Privatärztliche Praxis, Ausgabe 6/2011

ISSN Nummer 1438-7085

Ausgabe 6/2011

Bitte haben Sie dafür Verständnis, dass hier im Internet unsere Verbandsnachrichten nur sehr verkürzt wiedergegeben werden. Insbesondere Tipps zur Abrechnung stellen wir nur unseren Mitgliedern zur Verfügung.

Aktuelles von der GOZ und GOÄ

Nach der Verabschiedung der neuen GOZ im Bundesrat haben die freien zahnärztlichen Verbände schärfsten Protest gegen die Veränderungen, die der Bundesrat erzwungen hat, angemeldet. Da handelt es sich einmal um die maschinenlesbare Privatrechnung und die drohende Budgetierung des privatzahnärztlichen Honorars.

Mit der codierten Rechnung möchte die Beihilfe die Erhöhung der Vergütung (ca. 6 %) wieder einsparen und zwar durch Personalreduktion und verschärfte Kontrollmöglichkeiten der Rechnungen.

Mit der Budgetierung soll das Gesamtvolumen festgeschrieben werden, damit die Haushalte der Länder durch die Beihilfen nicht höher belastet werden. Die GKV lässt grüßen und die PKV ist hoch erfreut.

Wir werden den Widerstand der Zahnärzte mit den korporativen Verbänden zusammen intensiv unterstützen, denn diese Formulierungen werden wir so in der GOÄ ebenfalls bekommen und das vor dem Hintergrund einer Nichtanpassung der GOÄ in über 28 Jahren.

Außerdem scheint sich in der BÄK mit dem Führungswechsel auch ein Sinneswandel in der Novellierung zu vollziehen. Die neuesten Aussagen lauten, dass der GOÄ – Entwurf noch einmal überarbeitet wird und frühestens 2013 mit den Verhandlungen zu rechnen ist. Da ist man erst einmal sprachlos und es tauchen wieder Stimmen auf, die Novellierung ganz zu beerdigen.

Wir werden Sie über diese Entwicklungen laufend weiter unterrichten und informieren.

Dr. Norbert A. Franz
Vorsitzender PBV

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Neue Suchmaschine des PBV für die Privatarztsuche

Der PBV hat die wiederholten Anfragen von Patienten und  Mitgliedern aufgenommen und eine neue Privatarztsuchmaschine erstellen lassen.

Diese geht online, sobald wir eine akzeptable Anzahl von Mitgliedern haben, die sich dort registrieren lassen wollen.

Sie können sich mit Namen, Titel, Facharztbezeichnung, den Offiziellen Zusatzbezeichnungen,  Adresse, Telefon, Fax, E-Mail und Homepage hinterlegen lassen. Praxisschwerpunkte sind rechtlich problematisch und wurden deshalb vorerst nicht aufgenommen.

Wenn Sie dies möchten, dann senden Sie bitte die oben genannten Daten unter mail(at)pbv-aerzte.de an Frau Martin. Dies ist auch die Mailadresse für Rückfragen.

Die Suchmaschine wird zu erreichen sein unter:  http://www.arztsuche-privataerzte.de

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Formularwünsche?

Fehlen Ihnen auch oft Formulare, die bei den Kassenärzten üblich sind? Wir im Bundesverband werden oft auf Arbeitsunfähigkeiten, Pflegeverordnungen, Transportscheine und mehr angesprochen. Der Jüngling-Verlag, ein Verlag für Formulare ist nun mit dem Wunsch an uns heran getreten, die 15 wichtigsten Formulare für den Privatarzt zu nennen, die er dann exklusiv und zu vernünftigen Preisen für PBV-Mitglieder auflegen will.

Deshalb unsere Bitte:
Senden Sie Ihren Formularwunsch an die Geschäftsstelle per Post (Dreisamstraße1, 76337 Waldbronn), Fax (07243- 65544) oder Mail (mail(at)pbv-aerzte.de).

Liebe Mitglieder,

dieses Jahr hat die Ärzteschaft im Bereich ihrer sensibelsten Versicherung, der Berufshaftpflichtversicherung, eine Kündigungswelle überrascht. Einer der größten Anbieter zieht sich aus dem Markt zurück, in dem er ein zu großes Risiko erwartet.

Wir haben deshalb eine Alternative gesucht. Die Aachen Münchner möchte sich bei der Ärzteschaft etablieren und bietet deshalb teilweise sehr gute Angebote bei weit überdurchschnittlichem Service an. Natürlich möchte die Gesellschaft gerne auch weitere Versicherungen bei uns Ärzten abschließen. Deshalb bietet sie – wie viele andere Anbieter – einen kostenlosen Check der gesamten Versicherungen an. Dieser kann durchaus sehr sinnvoll sein. Ich habe dies bei dem u.g. Makler gemacht und bin dabei auf einige Doppelversicherungen gekommen und konnte einiges einsparen. Beispielsweise sichert die Berufshaftpflicht zum Teil auch die Gebäude-Haftpflicht  ab, die dadurch in vielen Fällen überflüssig wird.

