichen Bewertungsmaßstab (EBM) setzten zu wenige Anreize, sich intensiv um die Patienten zu kümmern. Bei der Finanzierung der Bürgerversicherung gibt es bei der SPD keine radikalen Forderungen.

Auf Einkünfte aus Vermietung und Verpachtung sollen keine Beiträge erhoben werden. Kapitaleinkünfte sollen bei den Beiträgen auch nicht berücksichtigt werden, bleiben aber nicht völlig verschont.

Unternehmen sollen mehr belastet werden

Eine Erhöhung der Abgeltungsteuer auf Zinsen und Dividenden soll zweckgebunden in die Bürgerversicherung fließen. Einen deutlich größeren Brocken sollen Unternehmen beisteuern, die hohe Gehälter bezahlen.

Sie sollen Beiträge auf die gesamte Lohnsumme bezahlen, einschließlich aller Prämien und Boni. Die heutige Deckelung soll entfallen.

Die privaten Krankenversicherer zeigten Präsenz. Mitarbeiter überreichten den Delegierten vor dem Versammlungssaal Schokoladenosterhasen, Aufschrift: "Heute schon an morgen denken".

Ein Regierungswechsel und die Einführung der Bürgerversicherung würde das gegenwärtige Geschäftsmodell der privaten Assekuranz empfindlich treffen.

Rückstellungen sollen der PKV erhalten bleiben

Sie dürfte dann keine neuen privaten Vollversicherungen mehr verkaufen und würde auf das Geschäft mit Zusatzversicherungen zurückgeworfen.

Da klang es schon ein wenig hämisch, wenn die siegesgewissen SPD-Granden die privaten Versicherer einluden, doch stattdessen die SPD-Bürgerversicherung anzubieten, mithin die ohnehin schon eingeleitete Metamorphose zur gesetzlichen Krankenversicherung zu vollenden.

Eines hatte Karl Lauterbach aber schon vor dem Parteitag klargestellt. An die Rückstellungen der privaten Krankenversicherer will die SPD nicht heran. Dass dies Enteignung wäre und aller Voraussicht nach nicht gerichtsfest, ist auch den Genossen klar.

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22 Milliarden Euro kostete 2010 die PKV

Die privaten Krankenversicherer haben Bilanz für 2010 gezogen: Die Kosten für die ambulante Arztbehandlung verzeichnen einen geringeren Steigerungswert im Vergleich zum Vorjahr als etwa die Zahnmedizin.

Die ambulante Arztbehandlung ist der Ausgabenbereich, der bei den privaten Krankenversicherern (PKV) in den vergangenen elf Jahren am geringsten zugelegt hat. Das zeigt der PKV-Zahlenbericht 2010/2011.

Danach haben die Unternehmen für die Arztbehandlung im Jahr 2010 insgesamt 38,9 Prozent mehr ausgegeben als 2000. Zum Vergleich: Bei den Arznei- und Verbandmitteln betrug die Steigerung 60,1 Prozent, bei Zahnbehandlung und Zahnersatz 45,5 Prozent und bei der stationären Behandlung 39,9 Prozent.

Der PKV-Verband hat die Kostenentwicklung in der PKV mit der bei den gesetzlichen Kassen verglichen. Dabei zeigt sich, dass die Ausgaben für die ambulante Arztbehandlung bei der PKV in diesem Zeitraum um 10,3 Prozentpunkte stärker zugelegt haben. Deutlich größer war die Schere im Zahn-Sektor mit stolzen 44,9 Prozentpunkten. Bei Arzneien betrug die Differenz 7,0 Punkte, bei der Krankenhausversorgung 6,7 Punkte.

Im vergangenen Jahr gaben die im PKV- Verband zusammengeschlossenen 43 Unternehmen in der Krankenversicherung für Versicherungsleistungen inklusive Schadenregulierungsaufwendungen 21,9 Milliarden Euro aus, das war eine Steigerung um 3,7 Prozent.

Für das laufende Jahr erwartet Verbandsdirektor Dr. Volker Leienbach einen Kostenanstieg von 5,5 Prozent auf 23,1 Milliarden Euro. Er bleibe damit deutlich über der allgemeinen Preissteigerung, schreibt Leienbach im Vorwort zum Zahlenbericht. "Die PKV setzt sich im Interesse ihrer Versicherten weiter für eine generelle Vertragskompetenz mit allen Leistungserbringern im Gesundheitswesen ein, um künftig stärker Einfluss auf die Qualität und die damit verbundenen Mengen und Preise von Gesundheitsleistungen zu nehmen."

Die Beitragseinnahmen wuchsen 2010 in der Krankenversicherung um 6,1 Prozent auf 31,2 Milliarden Euro und damit deutlich stärker als die Leistungsausgaben. Ende des Jahres beliefen sich die Alterungsrückstelllungen auf 135,5 Milliarden Euro in der Krankenversicherung (plus 8,4 Prozent) und 22,5 Milliarden Euro in der Pflegeversicherung (10,5 Prozent).

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"Bei der GOÄ ziehen wir politisch an einem Strang"

Ärzte Zeitung, 23.11.2011

Die Zahnärzte haben sie schon: eine neue Gebührenordnung. Nun sind die Ärzte an der Reihe - Ausgang ungewiss. Welche Vorstellungen die Bundesärztekammer hat, verrät die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Dr. Regina Klakow-Franck im Interview.

Ärzte Zeitung: Frau Dr. Klakow-Franck, seit vielen Jahren steht das Thema Novelle der GOÄ auf der Agenda. Ist das noch eine spannende Aufgabe für Sie - oder ein Schrecken ohne Ende?

Dr. Regina Klakow-Franck: (lacht) Nein, die GOÄ-Novelle ist kein Schrecken für mich, und ich habe auch noch kein Sisyphos-Syndrom entwickelt. Die Ärzteschaft hat jetzt die Chance, die GOÄ vernünftig zu reformieren.

Das sind wir den Ärzten, aber auch den Patienten schuldig. Natürlich wird nicht alles 100-prozentig so umzusetzen sein, wie wir uns das vorstellen. Aber sobald die GOZ (die Gebührenordnung für Zahnärzte, Anm. d. Red.) in Kraft ist, wird damit auch der Startschuss für die Beratungen im Bundesgesundheitsministerium fallen müssen.

Ärzte Zeitung: Die Einigkeit der Ärzte scheint nach dem Brandbrief der Internisten und einem klärenden Gespräch wieder hergestellt. Wie sehen Sie die Initiative der Berufsverbände im Nachhinein?

Klakow-Franck: Politisch ziehen wir an einem Strang. Über einzelne Details wird es immer wieder unterschiedliche Auffassungen geben, das lässt sich gar nicht vermeiden - und das ist auch kein Problem. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die ein oder andere Formulierung eines Berufsverbandes etwas differenzierter ausgefallen wäre. Aber das liegt hinter uns, wir schauen jetzt nach vorne.

Ärzte Zeitung: Wie begründet war die Befürchtung des BDI, dass die GOÄ zu einem abgewandelten EBM werden könnte?

Klakow-Franck: Es ging ja vor allem um zwei Elemente, um den Gebührenrahmen, also die unterschiedlichen Steigerungssätze für ärztliche Leistungen, und darum, ob die Analogbewertungen abgeschafft werden. Ich weiß nicht, woher die Irritation kam, denn beides steht für uns nicht zur Diskussion: Wir brauchen den Gebührenrahmen als Ermessensspielraum.

Eine sehr aufwändige Behandlung muss zu einem höheren Preis in Rechnung gestellt werden können, als eine weniger aufwändige. Eine freiberufliche Gebührenordnung wie die GOÄ ist ohne einen Ermessensspielraum für den individuellen Behandlungsvertrag nicht denkbar.

Und ohne Analogziffern bekommen Sie keine innovativen Leistungen mehr in die privatärztliche Versorgung, es sei denn, es gäbe eine regelmäßige automatische Anpassung der GOÄ - die haben wir bislang aber nicht.

Ärzte Zeitung: Wie wäre denn eine regelmäßige Aktualisierung der GOÄ vorstellbar?

Klakow-Franck: Die GOÄ muss eine Rechtsverordnung bleiben. Aber wir könnten uns ein Gremium der Selbstverwaltung mit Vertretern der Beihilfe, der privaten Krankenversicherungen und der Bundesärztekammer unter Beteiligung des BMG vorstellen, etwa wie seinerzeit der Zentrale Konsultationsausschuss für Gebührenordnungsfragen.

Das neue Gremium, das man als privatärztlichen Bewertungsausschuss bezeichnen könnte, hätte die Aufgabe, im Jahresrhythmus Aktualisierungsvorschläge für die GOÄ zu erarbeiten. Dort könnten also innovative Leistungen verhandelt werden, aber auch notwendige Anpassungen auf der Kostenseite.

Eine Schiedsstelle müsste dafür sorgen, dass die Entscheidungen in kurzer Frist getroffen werden. Die Beschlüsse würden dann dem BMG vorgelegt, das dann das Gebührenverzeichnis der GOÄ entsprechend anzupassen hätte. 

Ärzte Zeitung: Von Seiten der PKV wird offenbar ein anderes Modell favorisiert...

Klakow-Franck: Vorschläge, stattdessen ein Institut - ähnlich wie das Institut des Bewertungsausschusses in der GKV - einzurichten, halten wir nicht für gut: Wir sehen die "Institutokratie" im Gesundheitswesen insgesamt kritisch.

Bis das Institut errichtet und arbeitsfähig ist, zieht außerdem viel Zeit ins Land, und die Chance auf die Novellierung der GOÄ ist vertan. Außerdem kostet so ein Institut auch Geld - das letztlich aus den Honoraren der Ärzte bezahlt werden müsste.

Ärzte Zeitung: Wie sind die Berufsverbände und Fachgesellschaften in den Prozess der Entwicklung der neuen GOÄ eingebunden?

Klakow-Franck: Wir haben einen Bottom-up-Ansatz gewählt. Das heißt, die Berufsverbände waren von Anfang an intensiv eingebunden in die Erstellung eines neuen Leistungskataloges. Es gab viele Feedback-Schleifen, immer wieder konnten auch neue Leistungen nachgereicht werden.

Natürlich sind wir am Ende des Prozesses nicht mit jedem Detail deckungsgleich mit allen Verbänden, wir müssen ja auch einen Interessenausgleich zwischen den Verbänden vornehmen, so weit es geht. Am Ende des Abstimmungsprozesses steht eine vom Vorstand der Bundesärztekammer beschlossene Beratungsgrundlage. Die sollte innerärztlich dann nicht mehr zur Diskussion stehen müssen.

Ärzte Zeitung: Wie weit sind Sie mit der Bewertung des neu erarbeiteten Leistungskataloges?

Klakow-Franck: Anfang des kommenden Jahres werden wir einen weiterentwickelten Bewertungsvorschlag als Grundlage für die Beratungen fertig haben. Grundlage ist die betriebswirtschaftliche Bewertung jeder einzelnen Leistung.

Die einzelnen Kostenfaktoren wie der kalkulatorische Arztlohn, der Personalbedarf, die Kosten für die technische Ausstattung etc. ergeben den Preis für eine Leistung, mit dem wir dann in die Verhandlungen gehen.

Ärzte Zeitung: Wie haben Sie diese Daten ermittelt?

Klakow-Franck: Bei den Operationen greifen wir auf eine eigene umfangreiche Erhebung zurück, bei den konservativen Leistungen stützen wir uns auf verschiedene Datenquellen und konsentierte Expertenmeinungen.

Insgesamt haben wir zusammen mit einem erfahrenen Projektpartner spezifisch für die GOÄ Kostenstrukturanalysen gefahren und neue Funktionskostenstellen entwickelt.

Ärzte Zeitung: Welche Erwartungen haben Sie zum Punktwert nach der Novellierung der GOÄ? Die Zahnärzte sind ja schwer enttäuscht, dass es für sie auch nach 20 Jahren nicht einmal einen Inflationsausgleich gibt.

Klakow-Franck: Ich kann tatsächlich nur schwer nachvollziehen, warum es in der GOZ, die strukturkonservativ novelliert worden ist, nicht wenigstens eine kleine Punktwertanhebung gibt. Das hätte bei den Zahnärzten Vertrauen geschaffen.

Jetzt ist von außen überhaupt nicht erkennbar, ob eine Anpassung an die Kostenentwicklung überhaupt stattgefunden hat. Bei der GOÄ sieht es etwas anders aus, da wir ja mit einem neuen betriebswirtschaftlichen Kalkulationsmodell in die Verhandlungen gehen.

Es geht um völlig neue, sogenannte "robuste" Einfachsätze, ausgedrückt in Euro - ob diese am Ende in Punktzahlen und Punktwerte umgewandelt werden, ist eher eine technische Frage.

Ärzte Zeitung: Die PKV hat im vergangenen Jahr vorgeschlagen, bei technischen Leistungen keinen Steigerungssatz zuzulassen, bei ärztlichen Leistungen aber schon. Was halten Sie von dem Modell?

Klakow-Franck: Wenn das Honorar aufgesplittet wird, kann man am Ende leichter einen Teil des Honorars wegnehmen. Das wollen wir nicht. Unsere Berechnungen basieren auf Vollkosten-Kalkulationen. Wir gehen mit einem Gesamtpreis je Leistung in die Verhandlungen.

Ärzte Zeitung: Bei manchen Ärzten geht die Sorge um, dass die Neuberechnungen im Laborkapitel zu hohen Einkommensverlusten führen werden. Ist diese Sorge berechtigt?

Klakow-Franck: Man muss sich die finanziellen Auswirkungen einer neuen GOÄ immer über das gesamte Leistungsspektrum der Arztgruppe anschauen. Punkt-zu-Punkt-Vergleiche nach dem Motto "Früher habe ich für Leistung x soundso viel bekommen und heute nur noch soviel" greifen zu kurz.

Ärzte Zeitung: Viele Ärzte ärgern sich über komplexe Ausschlussbestimmungen und schwer interpretierbare Legendentexte. Steht eine Vereinfachung der GOÄ auch auf Ihrer Agenda?

Klakow-Franck: Wir werden zwar rund 800 Leistungen mehr in der neuen GOÄ haben als bisher. Aber pro Fall sollen am Ende weniger Ziffern auf der Abrechnung stehen, das ist ganz klar unser Ziel. Deshalb haben wir dort, wo es sich anbot, Teilleistungen, die zwingend zusammengehören, in einer komplexen Ziffer gebündelt.

Ärzte Zeitung: Der Einigungsdruck für PKV und für die Ärzte ist hoch, denn niemand weiß, wer die Bundesregierung in der nächsten Legislaturperiode stellen wird. Können sich die Ärzte Anfang 2013 auf eine neue GOÄ freuen?

Klakow-Franck: Das hängt am wenigsten von der Bundesärztekammer ab. In Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden und Fachgesellschaften hat die Bundesärztekammer ihre Hausaufgaben gemacht. Wenn sich die verschiedenen Beteiligten im Vorfeld einigen können und die Vorarbeiten der Bundesärztekammer als Ausgangsbasis nehmen, dann könnte man es vor der Bundestagswahl schaffen.

Die Fragen stellte Hauke Gerlof.

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Private Pflicht-Krankenversicherung kann gekündigt werden

5.12.2011

Bei groben Vertragsverletzungen oder gar Betrug können Patienten auch aus ihrer privaten Pflicht-Versicherung fliegen.

KARLSRUHE . Die gesetzliche Versicherungspflicht auch in der privaten Krankenversicherung ist kein Freibrief für Betrug durch die Versicherten. Auch bei sonstigen groben Vertragsverletzungen darf die Versicherung ausnahmsweise kündigen, urteilte der Bundesgerichtshof (BGH).

Seit 2009 besteht für alle Bürger eine Krankenversicherungspflicht. Privatversicherer dürfen daher eine solche Pflichtversicherung nicht mehr kündigen oder müssen zumindest alternativ eine Versicherung im Basistarif anbieten.

Wie nun der Bundesgerichtshof betonte, wollte der Gesetzgeber allerdings vor allem Vertragskündigungen wegen Zahlungsrückständen vermeiden. Aus anderen schwerwiegenden Gründen sei eine Kündigung daher ausnahmsweise trotzdem zulässig. Den Betroffenen bleibe der Anspruch auf eine Versicherung im Basistarif

bei einem anderen Unternehmen. Unkündbar sei lediglich die Pflegeversicherung, weil es hier keinen .Basistarif" gebe.

In einem Fall hatte der Versicherte zahlreiche Belege für Arzneimittel eingereicht, die er gar nicht selbst bezogen und bezahlt hatte. Nach Berechnungen der betrogenen Continentale Krankenversicherung hatte er sich so über 3800 Euro ergaunert. Die Continentale hatte danach die Kranken- nicht aber die Pflegepflichtversicherung gekündigt - und wurde damit vom BGH nun voll bestätigt.

Az.: IV ZR 50/11 und IV ZR 105/11

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Ärztliche Versorgungswerke: Die Beiträge sind abzugsfähig

Dtsch Ärzteblatt 2011; 108(42): A-2240 / B-1888 / C-1868

Meinel, Lars

WIRTSCHAFT

Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen können bis zu einem Höchstbetrag von 20 000 Euro als Sonderausgaben geltend gemacht werden.

Die Berücksichtigung von Vorsorgeaufwendungen ist ein sehr komplexes und diffiziles Thema bei der jährlichen Einkommensteuerveranlagung. Für etliche Steuerpflichtige stellt es ein Buch mit sieben Siegeln dar. Da durchaus Steuersparmöglichkeiten bestehen, lohnt es sich dennoch, die Grundzüge der Abzugsfähigkeit von Versicherungsaufwendungen zumindest grob zu überblicken.

Grundsätzlich gilt seit dem Jahr 2005 eine Zweiteilung der Vorsorgeaufwendungen. Neben der besonders begünstigten Basisversorgung gibt es weniger begünstigte übrige Vorsorgeaufwendungen. Seit dem Jahr 2010 wurde diese Zweiteilung in eine Dreiteilung modifiziert, weil Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge separat behandelt werden. Aufgrund eines Urteils des Bundesverfassungsgerichts war der Gesetzgeber gehalten, die Beiträge zur Basisversorgung der Kranken- und Pflegeversicherung in vollem Umfang zum Abzug als Sonderausgabe zuzulassen. Die übrigen Vorsorgeaufwendungen, wie Beiträge zu Haftpflicht-, Unfall- oder genau definierten Lebensversicherungen, sind hingegen nur dann abzugsfähig, wenn die Basiskranken- und die Pflegeversicherungsbeiträge die Höchstbetragsgrenzen von 2 800 Euro (Krankenversicherung) beziehungsweise 1 900 Euro (Pflege) nicht ohnehin überstiegen haben. Nur der noch nicht ausgeschöpfte Differenzbetrag verbleibt für die sonstigen Vorsorgebeiträge.

Wegen dieser Begrenzung auf enge Höchstbeträge ist die Abzugsfähigkeit der besonders begünstigten Beitragszahlungen in die Basisversorgung von besonderem Interesse für die Steuerpflichtigen. Zur Basisversorgung zählen neben Beiträgen in die gesetzliche Rentenversicherung, in landwirtschaftliche Alterskassen oder in private Rürup-Verträge die Beiträge zu berufsständischen Versorgungseinrichtungen.

Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen zahlen vor allem Freiberufler kammerfähiger Berufe, die dadurch meist versicherungsfrei in der gesetzlichen Rentenversicherung sind. Versorgungswerke gibt es beispielsweise für Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Architekten, Rechtsanwälte oder Notare.

Die Beiträge an berufsständische Versorgungseinrichtungen können bis zu einem Höchstbetrag von 20 000 Euro (bei zusammen veranlagten Ehepaaren 40 000 Euro) als Sonderausgaben geltend gemacht werden. Tatsächlich abzugsfähig ist allerdings nicht der volle Betrag, sondern ein jährlich steigender Prozentanteil des nachgewiesenen Betrages. Im Jahr 2010 beträgt dieser Anteil 70 Prozent der Beiträge, er steigert sich jährlich um zwei Prozentpunkte, bis er schließlich im Jahr 2025 die 100 Prozent erreicht. Bei rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmern wird der ermittelte Betrag um den steuerfreien Arbeitgeberanteil gekürzt.

Sollte der über die Beitragsveranlagung festgelegte Jahresbeitrag an die berufsständische Versorgungseinrichtung die genannten Höchstbeträge unterschreiten, sollte eine freiwillige Aufstockung des Beitrags geprüft werden. Der Fiskus wird damit an der Erhöhung der berufsständischen Rentenansprüche entsprechend beteiligt.

Hinzuweisen ist in diesem Zusammenhang auf die Günstigerprüfung zum alten Recht vor dem Jahr 2005. Noch immer wird zur erläuterten Berechnung der abzugsfähigen Vorsorgeaufwendungen eine zweite Berechnung nach früheren Rechtsvorschriften vorgenommen, um festzustellen, ob diese Berechnung nicht zu einem günstigeren Ergebnis führt. In diesen Fällen wird die frühere Berechnung angewandt. Die Berechnung erfolgt seitens des Finanzamts automatisch, sollte aber bei der Wahl der Beitragshöhe durch den steuerlichen Berater entsprechend Beachtung finden.

Auch muss bedacht werden, dass die Leistungen aus berufsständischen Versorgungseinrichtungen in der Rentenphase mit einem Besteuerungsanteil der Einkommensteuer unterliegen. Der Besteuerungsanteil bestimmt sich nach dem Jahr des Rentenbeginns und steigt ähnlich dem abzugsfähigen Vorsorgeanteil jährlich an. Bei Beginn der Rentenphase im Jahr 2010 beträgt der Besteuerungsanteil 60 Prozent, im Jahr 2040 dann 100 Prozent.

Ein letzter Hinweis: Werden gezahlte Beiträge nicht erklärt, scheidet eine spätere Berücksichtigung durch Änderung eines bestandskräftigen Steuerbescheids aus. Diese Erfahrung musste ein Rechtsanwalt vor dem Finanzgericht Köln machen, als er jahrelang versehentlich nicht erklärte Beiträge nacherklärte. Darum sollte auf die Vollständigkeit der erklärten Beitragszahlungen besonderer Wert gelegt werden.