Es kann sich deshalb sehr lohnen diesen Check einmal durchführen zu lassen. Häufig ist dann das Paket aus Einsparung und besserem Service doch sehr charmant!

Unser Ansprechpartner ist das Versicherungsbüro Heiko Vogler

Werner-Heisenberg-Str. 3
64823 Groß-Umstadt
Telefon: +49 6078 75880
Fax: +49 6078 758825
Mobil: +49 1713233599

Heiko.Vogler(at)dvag.de

Bitte berufen sie sich unbedingt auf den PBV, damit Sie die besseren Konditionen bekommen!!!

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Privatmedizinkongress Köln 2011

Die Veranstaltung war sehr gut besucht, was zeigt, dass die Privatmedizin in Deutschland einen immer grösseren Stellenwert erhält, was heute auch mehrfach anhand von Folien und Statistiken belegt wurde.

Erwin Rüddel MdB ( CDU) Gesundheits-Ausschuss, sagte: „ Man sollte nicht nur über die Kosten des Gesundheitssystems diskutieren, sondern auch über die Chancen. Viele Sektoren würden sich gegenseitig blockieren, man müsste an einem Strang ziehen.

Der Markt müsste gemeinschaftlich betrachtet werden, Synergie-Effekte genutzt werden.

Die Privat-Medizin ist ein wichtiger solidarischer Beitrag zum Gesundheitssystem.

Wir sollten das beste Gesundheitssystem der Welt werden. Das sollte uns was wert sein.

Die Tendenz einiger pkv en geht zur Zusatzversicherung, statt Vollversicherung.

Wolfgang Reuter, Leiter Med. Beratung der PKV sagte:

Die PKV habe das Problem, das die Patienten , wenn sie krank wären eine optimale Versorgung wünschen und wenn sie gesund wären minimale Beitrage zahlen wollen.

Es soll eine Schiedsstelle / Gremium für die GoÄ eingerichtet werden.

Theodor Windhorst, Präsident der ÄK Westfalen-Lippe und Vorsitzender des Ausschusses der GoÄ der BÄK, will das duale Modell GKV und PKV erhalten, ist gegen ein Gremium für die GoÄ und hofft die neue GoÄ noch diese Legislaturperiode auf den Weg zu bringen.

Kollegin Gräfe, Dermatologin, hat einen tollen Vortrag mit dem Titel: Von der Kassen- zur Privatpraxis- ein persönlicher Erfahrungsbericht, gehalten. In dem sehr gut die Vorteile der Privatärztlichen Arbeit im Kontrast zur Kassenpraxis aufgezeigt wurden.

Lesen Sie, was die (sehr positiv engagierte) GOÄ- Haupt-Gestalterin der Bundesärztekammer im Interview mit der Ärztezeitung am 23.11.2011 zum Stand der Dinge sagt:

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"Bei der GOÄ ziehen wir politisch an einem Strang"

Ärzte Zeitung, 23.11.2011

Die Zahnärzte haben sie schon: eine neue Gebührenordnung. Nun sind die Ärzte an der Reihe - Ausgang ungewiss. Welche Vorstellungen die Bundesärztekammer hat, verrät die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin Dr. Regina Klakow-Franck im Interview.

Ärzte Zeitung: Frau Dr. Klakow-Franck, seit vielen Jahren steht das Thema Novelle der GOÄ auf der Agenda. Ist das noch eine spannende Aufgabe für Sie - oder ein Schrecken ohne Ende?

Dr. Regina Klakow-Franck: (lacht) Nein, die GOÄ-Novelle ist kein Schrecken für mich, und ich habe auch noch kein Sisyphos-Syndrom entwickelt. Die Ärzteschaft hat jetzt die Chance, die GOÄ vernünftig zu reformieren.

Das sind wir den Ärzten, aber auch den Patienten schuldig. Natürlich wird nicht alles 100-prozentig so umzusetzen sein, wie wir uns das vorstellen. Aber sobald die GOZ (die Gebührenordnung für Zahnärzte, Anm. d. Red.) in Kraft ist, wird damit auch der Startschuss für die Beratungen im Bundesgesundheitsministerium fallen müssen.

Ärzte Zeitung: Die Einigkeit der Ärzte scheint nach dem Brandbrief der Internisten und einem klärenden Gespräch wieder hergestellt. Wie sehen Sie die Initiative der Berufsverbände im Nachhinein?