Lars Meinel, Steuerberater, Hof/Plauen

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So senken privat Versicherte ihre Steuerlast

Ärzte Zeitung, 16.09.2011

Ärzte können Vorauszahlungen ihrer Krankenversicherungsbeiträge als Sonderausgaben absetzen.

Von Jürgen Lutz

NEU-ISENBURG. Privat versicherte Ärzte können ihre Steuerlast ganz legal um einige tausend Euro senken. Dazu müssen sie einen Vorschuss auf ihre Beiträge zur Basiskranken- und Pflegeversicherung leisten, der das bis zu zweieinhalbfache des Jahresbeitrags ausmachen darf.

Ein solches Vorgehen "lohnt sich besonders, wenn die Praxiseinnahmen höher ausgefallen sind als erwartet und der Arzt sich einer hohen Steuerlast gegenübersieht", so Steuerberater Achim Albert von der Kanzlei Rausch und Kollegen im nordbayerischen Hösbach.

Denn im Jahr der Zahlung können insgesamt 3,5 Jahresbeiträge auf einen Schlag als Sonderausgaben abgesetzt werden, statt des üblichen einen Jahresbeitrags.

Geleistete Beiträge zur Krankenversicherung können in voller Höhe angesetzt werden

"Darüber hinaus können Ärzte, die so vorgehen, in den nächsten zweieinhalb Jahren andere Versicherungsprämien bis zur Höhe von jährlich 2800 Euro geltend machen", wie Albert erläutert. Dazu gehören unter anderem Prämien für Berufsunfähigkeits-, Risikolebens- oder private Haftpflichtversicherungen.

Diese Beträge gehen bei einer regulären Zahlung meist verloren, da bereits die Beiträge für Kranken- und Pflegeversicherung diesen Rahmen für Sonderausgaben ausschöpfen. Die geleisteten Beiträge zur Krankenversicherung aber können stets in voller Höhe angesetzt werden.

Steuerersparnis kann beachtlich ausfallen

Eine Beispielrechnung zeigt, dass die Steuerersparnis beachtlich ausfallen kann. Zahlt ein Hausarzt im Jahr 5000 Euro an Beiträgen für seine Basiskranken- undPflegeversicherung, kann er inklusive des Vorschusses im ersten Jahr 17.500 Euro steuerlich geltend machen (3,5 mal 5000 Euro). In den folgenden zwei Jahren werden je 2800 Euro an weiteren Sonderausgaben angesetzt.

Im vierten Jahr sind es nur 300 Euro, da für das halbe Jahr, für das noch kein Vorschuss geleistet wurde, die Hälfte der Beiträge für die PKV berücksichtigt werden muss.

Bis zu 25.900 Euro können steuerlich geltend gemacht werden

Alles in allem können 25.900 Euro steuerlich geltend gemacht werden. Wer seine PKV-Beiträge regulär zahlt, kann in diesen vier Jahren insgesamt nur 20.000 Euro ansetzen (4-mal 5000 Euro).

"Liegt der Grenzsteuersatz bei 42 Prozent, ergibt sich mit dem Soli-Zuschlag eine zusätzliche Ersparnis von 2614 Euro im Vergleich zur jährlichen Zahlung", rechnet Steuerberaterin Dagmar Kayser-Passmann in Unna vor.

Vorher mit Steuerberater reden

Sie rät Ärzten, die dieses Steuerspar-Modell anwenden wollen, vorher auf jeden Fall mit ihrem Steuerberater zu reden. Auch müsse sich der versicherte Arzt im Klaren sein, dass die Ausübung des Kündigungsrechts oder ein Wechsel der Krankenkasse in dieser Zeit de facto alles andere als sinnvoll sei.

Außerdem empfiehlt sich die rechtzeitige Kontaktaufnahme mit der eigenen Versicherung, um die konkreten Modalitäten zu klären. Manche Versicherungsgesellschaften gewähren bei einer Vorauszahlung der Beiträge Skonto.

Gothaer gewährt angeblich Nachlass bei Jahreszahlung

Laut dem Informationsdienst "Versicherungstip" gewährt etwa die Gothaer bei Jahreszahlung einen Nachlass von vier Prozent. Sollte sich für einen Versicherten in den folgenden Jahren die Beitragshöhe ändern, habe dies jedoch keinen Einfluss auf die Höhe der zu meldenden Beiträge.

Vielmehr verkürze oder verlängere sich dadurch der Zeitraum, für den die Beiträge gezahlt wurden, heißt es bei der "Continentale".

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Ärzte ändern die Musterberufsordnung

(Deutsche Bank medNachrichten Ausgabe 3/2011)

Auf dem Deutschen Ärztetag in Kiel ist die Musterberufsordnung umfassend novelliert worden. Unter anderem wird die Aufklärungspflicht verschärft und Werbung im Wartezimmer eingeschränkt.

Mit großer Mehrheit haben die Delegierten auf dem Ärztetag die Musterberufsordnung (MBO) novelliert. Insgesamt wurden 20 Paragrafen erweitert oder umformuliert. Die wichtigsten Themen für die Praxis sind:

  • Beratungspflicht (Paragraf 8): Ärzte haben eine strengere Beratungspflicht gegenüber dem Patienten. Besonders vor Operationen müssen Patienten deutlich mehr über die Bedeutung und Tragweite der Behandlung aufgeklärt werden und - soweit möglich - eine ausreichende Bedenkzeit eingeräumt bekommen.
  • IGel (Paragraf 12): Ärzte müssen ihre Patienten vor einer individuellen Gesundheitsleistung (IGel) schriftlich über die Höhe der voraussichtlichen Kosten informieren.
  • Notdienst (Paragraf 26): Da der Notdienst in allen Ländern unterschiedlich organisiert ist, wird in der Musterberufsordnung nun ausschließlich auf die jeweiligen Bestimmungen der Kammergesetze der Länder verwiesen .
  • Werbung (Paragraf 27); Werbung für eigene gewerbliche Tätigkeiten im Wartezimmer ist verboten. Zeitschriften dürfen aber weiterhin ausgelegt werden und auch ein Fernseher im Wartezimmer ist erlaubt, wenn das Gerät vom Patienten ausgeschaltet werden kann .
  • Arzt und Industrie (Paragraf 33): Bei der Zusammenarbeit zwischen Arzt und Herstellern von Arznei- sowie Hilfsmitteln oder Medizinprodukten muss künftig die Vergütung den Leistungen entsprechen, etwa bei Anwendungsbeobachtungen. Zudem müssen die Verträge der Ärztekammer vorgelegt werden.
  • Bindend werden die neuen Regeln der MBO erst durch die Änderung der Berufsordnung der jeweiligen Länderkammern.

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Ihr Auto und die Steuer

(aus der niedergelassene arzt 10/2011)

Entscheidung "privat" oder "betrieblich" genutzt will gut überdacht sein

Nutzen Sie Ihren Geschäftswagen auch für private Fahrten? Wenn nicht, ist die Besteuerung einfach: Alle Ausgaben, die Ihr PKW verursacht, mindern Ihren Gewinn. Wenn ja, sind Teile der Ausgaben gewinn- und damit steuererhöhend zu korrigieren. Die Ermittlung ist in diesem Fall nicht ganz so einfach.

Vom betrieblichen Anteil an der gesamten Nutzung Ihres PKWs hängt ab, in welcher Höhe die Ausgaben für Ihren PKW steuerlich abziehbar sind. Dabei ist es irrelevant, ob sie das Fahrzeug kaufen oder leasen.

Zu den anzusetzenden PKW-Kosten gehören alle Kosten, die unmittelbar und zwangsläufig beim Halten und Betrieb des Fahrzeuges anfallen. Das sind: laufende Betriebskosten (Benzin, Öl, Autowäsche), Versicherungen, Steuern, Reparaturen, Garagenmiete, Finanzierungskosten oder Leasingraten und Abschreibung.

Außergewöhnliche Kraftfahrzeugkosten sind vorab der beruflichen oder der privaten Nutzung zuzurechnen, sodass Aufwendungen, die ausschließlich der privaten Nutzung zuzurechnen sind, den Gewinn nicht mindern dürfen, zum Beispiel Mautgebühren auf einer privaten Urlaubsfahrt oder Unfallkosten auf einer Privatfahrt.

Befindet sich das Fahrzeug im notwendigen oder gewillkürten Betriebsvermögen, sind sowohl der Verkauf als auch die Entnahme in das Privatvermögen steuerpflichtige Vorgänge. Der Entnahmewert beziehungsweise der Veräußerungserlös des PKW ist eine Betriebseinnahme. Unter Berücksichtigung des Buchwertes kommt es in der Regel zu einer Gewinnerhöhung. Es ist empfehlenswert, bei Entnahme oder Verkauf an nahe Angehörige den aktuellen Wert des Fahrzeuges, zum Beispiel durch ein Autohaus, schriftlich zul dokumentieren.

Der Verkaufserlös eines zum Privatvermögen gehörenden Fahrzeuges ist dagegen in der Gewinnermittlung nicht als Einnahme zu erfassen.

Die Ein-Prozent-Regelung

Bei Anwendung der Ein-Prozent-Regel wird Ihr Gewinn in einem ersten Schritt monatlich um ein Prozent des inländischen Brutto- Listenneupreises (BLP) Ihres PKW s erhöht. Maximal sind die tatsächlichen Kosten hinzuzurechnen (Kostendeckung). Die Entfernungspauschale verbleibt Ihnen auch bei Anwendung der Ein-Prozent-

Regel als Mindestaufwand. In der Praxis sind Fälle, in denen sich nur dieser Mindestaufwand gewinnmindernd auswirkt, nicht selten, hauptsächlich bei älteren abgeschriebenen Fahrzeugen.

Nutzen Sie Ihren PKW für Fahrten zwischen Wohnung und Arztpraxis, sind Ihrem Gewinn neben dem einen Prozent monatlich 0,03 Prozent des BLP pro Entfernungskilometer hinzuzurechnen. Diese 0,03 Prozent sind allerdings durch die steuerlich abziehbare Entfernungspauschale in Höhe von 0,30 Euro pro Arbeitstag und Entfernungskilometer zu kürzen - also weniger hinzuzurechnen.

Das Fahrtenbuch

Für die Anerkennung eines Fahrtenbuches gelten strenge Regeln. So wird ein Fahrtenbuch beispielsweise nicht anerkannt; wenn die Aufzeichnungen nachträglich geändert werden können, ohne dass die Änderung erkennbar ist. Eine Excel- Tabelle oder andere veränderliche Dateien werden deshalb vom Finanzamt nicht anerkannt.

Bezüglich der zwingend notwendigen Angaben gelten für Ätzte berufsspezifische Erleichterungen. Neben der allgemeinen Zweckangabe "Patientenbesuch" muss zu jeder Fahrt das Datum, der Kilometerstand und der Tätigkeitsort mit Patientennummer dokumentiert werden. Voraussetzung ist jedoch, dass sich der Name des Patienten aus zusätzlichen Verzeichnissen entnehmen lässt. Weitere Details dazu, wie ein Fahrtenbuch richtig geführt wird, finden Sie unter www.curator.de.

Was ist günstiger?

Große Entfernungen zwischen Wohnung und Praxis führen bei Anwendung der Ein-Prozent-Regel zu unvorteilhaft hohen Gewinnerhöhungen. Bei hohen Bruttoneulisten ist das besonders ungünstig. Haben Sie daneben lediglich geringe Kosten, kann es sinnvoll sein, den PKW im Privatvermögen zu belassen und die betrieblichen Fahrt mit den steuerlich zulässigen 0,30 Euro pro gefahrenem Kilometer als Aufwand abzuziehen. Allerdings können für Fahrten zwischen Wohnung und Praxis auch bei dieser Methode lediglich 0,30 Euro pro Entfernungskilometer abgezogen werden.

Fahrtenbuch günstiger?

Sind die Entfernungen zwischen Wohnung und Praxis gering und wird der PKW ansonsten hauptsächlich betrieblich genutzt, kann die Fahrtenbuchmethode die günstigere sein. Allerdings sollte bei der Methodenwahl berücksichtigt werden, wie groß der Aufwand für die Führung eines vom Finanzamt anerkannten Fahrtenbuches ist.

Für die Ein-Prozent-Regel muss nachgewiesen werden, dass das Fahrzeug zu mehr als 50 Prozent betrieblich genutzt wird. Anhand des Kilometerstandes zum Jahresbeginn beziehungsweise zum Jahresende lässt sich die Gesamtfahrleistung ermitteln. Durch Reisekostenaufstellungen, Abrechnungsunterlagen oder anderen selbst geführten Aufzeichnungen lässt sich der betriebliche Nutzungsanteil nachweisen.

Deckt die jährlich tatsächlich gefahrene Entfernung zwischen Wohnung und Arztpraxis bereits mehr als 50 Prozent der Gesamtjahresfahrleistung ab, entfallt weiterer Dokumentationsaufwand. Auch für die Anwendung der 0,03-Prozen-Regel ist bei wechselnden Strecken und gefahrenen Tagen ein Mindestmaß an Dokumentation erforderlich.

Diese Aufzeichnungen müssen jedoch die strengen Anforderungen an ein Fahrtenbuch nicht erfüllen.

Der Anteil der betrieblichen PKW-Nutzung ist regelmäßig Gegenstand der Betriebsprüfung. Deswegen ist es sinnvoll, diesen zeitnah zu dokumentieren. Hat der Steuerpflichtige den betrieblichen Nutzungsumfang des Kfz einmal dargelegt, so ist - wenn sich keine wesentlichen Veränderungen in Art und Umfang der Tätigkeit oder bei den Fahrten zwischen Wohnung und Praxis ergeben - auch für die folgenden Veranlagungszeiträume von diesem Nutzungsumfang auszugehen. Ein Wechsel der Fahrzeugklasse kann im Einzelfall Anlass für eine erneute Prüfung des Nutzungssumfanges sein,

Besonderheiten

Befinden sich mehrere Fahrzeuge im Betriebsvermögen muss für alle Fahrzeuge ein Nachweis durch Aufzeichnungen oder Ähnliches geführt werden, um die Ein-Prozent-Listenpreismethode anwenden zu können. Ein privater Nutzungswert ist für jeden auch privat genutzten PKW anzusetzen. Befinden sich mehrere Fahrzeuge im Betriebsvermögen, werden die Fahrten zwischen Wohnung und Praxis nur für das Fahrzeug mit dem höchsten Bruttolistenpreis angesetzt.

Der Nutzungswert ist auch dann in voller Höhe anzusetzen, wenn in einzelnen Monaten das Fahrzeug nur gelegentlich genutzt wird. Sofern für volle Kalendermonate eine Nutzung ausgeschlossen ist, zum Beispiel bei Verwendung von Saisonkennzeichen, kann für diesen Monat auf den Ansatz eines Nutzungswertes verzichtet werden. Längere Krankheit oder Auslandsaufenthalte führen jedoch nur dann zur Ersparnis, wenn die Nutzung durch Familienmitglieder ausgeschlossen ist.

Unser Tipp

Bevor Sie entscheiden, ob Sie Ihren neu erworbenen PKW der Praxis zuordnen oder im Privatvermögen behalten und ob Sie die aufwendige Fahrtenbuchmethode wählen oder sich für die pauschale Ein-Prozent-Methode entscheiden, sollten Sie - oder Ihr Steuerberater - vorab überschlagen, was für Sie am günstigsten ist. Nicht zuletzt sollte dabei auch der verursachte Dokumentations- und Rechenaufwand berücksichtigt werden.

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Patientenverfügung geht online

Aus (Deutsche Bank medNachrichten 4/2011)

Oft ist nach einem schweren Unfall nicht klar, ob es eine Patientenverfügung gibt oder nicht. Ärzte wissen dann nicht, wie im Falle einer schweren, lebensbedrohlichen Erkrankung der Patient die weitere Versorgung und Betreuung wünscht. Damit diese Informationslücke gestopft wird, hat das Ärztenetz "Gesundheitsverbund Braunschweig" im September ein OnlineModell gestartet. Auf www.patientenvolllmacht24.de können Patienten ihre Patientenvollmacht erstellen und hinterlegen. Nach Angaben des Ärztenetzes sind die Dokumente von Juristen und Ärzten verfasst worden und sollen bei rechtlichen Änderungen angepasst werden.

Die Vollmacht liegt PIN-geschützt auf einem Server. Neben dem Inhaber hat zusätzlich ein Bevollmächtigter Zugriff auf die PIN. Damit Ärzte im Notfall auch von der Patientenverfügung im Web erfahren, weist ein Aufkleber auf der Versichertenkarte auf die E-Vollmacht hin. Die fast 300 Arztpraxen des Gesundheitsverbundes in der Region machen mit Informationsmaterial auf das Portal aufmerksam. Damit soll laut Ärztenetz nicht nur ein Bewusstsein für eine Patientenverfügung geschaffen werden, sondern es sollen auch die Ärzte entlastet werden. Denn die Beratung nimmt oft viel Zeit in Anspruch. Beschäftigen sich Patienten schon im Kreis der Familie mit der Patientenverfügung, fällt ein Großteil der zeitaufwändigen, nicht vergüteten Beratung weg, hoffen die Ärzte. Die Kosten für die E-Vollmacht liegen je Patient bei 66 Cent im Monat und sollen den Verwaltungsaufwand abdecken. Ab 2012 soll das Projekt auch bundesweit starten.

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Wie soll man es machen?

GOÄ-Abrechnung

aus "Der Allgemeinarzt 16/2011

Eines vorweg: Es gibt kein "Patentrezept" für die Rechnungserstellung und den Rechnungsversand. Es ist wahrscheinlich in gewissem Maße auch von der gesamten Praxisstruktur und -organisation sowie von persönlichen Vorlieben und Stilempfinden abhängig, für welchen Weg Sie sich entscheiden. Eines ist jedoch gewiss: Sie sollten primär mit einem spitzen Bleistift durchrechnen, was für Sie die günstigste Alternative ist.

Über die Erstellung der Rechnungen bei Privatpatienten gibt es immer wieder Diskussionen und unterschiedliche Meinungen. Die Hauptfragen stellen sich jeder Praxisinhaberin, jedem Praxisinhaber nicht nur am Beginn der freiberuflichen Tätigkeit. Diese Hauptfragen lauten:

  1. Wie soll man die Rechnungen erstelllen?
  2. Welche Möglichkeiten gibt es dafür üerhaupt?
  3. Soll man diese Aufgaben "einkaufen", der soll man sie selbst erledigen?

1. "Handarbeit"

Als ich meine Praxis vor 25 Jahren übernahm, haben wir zunächst die Rechnungen manuell mit der Schreibmaschine geschrieben. Die Helferin hat getippt, ich habe mit dem Taschenrechner die Beträge ausgerechnet. Das kann man machen, wenn man nicht mehr als 20 bis 30 Rechnungen pro Quartal zu verschicken hat. Bei Anzahlen, die darüber liegen, rechnet sich der Einsatz betriebswirtschaftlich nicht.

Kostenrechnung: Für ca. 100 Privatrechnungen braucht man einen Helferinnentag und einen Arzttag zu je 8 Stunden. Ein .Helferinnentag" kostet ca. 110 Euro, sollte dieser Tag ein Feiertag (Samstag oder Sonntag) sein, wird ein Aufschlag von 50 % fällig. Ein "Arzttag" sollte ca. 400 Euro erbringen (z, B. Dienst in der Ambulanz mit 50 Euro pro Stunde). Die Gesamtkosten nur für die Arbeitszeit liegen pro 100 Privatrechnungen also schon bei ca. 600 Euro, dazu kommen Kuvertierung und Porto - letztendlich kosten Erstellung und Versand von 100 Rechnungen "in Handarbeit" ungefähr 700 Euro, also ca. 7 Euro pro Rechnung.

2. Computer

Bei den meisten Praxiscomputerprogrammen gibt es ein Modul "Privatliquidation" Vorausgesetzt, dass man während des Quartals die Leistungen (und ggf. Änderungen des Steigerungssatzes) schon korrekt eingegeben hat, ist dieses Verfahren einfach, wenig kostenintensiv und effektiv.

Eine große Erleichterung haben wir erfahren, als wir begonnen haben, jeder Rechnung einen vorbereiteten Überweisungsträger beizulegen. Auf diesem sind Name des Patienten, der Rechnungsbetrag, die Rechnungs- und die Patientennummer und unsere Kontoverbindung schon eingedruckt. Der Patient braucht nur noch seine Kontonummer einzutragen und den Überweisungsträger zu unterschreiben, und schon kann das Geld "auf die wohlverdiente Reise" gehen.

Nach meiner Erfahrung haben wir nach vier Wochen ca. 75 % der Rechnungen auf dem Konto gebucht - zu den Zeiten, als wir den Überweisungsträger noch nicht beigelegt hatten, war es nach sechs Wochen ungefähr die Hälfte. Diese Zunahme bedeutet natürlich auch einen Liquiditätsgewinn.

Die Druckkosten sind je nach Drucksystem nicht vollkommen zu vernachlässigen. Gute Laserdrucker schaffen die Seite für 3-4 Cent, wegen des Duplikates und mit dem Überweisungsträger fallen also 10 Cent an. Das Porto bleibt unverändert. Die Rechnungen müssen natürlich auch kuvertiert werden. Für 100 Rechnungen kalkuliere ich 150 Euro, also nur noch 1,50 Euro pro Rechnung.

Wenn ein ausgefüllter Überweisungsträger der Rechnung beiliegt, wird wesentlich schneller bezahlt.

3. PVS

Die Abwicklung über die Privatärztliche Verrechnungsstelle (PVS) hat den Vorteil, dass Sie mit der Abgabe der Diskette mit allen Datensätzen sofort das Honorar überwiesen bekommen. Den ganzen Ärger mit säumigen Zahlern, Mahnwesen und Mahnverfahren übernimmt die PVS für Sie. Allerdings kostet dieser Service Geld. Zudem merken die Patienten an, dass sie nicht gerne Rechnungen von einer anonymen "Inkasso-Stelle" erhalten - vor allem, wenn es mal ein Problem mit einer Rechnungsposition gibt, die zu klären wäre.