Klakow-Franck: Politisch ziehen wir an einem Strang. Über einzelne Details wird es immer wieder unterschiedliche Auffassungen geben, das lässt sich gar nicht vermeiden - und das ist auch kein Problem. Allerdings hätte ich mir gewünscht, dass die ein oder andere Formulierung eines Berufsverbandes etwas differenzierter ausgefallen wäre. Aber das liegt hinter uns, wir schauen jetzt nach vorne.

Ärzte Zeitung: Wie begründet war die Befürchtung des BDI, dass die GOÄ zu einem abgewandelten EBM werden könnte?

Klakow-Franck: Es ging ja vor allem um zwei Elemente, um den Gebührenrahmen, also die unterschiedlichen Steigerungssätze für ärztliche Leistungen, und darum, ob die Analogbewertungen abgeschafft werden. Ich weiß nicht, woher die Irritation kam, denn beides steht für uns nicht zur Diskussion: Wir brauchen den Gebührenrahmen als Ermessensspielraum.

Eine sehr aufwändige Behandlung muss zu einem höheren Preis in Rechnung gestellt werden können, als eine weniger aufwändige. Eine freiberufliche Gebührenordnung wie die GOÄ ist ohne einen Ermessensspielraum für den individuellen Behandlungsvertrag nicht denkbar.

Und ohne Analogziffern bekommen Sie keine innovativen Leistungen mehr in die privatärztliche Versorgung, es sei denn, es gäbe eine regelmäßige automatische Anpassung der GOÄ - die haben wir bislang aber nicht.

Ärzte Zeitung: Wie wäre denn eine regelmäßige Aktualisierung der GOÄ vorstellbar?

Klakow-Franck: Die GOÄ muss eine Rechtsverordnung bleiben. Aber wir könnten uns ein Gremium der Selbstverwaltung mit Vertretern der Beihilfe, der privaten Krankenversicherungen und der Bundesärztekammer unter Beteiligung des BMG vorstellen, etwa wie seinerzeit der Zentrale Konsultationsausschuss für Gebührenordnungsfragen.

Das neue Gremium, das man als privatärztlichen Bewertungsausschuss bezeichnen könnte, hätte die Aufgabe, im Jahresrhythmus Aktualisierungsvorschläge für die GOÄ zu erarbeiten. Dort könnten also innovative Leistungen verhandelt werden, aber auch notwendige Anpassungen auf der Kostenseite.

Eine Schiedsstelle müsste dafür sorgen, dass die Entscheidungen in kurzer Frist getroffen werden. Die Beschlüsse würden dann dem BMG vorgelegt, das dann das Gebührenverzeichnis der GOÄ entsprechend anzupassen hätte. 

Ärzte Zeitung: Von Seiten der PKV wird offenbar ein anderes Modell favorisiert...

Klakow-Franck: Vorschläge, stattdessen ein Institut - ähnlich wie das Institut des Bewertungsausschusses in der GKV - einzurichten, halten wir nicht für gut: Wir sehen die "Institutokratie" im Gesundheitswesen insgesamt kritisch.

Bis das Institut errichtet und arbeitsfähig ist, zieht außerdem viel Zeit ins Land, und die Chance auf die Novellierung der GOÄ ist vertan. Außerdem kostet so ein Institut auch Geld - das letztlich aus den Honoraren der Ärzte bezahlt werden müsste.

Ärzte Zeitung: Wie sind die Berufsverbände und Fachgesellschaften in den Prozess der Entwicklung der neuen GOÄ eingebunden?

Klakow-Franck: Wir haben einen Bottom-up-Ansatz gewählt. Das heißt, die Berufsverbände waren von Anfang an intensiv eingebunden in die Erstellung eines neuen Leistungskataloges. Es gab viele Feedback-Schleifen, immer wieder konnten auch neue Leistungen nachgereicht werden.

Natürlich sind wir am Ende des Prozesses nicht mit jedem Detail deckungsgleich mit allen Verbänden, wir müssen ja auch einen Interessenausgleich zwischen den Verbänden vornehmen, so weit es geht. Am Ende des Abstimmungsprozesses steht eine vom Vorstand der Bundesärztekammer beschlossene Beratungsgrundlage. Die sollte innerärztlich dann nicht mehr zur Diskussion stehen müssen.

Ärzte Zeitung: Wie weit sind Sie mit der Bewertung des neu erarbeiteten Leistungskataloges?

Klakow-Franck: Anfang des kommenden Jahres werden wir einen weiterentwickelten Bewertungsvorschlag als Grundlage für die Beratungen fertig haben. Grundlage ist die betriebswirtschaftliche Bewertung jeder einzelnen Leistung.