"Unsere" lokale PVS in Bad Segeberg verlangt für eine per Diskette eingereichte Privatabrechnung 3,5 % Provision zzgl. Mehrwertsteuer. Bei in Hausarztpraxen üblichen Rechnungsbeträgen (Bronchitis, Gastritis, Lumbago, Tendovaginitis u. ä.) von meist zwischen 50 und 100 Euro läge diese Provision bei ca. 3,50 Euro, also in der Mitte zwischen "Selbstmachen" oder "Computereinsatz".

4. Online-Abbuchung

Unser Softwarehaus bietet seit einiger Zeit die Bonitätsprüfung der Privatpatienten beim Beginn der Behandlung an. Der Patient muss seine EC- oder Kreditkarte einlesen lassen, und am Ende der Behandlung bekommt er sofort seine Rechnung, die dann auch sofort von seinem Bankkonto abgebucht wird. Diese Lösung mag für Gebietsärzte mit einem hohen Anteil an fremden Patienten ein sicherer Weg sein, für eine "alteingesessene Hausarztpraxis" scheint es mir nicht die Methode der Wahl zu sein. Manchmal lässt sich nicht genau vorhersagen, wann die Behandlung abgeschlossen sein wird. Schreibt man dann nach jeder einzelnen Konsultation eine Rechnung? Es klingt etwas zu offensichtlich nach Misstrauen und nach Geldgier, wenn man nach jeder Behandlung sofort kassiert. Oder hat man so wenig Vertrauen zur Wirksamkeit seiner Therapie hinsichtlich des Überlebens derselben durch den Patienten?!

Jedem sollte klar sein: In den heutigen Zeiten hat man auch bei der Erstellung der Privatliquidation kein Geld zu verschenken.

5. Versand

Ein Versand jedes Briefs mit der Post ist kostenintensiv - die Briefboten anderer Anbieter sind zwar meistens kostengünstiger, aber nicht immer ganz zuverlässig. Man kann - vor allem bei "Dauerpatienten" - abwarten, bis der Patient wieder in die Praxis kommt, und ihm dann die Rechnung mitgeben.

Das hat jedoch einen Nachteil: Das eingedruckte Datum der Rechnungserstellung und das Zahlungsziel sind nicht aktuell. Wir haben gute Erfahrungen mit Schülern (meist den eigenen Kindern) gemacht, welche die Rechnungen ausgetragen haben. Dazu gehört natürlich eine große Verlässlichkeit und eine gewisse Findigkeit bei bestimmten Adressen, die - was Namen oder Hausnummern angeht - nicht gut beschildert sind. Dieser "Service" ist preisgünstiger als mit professionellen Versandunternehmen, unterliegt aber auch einem gewissen Verhandlungsgeschick beider Vertragspartner ...

Prof. D. med. Jens-Martin Träder, Facharzt für Allgemeinmedizin, Institut für Allgemeinmedizin Uni Lübeck

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PKV muss Gabe von Arzneien nicht bezahlen

Ärzte Zeitung, 07.12.2011

SCHLESWIG (mn). Eine private Krankenversicherung muss die Kosten für die Gabe von Medikamenten nicht erstatten. Das hat das Oberlandesgericht (OLG) Schleswig entschieden.

In dem Fall hatte die 90-jährige Klägerin Medikamente von ihren Ärzten verschrieben bekommen. Für die Einnahme der Medikamente hat sie den Pflegedienst des Wohnstiftes, in dem sie lebt, in Anspruch genommen.

Dieser berechnete pro Medikamentengabe 9,02 Euro, was zu einer Rechnung von über 800 Euro führte. Die private Krankenversicherung der Klägerin zahlte nicht und berief sich darauf, dass die Medikamentengabe nicht von dem Krankheitskostenversicherungsvertrag umfasst sei.

Die Frau hielt entgegen, dass gesetzlich Krankenversicherte Anspruch auf häusliche Krankenpflege haben, die auch die Verabreichung von Medikamenten umfasst, wenn sie alleinstehend sind und die Medikamente nicht selbst einnehmen können.

Medikamentengabe nicht versichert

Das OLG war anderer Auffassung. Wer eine private Krankenversicherung abschließe, könne nicht erwarten, dass er damit so versichert ist, wie er es als Mitglied einer gesetzlichen Krankenkasse wäre.

Dem stehen grundlegende Strukturunterschiede zwischen dem System der gesetzlichen und der privaten Krankenversicherung entgegen, so das Gericht. Es sah nach dem Inhalt des abgeschlossenen Krankenversicherungsvertrags die Kosten für die Medikamentengabe nicht als versicherte Leistung an.

Nach dem Vertrag seien der Klägerin nur die Aufwendungen für Arzneimittel bei einer medizinisch notwendigen Heilbehandlung zu erstatten.

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Fitness-Check in der Praxis – wie abrechnen?

(Medical Tribune 2.12.2011

Patienten, die gute Vorsätze haben und sich mehr bewegen möchten, trauen sich oft zu viel zu. Zu deren Schutz sollten Ärzte aktiv auf Gesundheits-Checks in der Praxis hinweisen.

Dass immer mehr Menschen in ihrer Freizeit Sport treiben, ist erfreulich. Aber es kann auch gefährlich werden, wenn beim Couch-Potato plötzlich Training angesagt ist und er seine Leistungsfähigkeit überschätzt. Um Patienten vor einer möglichen Überforderung zu schützen, muss also die Fitness gecheckt werden.

Da die Krankenkassen diese Untersuchung nicht übernehmen, handelt es sich um eine klassische IGeL, die auch wirtschaftlich attraktiv für die Praxis ist. Denn es sind keine großen Investitionen nötig, da die einzelnen Leistungen in der Regel zum Tagesgeschäft einer hausärztlichen Praxis gehören.

Der Fitness-Check inklusive Abrechnung kann z.B. folgendermaßen aussehen:

GOÄ Nr. 3 - Sportmedizinische Anamnese und Beratung (Dauer mindestens 10 Minuten), bei Faktor 2,3 macht das 20,11 Euro,

GOÄ Nr. 8 - Sportmedizinische Status-Untersuchung, bei Faktor 2,3 ergeben sich 34,86 Euro,

GOÄ Nr. 70 - Bescheinigung für 5,36 Euro bei Faktor 2,3.

Da neben der GOÄ Nr. 3 keine weiteren Leistungen abrechenbar sind, kann - sollte z.B. ein Belas­tungs- oder Ruhe-EKG erforderlich sein - auch alternativ die Nr. 1 mit höherem Faktor (3,5-fach mit Begründung, z.B. sehr zeitintensiv) angesetzt werden, so ein Tipp der Privatärztlichen Verrechnungsstelle in ihrem Newsletter "info:dok".

Dann ist es möglich, die Nr. 652 (Leistung "Sportmedizinischer Fitness-Test") in Ansatz zu bringen. Bei 2,3-fachem Satz bringt das 59,66 Euro. Alternativ könnte ein Ruhe-EGK (GOÄ Nr. 651) erfolgen, bei 1,8-fachem Satz macht das 26,54 Euro.

Weitere Leistungen, soweit sie vom Arzt als medizinisch sinnvoll erachtet werden, könnten sein: Nr. 605 Lungenfunktionsmessung oder Nr. 605 a oder Darstellung der Flussvolumenkurve. Zusätzlich können natürlich ggf. auch noch entsprechende Laborleistungen zum Angebotsspektrum hinzukommen.

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Smartphone errechnet aktuellen Gesundheitszustand

25./26.11.2011

MÜNCHEN (sto). In einer einzigen Zahl von 1 bis 1000 will das Schweizer Unternehmen Quentiq künftig den aktuellen Gesundheitszustand eines Menschen ausdrucken: Je höher der Quentiq Health Score, desto besser die gesundheitliche Verfassung. Durch sportliche Aktivitäten kann der Score jederzeit verbessert werden.

Der Quentiq Health Score" ist ein Online-Angebot, das das Schweizer Unternehmen zusammen mit der Deutschen Telekom Anfang kommenden Jahres als App auf den Markt bringen will. Mit dem Angebot, das sich an 20- bis 60- Jährige wendet, wollen die Unternehmen bis Mitte 2013 mehr als 500000 Kunden in Deutschland, Österreich und der Schweiz gewinnen. Man sei auch im Kontakt mit Krankenkassen, hieß es bei einer Pressekonferenz in München.

Im Hintergrund steht eine Software, die neben dem Alter, der Körpergröße, dem Geschlecht, dem Gewicht oder Blutdruck auch die Lebensweise des Anwenders, wie etwa Tabak- und Alkoholkonsum, seine sportlichen Aktivitäten sowie eine Selbsteinschätzung berücksichtigt. Auf der Grundlage von Vergleichswerten, die nach Angaben von Peter Ohnemus. Mehrheitseigentümer der Quentiq AG, einen Umfang von rechnerisch 70 Millionen Jahren klinisch ermittelter Daten haben, errechnet das System eine Zahl zwischen 1 und 1000 als Maßeinheit für Fitness und Gesundheit. Die Daten können zusätzlich durch Werte einer Digitalwaage, eines speziellen Blutdruckmessgerätes oder eines Gerätes, das die Pulsfrequenz beim Sport misst, die alle über das App online übermittelt werden, ergänzt werden. Aus diesen Daten und dem persönlichen Profil wird der Health Score errechnet, der auf das Smartphone gesendet wird.

www.quentiq.com

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Arztnavi: Ärzte wollen sich von der besten Seite zeigen

Ärzte Zeitung, 13.09.2011

Ärzte konnten bei der Telefonaktion der "Ärzte Zeitung" zur Online-Arztsuche von AOK, BARMER GEK und der Weissen Liste alle ihre Fragen los werden. Fazit: Der Nutzen des Portals stand im Fokus.

NEU-ISENBURG (sun). "Wie kann ich meine Patienten motivieren, an der Befragung teilzunehmen?" Diese Frage eines Arztes an die drei Experten war typisch für die Telefonaktion der "Ärzte Zeitung" zur Online-Arztsuche von AOK, BARMER GEK und Weisse Liste.

Viele Anrufer kamen mit Fragen zum Nutzen des Portals für die Praxis und dazu, wie man Patienten einbinden kann in den Prozess der Online-Bewertung.

Zwei Stunden mit Fragen löchern

Zwei Stunden lang konnten Leser Stefanie Hennig, Projektleiterin für die Arztsuche "Weisse Liste", Kai Kolpatzik, Arzt und Projektleiter für den Arztnavigator beim AOK-Bundesverband, und Dr. Christian Graf, Projektleiter für das Arztnavi bei der BARMER GEK mit Fragen löchern. Und von denen gab es reichlich.

Die Experten blieben keine Antwort schuldig. Zur Motivation der Patienten, an der Online-Befragung teilzunehmen, wusste Kai Kolpatzik von der AOK Rat: "Ärzte können ihr Praxispersonal und alle ihre Patienten, die bei der AOK oder bei der BARMER GEK versichert sind, aktiv auf die Befragung ansprechen."