Die einzelnen Kostenfaktoren wie der kalkulatorische Arztlohn, der Personalbedarf, die Kosten für die technische Ausstattung etc. ergeben den Preis für eine Leistung, mit dem wir dann in die Verhandlungen gehen.

Ärzte Zeitung: Wie haben Sie diese Daten ermittelt?

Klakow-Franck: Bei den Operationen greifen wir auf eine eigene umfangreiche Erhebung zurück, bei den konservativen Leistungen stützen wir uns auf verschiedene Datenquellen und konsentierte Expertenmeinungen.

Insgesamt haben wir zusammen mit einem erfahrenen Projektpartner spezifisch für die GOÄ Kostenstrukturanalysen gefahren und neue Funktionskostenstellen entwickelt.

Ärzte Zeitung: Welche Erwartungen haben Sie zum Punktwert nach der Novellierung der GOÄ? Die Zahnärzte sind ja schwer enttäuscht, dass es für sie auch nach 20 Jahren nicht einmal einen Inflationsausgleich gibt.

Klakow-Franck: Ich kann tatsächlich nur schwer nachvollziehen, warum es in der GOZ, die strukturkonservativ novelliert worden ist, nicht wenigstens eine kleine Punktwertanhebung gibt. Das hätte bei den Zahnärzten Vertrauen geschaffen.

Jetzt ist von außen überhaupt nicht erkennbar, ob eine Anpassung an die Kostenentwicklung überhaupt stattgefunden hat. Bei der GOÄ sieht es etwas anders aus, da wir ja mit einem neuen betriebswirtschaftlichen Kalkulationsmodell in die Verhandlungen gehen.

Es geht um völlig neue, sogenannte "robuste" Einfachsätze, ausgedrückt in Euro - ob diese am Ende in Punktzahlen und Punktwerte umgewandelt werden, ist eher eine technische Frage.

Ärzte Zeitung: Die PKV hat im vergangenen Jahr vorgeschlagen, bei technischen Leistungen keinen Steigerungssatz zuzulassen, bei ärztlichen Leistungen aber schon. Was halten Sie von dem Modell?

Klakow-Franck: Wenn das Honorar aufgesplittet wird, kann man am Ende leichter einen Teil des Honorars wegnehmen. Das wollen wir nicht. Unsere Berechnungen basieren auf Vollkosten-Kalkulationen. Wir gehen mit einem Gesamtpreis je Leistung in die Verhandlungen.

Ärzte Zeitung: Bei manchen Ärzten geht die Sorge um, dass die Neuberechnungen im Laborkapitel zu hohen Einkommensverlusten führen werden. Ist diese Sorge berechtigt?

Klakow-Franck: Man muss sich die finanziellen Auswirkungen einer neuen GOÄ immer über das gesamte Leistungsspektrum der Arztgruppe anschauen. Punkt-zu-Punkt-Vergleiche nach dem Motto "Früher habe ich für Leistung x soundso viel bekommen und heute nur noch soviel" greifen zu kurz.

Ärzte Zeitung: Viele Ärzte ärgern sich über komplexe Ausschlussbestimmungen und schwer interpretierbare Legendentexte. Steht eine Vereinfachung der GOÄ auch auf Ihrer Agenda?

Klakow-Franck: Wir werden zwar rund 800 Leistungen mehr in der neuen GOÄ haben als bisher. Aber pro Fall sollen am Ende weniger Ziffern auf der Abrechnung stehen, das ist ganz klar unser Ziel. Deshalb haben wir dort, wo es sich anbot, Teilleistungen, die zwingend zusammengehören, in einer komplexen Ziffer gebündelt.

Ärzte Zeitung: Der Einigungsdruck für PKV und für die Ärzte ist hoch, denn niemand weiß, wer die Bundesregierung in der nächsten Legislaturperiode stellen wird. Können sich die Ärzte Anfang 2013 auf eine neue GOÄ freuen?

Klakow-Franck: Das hängt am wenigsten von der Bundesärztekammer ab. In Zusammenarbeit mit den Berufsverbänden und Fachgesellschaften hat die Bundesärztekammer ihre Hausaufgaben gemacht. Wenn sich die verschiedenen Beteiligten im Vorfeld einigen können und die Vorarbeiten der Bundesärztekammer als Ausgangsbasis nehmen, dann könnte man es vor der Bundestagswahl schaffen.

Die Fragen stellte Hauke Gerlof.