Wartezimmerplakat zum Bestellen

Darüber hinaus sei speziell für diesen Zweck ein Wartezimmerplakat entwickelt worden, mit dem Ärzte gezielt auf die Befragung hinweisen können.

Das Plakat könnten alle Ärzte per E-Mail bestellen ( aok-bundesverband(at)bv.aokoder versorgungsprogramme(at)barmer-gek.de ).

Noch vor zwei Jahren schlugen die Wellen hoch, als die AOK ankündigte, ein Portal im Internet aufzubauen, in dem Patienten ihre Ärzte bewerten könnten. Viele Ärzte fürchteten damals Schmähkritik. Die Projektpartner schließen Diffamierungen und Schmähkritik jedoch aus.

Veröffentlichung der Ergebnisse erst nach zehn Beurteilungen

So wurde eine Schwelle eingebaut, damit kein verzerrtes Bild der bewerteten Ärzte entsteht: Veröffentlicht werden die Ergebnisse erst, wenn ein Arzt zehn Beurteilungen erhalten hat.

Das Portal steht seit Mai 2011 bundesweit online, und für die Anrufer standen jetzt eher praktische Fragen im Fokus, etwa dazu, wie die Online-Arztsuche aktiv für die Praxisführung genutzt werden kann. Das Portal könne ein Instrument sein, um eine Patientenbefragung durchzuführen, sagte dazu Kai Kolpatzik. Schließlich sei der Fragebogen, den die Patienten im Netz beantworten können, nach wissenschaftlichen Standards entwickelt worden.

Auch Privatärzte sind im Portal zu finden

Einige Anrufer hatten gar Angst nicht bei der Online-Arztsuche gelistet und dementsprechend für ihre potenziellen Patienten im Netz nicht auffindbar zu sein. Die Experten konnten sie beruhigen. "Ja, auch Privatärzte sind in dem Portal zu finden", betonte Projektleiter Kolpatzik.

In den nächsten Monaten werde geprüft, ob ausreichend Beurteilungen für Privatärzte eingehen. Dann werde entschieden, ob die Beurteilungsmöglichkeit weiter angeboten werde.

Die "Ärzte Zeitung" berichtet über die Online-Arztsuche als Medienpartner der AOK, BARMER GEK und des Projekts Weisse Liste. Das Portal ist über folgende Adressen erreichbar: www.aok-arztnavi.dehttp://arztnavi.barmer-gek.de/http://arztnavi.barmer-gek.de,www.weisse-liste.de/arzt

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Facebook – ein nützliches Marketinginstrument für die privatärztliche Praxis?

"Anlässlich des Börsengangs von Facebook"

Wir knüpfen an das mit viel Aufmerksamkeit verfolgte Referat von Frau Lenz auf unserer Spätjahr-Veranstaltung an und stellen noch mal in einem Übersichtsartikel das potentiell neue Medium Facebook vor, so dass sich jeder selbst eine Meinung bilden kann ob so etwas für ihn in Frage kommt:

Facebook - ein nützliches Marketinginstrument für die privatärztliche Praxis?

Facebook gilt weltweit als eine der bedeutendsten sozialen Netzwerke. Die Plattform wird in 74 Sprachen angeboten und zählt 750 Mio. aktive Facebooknutzer weltweit, 18 Mio. davon in Deutschland.

Was bedeutet das für Sie als Arzt oder Therapeut? Wir wagen eine Zusammenfassung aus Marketingsicht:

Die Zielgruppe

Der Durchschnitts-Nutzer weltweit:

  • ist Fan von 80 Pages, Gruppen oder Events
  • Ist 30 Min täglich in Facebook
  • Hat 130 Freunde
  • Erstellt 90 Inhalte pro Monate

Was bietet Facebook?

"Facebook ermöglicht es dir, mit den Menschen in deinem Leben in Verbindung zu treten und Inhalte mit diesen zu teilen."

Ja, hier auf Facebook trifft man sich zum Smalltalk unter Freunden aber auch um Empfehlungen weiterzugeben und zu erhalten z. B. zu interessantenVeranstaltungen, Links auf gute Webseiten oderzu Produkten. Mit dem "Gefällt mir"-Button kann man explizit auf den eigenen Geschmack bzw. die eigene Meinung zu einem Thema hinweisen.

Eigentlich ist all das vergleichbar mit dem Schwätzchen beim Bäcker, an der Haustür oder im Wartezimmer beim Arzt.

Nur gibt es in Facebook ein paar Besonderheiten, die Sie kennen müssen.

  1. Interaktion: Die Facebook-Nutzer können Ihre Mund-zu- Mund-Propaganda untermauern: mit Links zu speziellen Produkt- oder Serviceseiten, zu Bildern, Veranstaltungen und Videos, zu Spielen,Apps , Interessengruppen usw. Virale Informationsverbreitung ist hier das Stichwort.
  2. Die Frequenz der daraus resultierenden Informationsweiterleitung ist erheblich schneller und weiterreichenderals bei herkömmlichen Medien.
  3. All das geschieht öffentlich. Jeder Ihrer Facebook-Freunde kann lesen, worüber Sie schreiben und das Gelesene auch gleich kommentieren.

Fanseiten für Unternehmen

Als Unternehmen oder Arztpraxis legen Sie sich eine sogenannte Fanseite an.

Fanseiten sind kostenfrei. Über den "Gefällt mir" Button können interessierte Nutzer "Fan" Ihrer Seite werden und so regelmäßig über Neues von Ihnen informiert werden.

Der Aufbau einer Facebookseite ist grundsätzlich immer gleich, unabhängig davon, ob es sich um eine persönliche Profilseite oder um eine Unternehmensseite also Fanseite handelt.

In der Seitenleiste stellen Sie Ihre Arztpraxis mit Bild, Logo und kurzen Infos vor.

Die Registerkarten entsprechen einer Menüleiste im Interne, sind aber nach Funktionen sortiert. Hier kommt man zu Fotogalerien, Diskussionen, Apps (spezielle Anwendungen in Facebook, oftmals Spiele) usw. Es können auch neue Registerkarten angelegt werden. Meistens sind diese zu programmieren.

Die Pinnwand ist der Bereich, in dem gepostet und kommentiert wird.

Nutzerverhalten

Wenn Sie in Facebook den richtigen Ton treffen wollen, sprechen Sie Ihre Fans mit "Ihr / Euch" an. Das "Du" ist kein Muss, wenngleich die gebräuchlichste Anrede. Pflicht ist ein lockerer Umgangston!

Es wird direkt kommuniziert - ohne Hemmungen. Der Nutzer fühlt sich hier zu Hause. Viele Nutzen Facebook als Ihren Email-Account. Sie verhalten sich so, als wäre Facebook Ihre eigene Domain. Alle sind auf gleicher Augenhöhe. Hierarchien gibt es keine auch nicht zwischen Unternehmen und Privatpersonen.

Der Bereich, in dem diese Kommunikation hauptsächlich erfolgt, ist die sogenannte "Pinnwand". Hier wird in chronologischer Reihenfolge gepostet. Themen oder Adressaten werden nicht kategorisiert.

Doch bevor Sie loslegen, Ihre eigene Fanpage zu erstellen, sollten Sie dringend über das Ziel Ihrer Seite nachdenken:

Social Media Konzeption

Denken Sie daran, auch wenn Sie nicht der Typ für Privates bezüglich Ihrer Patienten sind. Das Image Ihrer Praxis gestalten Sie in Zukunft immer weniger allein mit Ihrem Praxisteam und Ihrer Werbeagentur. Der Konsument, und dazu gehören auch Ihre Patienten im weitesten Sinn, will immer mehr mitreden. Die Frage ist, ob und wie Sie darauf Einfluss nehmen wollen. Ob Sie diese neuen Möglichkeiten für sich nutzen können und wollen.

Ziele, die Sie als Arzt auf Facebook erreichen können:

  • Den persönlichen, direkten Kontakt zu Ihren Patienten stärken und so Vertrauen aufbauen und die Mund-zu-Mund-Propaganda stärken.
  • Mobiler Nutzen: Arztpraxis wird auf I-Phone und anderen webfähigen Handys angezeigt (Google Places ist gekoppelt an Facebook)
  • Domain: Arzt-Namen bzw. Praxisnamen besetzen
  • Google Ranking der Webseite wird durch Social-Media-Aktivitäten deutlich erhöht, Tendenz steigend

Was Sie sich fragen sollten bevor Sie starten

  • Erreiche ich meine Zielgruppe auf Facebook?
  • Bin ich bereit mit meinen Patienten auf einer persönlichen Ebene zu kommunizieren?
  • Habe ich bzw. mein Praxisteam Zeit und Lust, diese Plattform zu nutzen?
  • Habe ich andere Onlineplattformen, mit denen ich meinen Facebook-Auftritt vernetzen kann (Praxiswebseite, Blog, Xing, Twitter, Podcasts, YouTube...)?

Planen Sie Ihren Auftritt frühzeitig

  • Planen Sie 6 Monate im Voraus.
  • Die Fanseite ist zwar komplett kostenlos,der Zeitaufwand, der zur Pflege notwendig ist, darf aber nicht unterschätzt werden.
  • Erstellen Sie einen speziellen Social-Media-Plan für Ihre Online-Marketing-Strategie.
  • Erstellen Sie eine Themenliste: sollen spezielle Veranstaltungen propagiert werden? Welche relevanten Themen können mit Ihren Nutzern diskutiert werden? Auf welche hochwertigen, externen Seiten will ich aufmerksam machen?
  • Schreiben Sie die ersten 20 Posts, damit eine konstante Posting-Frequenz Sie nicht gleich ins Schwitzen bringt.
  • Planen Sie frühzeitig den konkreten Personal- und Zeitaufwand. Überlegen Sie, wie dieser im Praxisalltag zu bewerkstelligen ist.

Irreversible Anfängerfehler

Bitte achten Sie beim Erstellen Ihrer Fanseite darauf, dass der Titel Ihrer Seite nachträglich nicht änderbar ist. Im Titel sollten Sie suchmaschinenrelevante Schlagworte berücksichtigen, damit Sie bei Google gut gefunden werden. Gleiches gilt für die Vanity-URL: Überlegen Sie genau, wie diese heißen soll. Sie ist nicht rückgängig zu machen, kann aber die Auffindbarkeit ihrer Seite deutlich beeinflussen.

Wie starten?

  • Zum Start der Fanseite 3-4 Postings einstellen, danach 3-4 Mal pro Wiche posten.
  • Den Charakter der Arztpraxis herausstellen.
  • Die Relevanz der Beiträge ist entscheidend, damit Besucher wiederkommen.
  • Seien Sie authentisch!
  • Richtwert für Interaktionen: ca. 1%,

Tipps

Die Fanseite trägt zur Suchmaschinen-optimierung Ihrer gesamten Onlinemarketing-Strategie bei. Schenken Sie daher Schlagworten in Ihrer Infobox und allen Links besondere Aufmerksamkeit.

Schreiben sie ehrliche, transparente Beiträge. Bleiben Sie auf Augenhöhe mit Ihren Gesprächs-partnern. Aktive Werbung für die eigene Praxis ist kontraproduktiv. Schnell nimmt Sie keiner mehr ernst.

Machen Sie eine Konkurrenzanalyse und schauen Sie regelmäßig nach Ihrer Onlinereputation, damit Sie wissen, was über Sie geschrieben wird.

Facebook ist eine Plattform, auf der es eher locker zugeht, beachten Sie trotzdem Ihre rechtliche Situation als Arzt, so z. B. das Heilmittelwerbegesetz. Erzählen Sie keine Krankengeschichten. Beachten Sie: Kommentare von Patienten, die Ihre fachlichen Fähigkeiten als Arzt loben, müssen Sie leider löschen - am besten mit einem entsprechenden Kommentar.

Fans gewinnen

Die Fanseite ist erstellt, die ersten Posts stehen, aber wie bekomme ich mehr Fans? An diesem Punkt scheitern sehr viele Seiten. Sie sollten sich überlegen, welche Marketingmaßnahmen Sie anstoßen wollen, um die Fangewinnung zu unterstützen. Als Beispiel sei hier genannt: Sozial Plugins., Werbebanner auf Facebook, Emailsignatur, Infokärtchen in der Praxis.

Sicherheit

Sicherheitslücken bei Facebook machen immer wieder die Runde. Durch den enormen Informations-Sammeleifer des Betreibers kommt es immer wieder zu Verunsicherungen - sind meine Daten hier wirklich sicher? Gehen Sie damit locker um, in dem

Sie einfach nur das veröffentlichen, was letztendlich die ganze Welt von Ihnen wissen darf, dann sind sie auf der sicheren Seite.

Fazit

Der Trend zum Social-Networking wird nicht mehr umkehren. Wenn Sie als Privatarzt vermehrt eine junge Zielgruppe zwischen 18 und 45 Jahren erreichen wollen,dann nutzen Sie die Chancen, die Social-Networking und Facebook bieten.

18 Millionen Nutzer allein in Deutschland (Tendenz steigend) lassen sich nicht mehr wegdiskutieren. Die Handy, Chat und I-Phone-Generation der heutigen Schüler und Studenten denkt völlig anders, was Kommunikation anbelangt, als irgendeine Generation jemals zuvor. Nutzten Sie deren Bedürfnisse für Ihr Praxismarketing.

Profitieren Sie von der viralen Weitergabe Ihrer eigenen gezielt gestreuten Informationen!

Eine Facebookseite aufzusetzen ist nicht schwierig. Professionell vorzugehen ist es schon. Neben rechtlichen Kriterien, sollten Suchmaschinenaspekte, werbliche Aspekte für die Fangenerierung und Sicherheitsaspekte berücksichtigt werden. Auch der Schreibstil will gelernt sein. Daher ist es ratsam, sich Unterstützung zu holen. Gerne helfen wir Ihnen dabei, diesen Markt auf Ihre Bedürfnisse hin zu analysieren und ein effektives Social-Media-Konzept zu erstellen.

 

Altamedinet ist eine Fachagentur für die Komplementärmedizin mit den Bereichen Marketing- & Strategieberatung, Internet und Print.

Frau Lenz, Gesellschafterin der Altamedinet GmbH, hat nach ihren Studium im Bereich Industriedesign an der FH Pforzheim in den Neuen Medien fussgefasst. Nach jahrelanger Mitarbeit in verschiedenen Digital-Media-Agenturen berät Sie heute Kunden zu Themen wie Corporate Design und Designstrategie, Benutzerführung, Suchmaschinenmarketing , Soziale Medien und AdWords. " Wir spüren, dass Facebook auch unter unseren Kunden immer mehr zum Thema wird. Wir wollen Ihnen den bestmöglichen Start in diese neue Welt ermöglichen.

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Der App-Boom geht in die nächste Runde

Ärzte Zeitung, 13.10.2011

Der Markt für Apps im Gesundheitsbereich entwickelt sich rasant. Damit Ärzte nicht den Überblick verlieren, startet die "Ärzte Zeitung" eine Serie zu Gesundheits-Apps.

Von Kerstin Mitternacht und Pete Smith

NEU-ISENBURG. Apps für Smartphones legen bei der Beliebtheit immer weiter zu. Mehr als 15 Millionen Deutsche haben laut dem Hightech-Verband BITKOM die kleinen Programme auf ihrem Handy oder Smartphone - etwa dem iPhone von Apple - installiert.

Dabei haben Smartphonebesitzer im Durchschnitt 17 Apps auf ihrem Mobiltelefon. Der App-Markt befinde sich noch am Anfang und habe ein enormes Potenzial nach oben, so die Einschätzung von René Schuster, BITKOM-Präsidiumsmitglied.

Markt entwickelt sich auch im Gesundheitsbereich rasant

Auch im Gesundheitsbereich entwickelt sich der Markt rasant. Neben Apps, die über Gesundheitsthemen informieren, oder mit denen sich Werte wie das Körpergewicht kontrollieren lassen, gibt es auch immer mehr spezielle Zusatzgeräte, die Blutdruck oder Puls berechnen.

So wird mithilfe einer App und einem kleinen Zusatzgerät aus dem Handy schnell ein Medizingerät. Über eine Internetverbindung lassen sich die Messwerte dann unkompliziert an einen Arzt weiterleiten.

Die "Stiftung Warentest" hat gerade solche Zusatzgeräte getestet. Die Frage, die sich die Tester stellten, lautete: Kann das Blutdruck- oder Blutzuckermessen mit iPhone oder iPad mit der Messung durch herkömmliche Geräte mithalten?

"Stiftung Warentest" war überzeugt von drei erhältlichen Zusatzgeräten

Das Ergebnis: Beim Thema Blutdruck- und Blutzuckermessung konnten die drei auf dem Markt erhältlichen Zusatzgeräte die Tester überzeugen und erhielten durchweg gute Noten. Diese Verbindung von Medizintechnik und mobiler Kommunikation wird den Gesundheitsmarkt in Zukunft weiter verändern.

Denn auch medizinische Laien können mit Apps ihre Körperfunktion einfach überwachen und sich und den Praxisteams so oft Zeit raubende Praxisbesuche sparen. Sofern die Patienten im Umgang mit den Geräten geübt sind.

Dies zeigt auch eine internationale Studie des Instituts research2guidance, die Anfang des Jahres von BITKOM vorgestellt worden ist. Die Studie sagt den Gesundheits-Apps auf Smartphones eine herausragende Zukunft voraus.

Danach erwarten zwei Drittel der 231 befragten Unternehmen im Gesundheitssektor, dass im Jahr 2015 (bezogen auf die Industrieländer) die Mehrheit der Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Therapeuten Gesundheits-Apps verwenden werden.

Serie: Apps im Gesundheitswesen

Täglich kommen hunderte von neuen Apps für Smartphones und Tablet-PC auf den Markt.

Auch im Bereich Medizin und Gesundheit wächst der Markt rasant. Damit Ärzte nicht den Überblick bei Gesundheits-Apps und Apps fürs Praxismanagement verlieren, testet die "Ärzte Zeitung" in einer Serie für sie die neuesten und interessantesten Apps.

Achten Sie einfach auf die Rubrik "Gesundheits-Apps". Zum Start der Serie stellen wir Ihnen die App der "Ärzte Zeitung" vor.

Nach Berechnungen von BITKOM existieren derzeit weltweit rund 520.000 Apps. Die Mehrzahl dieser Apps sind kostenlos, für einige werden Preise von durchschnittlich drei Euro verlangt.

Ärzte können mit Apps Therapietreue bei Patienten steigern

Da täglich Hunderte neue Applikationen auf den Markt kommen, ist es schwer, den Überblick zu behalten. Aus diesem Grund wird die "Ärzte Zeitung" in einer Serie die neuesten Apps aus Medizin und der Gesundheitsbranche, aber auch interessante Apps fürs Praxismanagement vorstellen. Denn die kleinen Programme können Patienten und Ärzte im Alltag unterstützen.

Ärzte können mit Apps etwa die Compliance bei ihren Patienten steigern, durch die regelmäßige Überprüfung von Messwerten den Patienten die Sicherheit geben, dass ihr Arzt bei kritischen Werten reagieren kann oder Patienten mithilfe einer App dazu bringen, dass sie sich mehr bewegen und Spaß daran haben.

Gesundheits-Apps wie AsthmaApp oder Notfall-mobil-App

Ein paar Beispiele für Gesundheits-Apps: Patienten mit Asthma können mithilfe des AsthmaApp, entwickelt von GlaxoSmithKline und dem Online-Portal Luft-zum-Leben.de, einen Asthmakontrolltest machen sowie Pollenflugdaten einsehen.

Takeda Pharma stellt eine Notfall-mobil-App zur Verfügung, die Notrufnummern mit Direktwahl listet und den eigenen Standort an die Leitstellen weiterleitet. "MyHandicap", eine App der Stiftung MyHandicap und der Kölner Ford-Werke, gibt die Adressen behindertengerechter Einrichtungen an.

Mangelnder Datenschutz der Apps wird kritisiert

Ein Kritikpunkt an den Apps ist der mangelnde Datenschutz. Wenn medizinische Daten unverschlüsselt und kabellos versendet werden, sind sie auch für Dritte einsehbar. Datenschützer befürchten hier Missbrauch und warnen vor dem gläsernen Patienten.

Außerdem bemängeln Kritiker, dass noch immer ein gemeinsamer Standard fehlt, der die Kompatibilität von Apps fürs iPhone mit denen anderer Smartphone-Hersteller sicherstellt.

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Abzocke mit der Angst Aus

(der niedergelassene arzt 9/2011)

Zweitmeinungsportal in der Kritik

"Seriös, unabhängig und kompetent'; so lautet die kernige Botschaft, mit der die Besucher des neuen Zweitmeinungsportals "Vorsicht! Operation" empfangen werden. Bis zum fundierten Gutachten, heißt es darunter weiter, brauche es nur wenige Klicks. Das unverbindliche Angebot, selbstverständlich kostenlos. Die Sicherheit der Daten, von größter Wichtigkeit. Die beratenden Ärzte, durchweg führende Kapazitäten auf ihrem Fachgebiet. Das Angebot komme gut an, freut sich Portal-Initiator Prof. Hans Pässler im Gespräch mit dem Deutschen Ärzteblatt: "Von Patientenseite ist das Interesse wahnsinnig groß."

Und tatsächlich wird das Internet von immer mehr Menschen als Ratgeber zu Gesundheitsthemen genutzt. 29 Millionen Deutsche erkundigten sich im vergangenen Jahr nach Krankheiten, Verletzungen oder einer gesunden Ernährung. Dies gab die europäische Statistikbehörde Eurostat unlängst bekannt. Der IT-Branchenverband Bitkom, sonst von Natur aus wenig internetkritisch, sieht sich dennoch zur Warnung veranlasst. Das Netz sei zwar eine "schier unendliche Informationsquelle zum Thema Gesundheit"; so Bitkom- Vize Heinz Paul Bonn, einen Arztbesuch ersetze es jedoch nicht.