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Ausblick auf "unsere" neue GOÄ

Dtsch Arztebl 2011; 108(39): A-1998 / B-1702 / C-1686

Flintrop, Jens

Gebührenordnung für Zahnärzte: Streit über die Kostenwirkungen

Das Bundeskabinett hat eine Änderung der Gebührenordnung für Zahnärzte (GOZ) beschlossen. Damit wird vor allem das seit 1998 nicht geänderte Gebührenverzeichnis an die medizinische und technische Entwicklung angepasst. Der GOZ-Punktwert bleibt hingegen unverändert. Anders als vom PKV-Verband gefordert, öffnet der Gesetzgeber die privatzahnärztliche Gebührentaxe nicht für selektivvertragliche Lösungen. Der Bundesrat muss der Reform noch zustimmen.

Streit gibt es darüber, welche zusätzlichen Kosten auf die Privatzahler, die privaten Krankenversicherungen und die Beihilfekostenträger zukommen. Das Bundesgesundheitsministerium geht von einem Honorarplus in Höhe von sechs Prozent für die Zahnärzte aus. Der PKV-Verband kommt in seinen Simulationsrechnungen hingegen auf einen Zuwachs um 14 bis 20 Prozent – „unabhängig davon, ob man das nun Punktwerterhöhung oder Strukturkomponente nennt“.

Keine Öffnung für selektivvertragliche Lösungen: Mit der GOZ-Reform passt der Gesetzgeber vor allem das Gebührenverzeichnis an. Foto: Fotolia

Nach Einschätzung der Bundeszahnärztekammer und der Kassenzahnärztlichen Bundesvereinigung führt die GOZ-Novellierung zwar zu mehr Klarheit in Abrechnungsfragen, mit dem Verzicht auf eine Anhebung des Punktwertes blieben die Interessen der Zahnärzte aber weitestgehend unberücksichtigt.

Die GOZ-Novellierung stellt ein Präjudiz für die Reform der ärztlichen Gebührenordnung (GOÄ) dar. Vor diesem Hintergrund begrüßt Dr. med. Regina Klakow-Franck, Leiterin des Gebührenordnungsdezernats der Bundesärztekammer, dass auch die neue GOZ keine Öffnungsklausel enthält. Ansonsten sei die Novellierung enttäuschend, weil sie den Zahnärzten nach Jahren des Stillstands kaum höhere Honorare verspreche. JF

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PKV-Anbieter ziehen sich aus Billigtarifen zurück

Aus (Deutsche Bank medNachrichten/ Ausgabe 4/2011)

Private Krankenversicherer (PKV) sehen das Segment der günstigen Einsteigertarife zunehmend skeptisch. Die Deutsche Krankenversicherung (DKV) hat im Juni als Erste den Rückzug angekündigt und wird demnächst keine solchen Policen mehr verkaufen. Die zur Generali gehörende Central Krankenversicherung hat sich daraufhin bereits Anfang August von den Billigen verabschiedet.

Bei den Einsteigertarifen der PKV profitieren Versicherte von extrem niedrigen Prämien. Im Gegenzug liegen die Leistungen oft noch unter dem Niveau der gesetzlichen Krankenkassen - sie sind daher auch nicht mit den Basistarifen zu verwechseln. Die Unternehmen haben gemerkt, dass sie mit den günstigen Angeboten ein Klientel anlocken, die eigentlich nicht zur Zielgruppe der PKV gehört. Die Angebote sind gerade für Selbstständige mit geringem Einkommen interessant. Ihnen sind nach einiger Zeit oft selbst die Billigtarife zu teuer, sie suchen noch günstigere Angebote. In dieser Gruppe steigt das Risiko, dass die Kunden irgendwann die Prämien gar nicht mehr bezahlen. Nicht zuletzt wegen ihrer Billigtarife hat die Central Überdurchschnittlich viele Nichtzahler im Bestand. Die Hoffnung der Unternehmen, über die Einsteigertarife neue Kunden für die PKV zu gewinnen, die später in höherpreisige und -wertige Tarife wechseln, hat sich nicht bewahrheitet. Einige Anbieter wollen dennoch an den günstigen Policen festhalten.

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"Ich bin jetzt wieder näher an der Front"

Der neue PKV-Ombudsmann sitzt ganz in der Nähe unserer PBV-Geschäftsstelle, nämlich in Ettlingen. Sowohl Abrechnende als auch unsere Patienten verbinden mit seinem Kontakt stets große Hoffnungen. Wir sind gespannt welche Strategie er einschlagen wird. Wir werden auch persönliche Kontakte mit ihm anstreben und auf Kooperationsmöglichkeiten hinweisen. Lesen Sie das Interview mit den Badischen Neuen Nachrichten:                      ( Dr. Oehl-Voss)

aus der BNN-Ettlingen vom 18.9.2011

Der ehemalige BGH-Präsident Günter Hirsch über seine Arbeit als Ombudsmann der Versicherungen und das Image der Branche

Ettlingen. Ohne den Baden-Airpark in Rheinmünster-Söllingen wäre das berufliche Leben für Günter Hirsch erheblich komplizierter. Im Wochen-Rhythmus pendelt der 68- Jährige zwischen Berlin und seinem Wohnort Ettlingen. Der ehemalige Präsident des Bundesgerichtshofs (BGH) und Präsident der Verwaltungs- und Wirtschaftsakademie Baden ist seit 2008 Ombudsmann für Versicherungen, eine Art Schiedsrichter bei Streitfällen zwischen Versicherungen und Verbrauchern. In Berlin ist die Geschäftstelle des Ombudsmanns, BNN-Redaktionsmitglied Tobias Roth traf Günter Hirsch in Ettlingen und sprach mit ihm über die Versicherungsbranche, die Beschwerden der Verbraucher und seine Arbeit als Streitschlichter.

Versicherungen sind für die meisten Menschen kein Thema, mit dem sie sich gerne beschäftigen. Die Unsicherheit ist groß, woher kommt das?

Hirsch: Versicherungen sind in der Regel ausgesprochen komplexe Produkte, die der Normalbürger kaum überblicken und in allen Einzelheiten begreifen kann. Und weil sie so kompliziert sind, ist man ein Stück weit dem Vermittler ausgeliefert. Das macht unsicher. Aber grundsätzlich ist die Versicherungsidee, die Absicherung von Lebensrisiken auf eine Gemeinschaft zu übertragen, eine existentiell wichtige Errungenschaft.

Aber liegt es nicht auch daran, dass die Branche unter einem Image-Problem leidet?

Hirsch: Es gibt natürlich die schwarzen Schafe, das ist ganz klar. Aber der Kunde muss grundsätzlich selbst wissen, ob er sich gegen bestimmte Risiken versichern will. Er sollte seinen Bedarf schildern und dann beurteilen, ob die angebotene Vorsicherung passt. Wenn er unsicher ist oder sich überredet fühlt, sollte er sich Bedenkzeit nehmen. Fragen müssen unbedingt korrekt beantwortet werden. Ein Großteil der Beschwerden, die ich bearbeite, rührt daher, dass der Kunde Fragen nicht zutreffend beantwortet hat, etwa bei der Lebensversicherung nach Vorerkrankungen und dem Gesundheitszustand. Übrigens haben Untersuchungen ergeben, dass ein großer Prozentsatz der Kunden zwar mit seiner eigenen Versicherung zufrieden ist, die Branche als solche hingegen deutlich schlechter bewertet wird, da gebe ich Ihnen recht.

Ist es ein Problem, dass Vermittler meist nach Abschlüssen bezahlt werden, also Provisionen für neue Verträge bekommen, und dann nach dem Motto handeln, je mehr ich verkaufe, desto mehr verdiene ich?

Hirsch: Es gibt ja die Diskussion, ob man weggeht vom Provisionsverbetrieb, bei dem die Beratungskosten mit den Prämien abgeglichen werden. Die Alternative ist die Netto-Police, bei der man die Beratung dann separat auf Honorarbasis bezahlt. Das Thema ist von Verbraucherministerin Aigner aufgegriffen worden. Da tut sich was auf dem Gebiet.

Welches System würden Sie bevorzugen?

Hirsch: Ich würde sagen, dass beide Systeme miteinander konkurrieren sollten. Beides sollte offen angeboten werden - und dann entscheidet der Kunde.

Mit dem Beratungsprotokoll und dem Produktinformationsblatt wurden zwei Instrumente eingeführt, die den Versicherungsverkauf transparenter machen sollen. Gibt es viele Beschwerden im Umgang damit?

Hirsch: Zum Produktinformationsblatt habe ich bisher kaum Beschwerden. Es muss die vorgeschriebenen Informationen übersichtlich, verständlich und knapp vermitteln. Versicherer neigen allerdings dazu, eher mehr hinein zu schreiben, um sich abzusichern. Das Beratungsprotokoll spielt hingegen häufig eine Rolle bei Beschwerden, wenn es um die Frage geht, worüber der Vermittler beraten hat oder welche Angaben der Kunde gemacht hat.

Müssen Kunde und Vermittler das Protokoll nicht gemeinsam erstellen?

Hirsch: Das ist nicht vorgeschrieben. Es ist auch nicht vorgeschrieben, dass der Kunde das Protokoll unterschreiben muss. Ich rate dringend dazu, dass beide gemeinsam das Protokoll erstellen, der Kunde es sich noch einmal anschaut und dann abzeichnet. Ich hatte mal einen Fall, da stand dann im Beratungsprotokoll unter „gewünschtes Produkt:“

„optimale Absicherung“, unter „Vorschlag  des Versicherers:“ „optimale Absicherung“ und in der Rubrik „abgeschlossener Vertrag:“ „wie gewünscht.“ Das ist natürlich für den Papierkorb.