Immer mehr Operationen

Damit dürfte Portal-Gründer Pässler kaum einverstanden sein. Schließlich gehe es ihm um nichts Geringeres als die Behebung eines "Systemfehlers" im Gesundheitswesen. Die Kommerzialisierung der Medizin, Mindestmengenregelungen und DRGs - dies habe, so der Professor, zu ausufernden OP-Zahlen geführt. Das Portal sei damit auch der Anstoß einer grundlegenden Debatte über unnötige Operationen in deutschen Krankenhäusern und Arztpraxen.

Dass hierzulande viele, vielleicht zu viele Patienten unters Messer kommen, ist kein Geheimnis. Im Krankenhausreport der Barmer GEK von 2010 warnt die größte deutsche Krankenkasse beispielhaft, dass Rentner ohne künstliches Knie- oder Hüftgelenk schon bald in der Minderheit sein könnten. In deutschen Krankenhäusern

würden immer mehr der Implantate eingesetzt. Die Fallzahlen bei Hüft-Operationen seien seit 2003 um 18 Prozent gestiegen. Bei Knie-OPs meldete die Barmer GEK sogar einen Anstieg um satte 52 Prozent. Den Trend zu immer mehr Eingriffen bestätigt auch das Statistische Bundesamt. Die Statistiker errechneten für 2008 eine Operationen-Zunahme um 5,2 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Kommt mit dem Zweitmeinungsportal, das bereits im Namen wenig zurückhaltend vor ärztlichen Fehlindikationen warnt, also das passende Gegenmittel zur steigenden Operationenzahl ?

"Keineswegs", kritisiert der Bundesvorsitzende des Verbandes der niedergelassenen Ärzte Deutschlands. "Berufsrechtlich, und das aus gutem Grund, sind Zweitmeinungen ohne direkten Patientenkontakt schlicht und einfach unzulässig." Die ärztliche Berufsordnung verbietet in § 7 Abs. 3 Behandlungs- und Beratungsleistungen, die ausschließlich fernmündlich geschehen. Genau dies bietet "Vorsicht! Operation" jedoch an. Ausdrücklich werben die Betreiber für Zweitmeinungen inklusive "Diagnose und Therapieempfehlungen sowie alternativen Behandlungsmöglichkeiten."

Und das ist nicht alles. Neben den ungeklärten Fragen zur Haftung bei fehlerhaften

Beurteilungen sowie der Sicherheit der Datenübertragung via Internet lasse die deutsche Gebührenordnung Leistungen ohne Patientenkontakt mit Kosten bis zu 600 Euro gar nicht zu, moniert Heinrich. "Anscheinend wittern die ehemaligen Chefarzte mit ihren Diagnosen aus dem Schaukelstuhl hier ein einträgliches Geschäft und wollen von der Verunsicherung der Patienten profitieren", so Heinrich.

Grundsätzlich seien Zweitmeinungen jedoch keineswegs falsch. Nur müsse das Internet als Sprechzimmer tabu bleiben. "Jeder Patient in Deutschland kann sich jederzeit bei niedergelassenen Ärzten eine Zweitmeinung holen, die frei von Sekundärinteressen ist und obendrein höchstens zehn Euro Praxisgebühr kostet", verdeutlicht der Bundesvorsitzende.

Anzeige gegen Portal-Ärzte

Angesichts der nicht unerheblichen rechtlichen Bedenken leitete der NAVBund im August juristische Schritte gegen das Portal ein. Heinrich: "Unabhängig davon, dass man das Angebot unappetitlich finden kann, muss der Schutz der Patienten gewahrt werden. Wir haben deswegen die zuständigen Aufsichtsbehörden um die rechtliche Klärung des Falles gebeten." Betroffen sind die Landesärztekammern in Bayern, Baden - Württemberg, Schleswig-Holstein, Sachsen, Berlin und Nordrhein. Neun Portal-Gutachter sind hier als Arzt zugelassen.

Mit Blick auf die früheren Krankenhaustätigkeiten der Portal-Ärzte bemerkt Heinrich: "Die beachtlichen OP-Bilanzen der sogenannten Experten lassen aufhorchen." Wer jahrelang selbst zigtausende Patienten operiert habe und nun plötzlich aus der Ferne vor unnötigen Eingriffen warne, erwecke den Eindruck von Scheinheiligkeit. "Die schärfsten Kritiker der Elche, waren früher selber welche", resümiert Heinrich.

Von Thomas Hahn

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Kartenleser: Die Uhr tickt für Ärzte

Aus „Deutsche Bank medNachrichten Ausgabe 3/2011

Von Oktober an werden die ersten Patienten mit der neuen Gesundheitskarte in die Praxen kommen. Dann brauchen Ärzte und Zahnärzte einen Kartenleser, der die Karte lesen kann. Die Kassen fördern die Anschaffung mit bis zu 850 Euro je Arzt. Allerdings muss das Gerät dafür bis zum 30. September bestellt sein.

Bis Ende September müssen Vertragsärzte und -zahnarzte sich entscheiden. Denn genau dann endet die Frist, in der sie für den Kauf eines neuen Kartenlesegerätes eine Förderung erhalten. Damit kommt das Projekt der elektronischen Gesundheitskarte wieder einen Schritt voran - auch wenn die neue Karte zunächst nicht mehr können wird als die alte Karte. Wenn Patienten ab Oktober mit der neuen Karte in die Praxis kommen und dort kein kompatibles Gerät steht, dann muss bei der Abrechnung das komplizierte Ersatzverfahren gewählt werden.

Für stationäre Lesegeräte sollen Praxen eine Förderpauschale von 355 Euro erhalten, für mobile Kartenleser 280 Euro (etwa für Hausbesuche oder für Notfalldienste). Zusätzlich gibt es eine Installationspauschale von 215 Euro. Die Pauschale wird unabhängig von dem Preis ausgeschüttet, den ein Arzt für das Gerät konkret bezahlt. Der Antrag muss bei der Kassenlichen Vereinigung gestellt werden. Praxen mit mehreren Ärzten bekommen auch mehrere Geräte. Bei diesen Fragen greifen allerdings die Regeln, die die einzelnen KVen und KZVen in den Regionen mit den Kassen vereinbart haben. Für größere Ärztezentren kann es bei der Förderung durchaus um Beträge von 1.000 Euro und mehr gehen.

Beim Kauf ist darauf zu achten, dass bei stationären Geräten nur für die sogenannten eHealth-BCS-Terminals eine Pauschale gezahlt wird, nicht für die MKT-Kartenleser. Denn nur die BCS-Terminals sind dann für die später geplanten Online-Anwendungen wie den Stammdatenabgleich der Versicherten verwendbar.

PS: viele Privatärzte, die den Notdienst selbst durchführen müssen, erhalten die Zuschüsse nicht! Wir haben bereits unsere Justitiare eingeschaltet.

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AOK-Police stößt noch stärker auf PKV-Terrain vor

Information aus dem Versicherungsgeschäft: wie bereiten sich die „Gesetzlichen darauf vor, wenn  nach „Schwarz/Gelb“ die PKV-(Neu-) Versicherung verboten wird.

Der Systemwettbewerb zwischen gesetzcher und privater Krankenversicherung nimmt bei Wahltarifen an Schärfe zu. Nun legt ein Vorreiter unter den gesetzlichen, die AOK rheinland/Hamburg, mit einem Brillentarif nach.

Aus der Ärztezeitung vom 9.8.2011

Von Ilse Schlingensiepen

Die AOK Rheinland/Hamburg baut ihr Angebot an eigenen Zusatzversicherungen weiter aus. Seit dem 1. Juli bietet die Kasse ihren Versicherten einen Brillentarif an und tritt damit erneut in direkte Konkurrenz zu privaten Krankenversicherern.

Die AOK Rheinland/Hamurg hatte im April 2007 als erste gesetzliche Kasse Zusatzpolicen in Bereichen angeboten, die bis dato ausschließlich der PKV vorbehalten waren. Dazu gehören Deckungen für Auslandsreisen oder Zahnersatz.Die Kasse stützt sich dabei auf den Paragrafen 53 im Sozialgesetzbuch V (Wahltarife).

Die Versuche der PKV, der gesetzlichen Kasse diese Aktivitäten gerichtlich verbieten zu lassen, waren erfolglos. Inzwischen sind mehrere andere Kassen dem Beispiel der größten rheinischen Kasse gefolgt. So bieten alle AOKen ihren Versicherten Auslandsreisekrankenversicherungen an.

Der WahItarif „vigo select Brille“ bietet Versicherten alle drei Jahre einen Zuschuss zur Brille. Den maximalen Erstattungsbetrag von 250 Euro können sie dabei im dritten Versicherungsjahr erreichen. Im ersten Jahr gibt es 125 Euro, im zweiten 175 Euro. Der Tarif kostet 6,70 Euro im Monat. "Wir wollen mit unserem neuen Angebot günstiger sein als die privaten Versicherer, und uns auch im Service abheben", sagt Vorstand Rolf Buchwitz der "Ärzte Zeitung".

Die AOK erstattet die Kosten für eine Brille, wenn ein Augenarzt oder ein Optiker die Notwendigkeit bestätigt haben. Der Wahltarif umfasst auch Zusatzleistungen wie die Entspiegelung oder die Tönung der Gläser. "Die Erfahrungen aus unseren Wahltarifen zeigen, dass unsere Kunden derartige Zusatzleistungen wünschen und wählen", sagt Buchwitz.

Die AOK Rheinland/Hamburg hat bislang 260000 Zusatzpolicen verkauft. Davon sind rund 200000 Auslandsreisekrankenversicherungen und 20000 Deckungen für Zahnersatz und Zahnprophylaxe. Geringer nachgefragt werden Policen für die Unterbringung im Klinik-Einbettzimmer oder die Chefarztbehandlung.

Bei der Brillenversicherung sind Reparaturen nicht eingeschlossen. „Das wäre nicht kalkulierbar“, sagt Buchwitz. Der Zusatztarif sei so berechnet, dass er sich selbst trägt. Quersubventionierungen zwischen den Tarifen sind den Krankenkassen gesetzlich verboten. Alle Zusatzversicherungen der AOK Rheinland/Hammburg seien sauber kalkuliert und finanzieren sich, betont er. Gerade aus den Reihen der PKV wird das immer wieder bezweifelt.

Die AOK Rheinland/Hamburg hat mit der UKV und der DKV auch zwei private Kooperationspartner für Zusatzversicherungen in Bereichen, in denen sie nicht selbst tätig werden kann. Die Zusammenarbeit mit der DKV hat die Kasse zum Jahresende beendet. Buchwitz setzt auf den kontinuierlichen Ausbau des Angebotes an Zusatzversicherungen. "Wir machen auf diesem Weg weiter."

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Ankündigung Fortbildung:

Am 21.04.2012 findet unsere Jahreshauptversammlung

(im Le Meridien-Hotel Frankfurt) statt.

Wie immer haben wir interessante Themen ausgewählt;

Beginn 12:00 Uhr.

Es ergeht getrennt Einladung an die Mitglieder.

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Privatärztlicher Bundesverband • Dreisamstraße 1 • 76337 Waldbronn • Telefon 07243-715363