Im vergangenen Jahr hatten Sie als Ommbudsmann etwa 18 000 Fälle zu klären. Das ist unheimlich viel ...

Hirsch: ... wenn man bedenkt, dass es 440 Millionen Versicherungsverträge gibt, relativiert sich die Zahl.

Was sind die häufigsten Beschwerden?

Hirsch: Etwa 40 Prozent der Fälle betreffen die Lebens- und Rentenversicherung. Dabei geht es etwa um die Beteiligung an den Überschüssen. In den Verträgen wird deren Höhe häufig prognostiziert, viele glauben jedoch, damit sei sie garantiert und werde nach Vertragsende auch ausbezahlt. Die Erfolgsquote bei den Beschwerden beträgt etwa 38 Prozent, mit Ausnahme der Lebens- und Rentenversicherungen, da ist die Quote nur halb so hoch.

Sie waren acht Jahre lang Präsident des Bundesgerichtshofs und hatten die großen Fälle auf dem Tisch. Jetzt befassen Sie sich mit den Problemen des „kleinen Mannes“. Fiel die Umstellung schwer?

Hirsch: Ich bin jetzt sozusagen wie ein Amtsrichter wieder näher an der Front. Das ist spannend. Von Montesquieu stammt der Satz: „Eine Ungerechtigkeit gegenüber einem einzelnen ist eine Gefahr für uns alle.“  Auch in den vielen kleinen Alltagsfällen muss sich der Rechtsstaat bewähren. Im Hinblick auf die Bedeutung und die Verantwortung für den Rechtsstaat gibt es kein Gefälle zwischen dem Richter am Amtsgericht und am BGH. Die Lebenswirklichkeit im Versicherungsbereich zu sehen und eine Vielzahl von Konflikten schlichten und entscheiden zu können, ist für mich eine bruchlose Fortsetzung meiner Richtertätigkeit.

Sind Sie eigentlich auch im privaten der Streitschlichter mit dem ausgeprägten Gerechtigkeitssinn?

Hirsch (lacht): Da müssen Sie meine Frau fragen. Jedenfalls habe ich da nicht immer das letzte Wort. Gerechtigkeit ist ein großes Wort man kann sie immer nur anstreben.

Heißt das im Umkehrschluss, dass Sie Ungerechtigkeiten nur schwer ertragen können?

Hirsch: Nein. Ich weiß sehr wohl, dass es nicht immer gerecht zugeht. Als Richter weiß man, dass es Fälle gibt, da hat jemand Recht, kann es aber nicht beweisen. Recht haben und Recht bekommen, ist deshalb in der Tat mitunter zweierlei.

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Stiftung Warentest gibt Arztbewertungsportalen schlechte Noten

Der nächste Click bitte

Aus „der Niedergelassene arzt 9/2011“

Seit 2007 versprechen Arztbewertungsportale die Suche nach dem besten Mediziner per Mausclick. Allerdings bekommen gerade die, die sich aufschwingen, andere zu bewerten, selbst schlechte Noten und zwar sowohl von der Stiftung Warentest als auch vom Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ).

Das Internet und so genannte soziale Netzwerke (Social Media) werden für das Funktionieren unserer Gesellschaft immer wichtiger. Kaum ein Politiker verzichtet auf seine eigene Facebock-Seite und jeder, der etwas auf sich hält, zwitschert (twittert) sogar von seinen Reisen selbst die unwichtigsten Erlebnisse in die weltweite User-Community.

Vor diesem Hintergrund erscheint es nur logisch, dass auch die Suche nach dem richtigen Arzt in das Internet verlagert wird. Mittlerweile nutzen nach Erhebungen der Kassenärztlichen Bundesvereinigung 14 Prozent aller Patienten zumindest teilweise für das Finden des richtigen Mediziners auch das weltweite Netz. Und dieser Trend ist politisch durchaus gewollt.

Vom mündigen Patienten zur Selbstverantwortung

Nachdem in den 90er-Jahren zunehmend der mündige Patient als Zielvorstellung definiert wurde, geht es spätestens seit den immer knapper werdenden Budgets der gesetzlichen Krankenversicherung (GKV) darum, den Bürgern, Versicherten und Patienten mehr Verantwortung zu übertragen.

Und zwar sowohl den Gesunden in ihrer Vorsorge wie auch den bereits Kranken bei der Mitwirkung in der Therapie. Grundvoraussetzung hierfür ist natürlich, dass das Gesundheitssystem insgesamt und die ärztliche Leistung im Besonderen für den Patienten transparenter wird. Nur so kann er das Recht auf freie Arztwahl in seinem eigenen Interesse bestmöglich ausüben.

Mehr Transparenz wäre wünschenswert

Doch woher kommt diese Transparenz? Gesundheitsinformationen gibt es - auch im Internet - in geradezu inflationärer Zahl. Allerdings sind die meisten dieser pseudoneutralen Angebote von Institutionen oder Unternehmen ins Netz gestellt worden, die selbst ihre eigenen Zwecke verfolgen.

Hinzu kommt, dass die Entscheidung für oder gegen einen Arzt nicht nur auf der Grundlage sogenannter harter Faktoren getroffen wird. Da es sich auch um die Bewertung von Vertrauen oder sonstiger subjektiver Vorlieben und Einschätzungen handelt, sind die "Softskills" mindestens ebenso wichtig. Diese kann man aber nicht auf einer wissenschaftlichen Grundlage evaluieren.

Daher bedienen sich viele Arztbewertungsportale der Meinung derer, um die es im Kern geht: der Patienten. Aber welchen Wert haben die hier zusammengestellten Informationen tatsächlich?

Nach dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) hat sich auch die Stiftung Warentest mit Arztbewertungsportalen beschäftig. Das Fazit der Tester:

Die Portale sind - freundlich formuliert noch sehr ausbaufähig.

Bewertung häufig auf geringer Datanbasis

Die Stiftung Warentest hat sich insgesamt neun Portale angeschaut; darunter ein nichtkommerzielles und acht kommerzielle. Die Informationsangebote sind unterrschiedlich.

Manche Portale bieten zusätzlich Gesundheitsinformationen, andere ausschließlich Arztbewertungen. Als Bewertungsnorm nehmen die Portale Schulnoten, Sterne oder andere Symbole.

Die Daten selbst stammen aus beantworteten Fragebögen und Kommentaren von Patienten.

Im Ergebnis kommt die Stiftung dazu, dass die Portale viele grundsätzliche Schwächen aufweisen. Interessant dabei ist:

Obwohl immer mehr Patienten das Online-Angebot zur Information über Ärzte nutzen, mangelt es den entsprechenden Portalen an Arztbewertungen. In der von "Test" veröffentlichten Stichprobe hatten von den 18 nach Namen gesuchten Ärzten über alle Portale betrachtet etwa die Hälfte noch nicht einmal eine Bewertung.

Wer zahlt, ist besser: „Premium“-Einträge

Kritisch sehen die Warentester zudem die Tatsache, dass Ärzte gegen die Zahlung von Geld bei fünf Bewertungsportalen "Premium"-Einträge erwerben können. Analog zur Praxis der Suchmaschine "google" erscheinen diese Praxen laut "Test" bei docinsider.de, esando.de, imedo.de und medfuehrer.de in einem Anzeigenbereich über der Trefferliste.

Bei jameda.de würden sie innerhalb der Trefferliste farblich hervorgehoben. Stiftung Warentest empfiehlt den Nutzern dieser Seiten genau darauf zu achten, ob das gefundene Ergebnis Folge von Werbung oder von der tatsächlichen Suchanfrage ist.

Zudem seien die Fragebögen kaum geeignet, zu validen Ergebnissen zu kommen, da sie sich meist oberflächlich mit Organisation und Ausstattung der Praxis, Service und Personal sowie der Kompetenz des Arztes beschäftigten. Sie arbeiteten "also mit ziemlich dehnbaren Begriffen ohne detaillierte Nachfragen. Das führt leicht zu sehr allgemeinen Ergebnissen."

Lediglich drei der untersuchten Portale stellten mehr als zehn Bewertungsfragen. Insgesamt begünstige dieses Verfahren ungenaue Ergebnisse. Grundsätzliche Informationen seien dagegen auf den Portalen nur schwer zu finden. Insbesondere suche der Nutzer meist vergebens nach Hinweisen, wie das Bewertungsverfahren funktioniert und die Gesamtbewertung errechnet wird. Kein Portal mache schließlich vollständige Angaben zur Menge, Herkunft und Aktualität der Arztdaten und -bewertungen.

Wenig Verbesserung in der jüngsten Vergangenheit

Zu ähnlichen Ergebnissen kam eine bereits im Jahr 2008 in der Zeitschrift "Gesundheitswesen" veröffentlichte Studie, die alle damals wichtigen Arztbewertungsportale untersucht hatte.

Auch hier urteilten die Tester, dass die Portale von sehr heterogener Qualität sind:

Bewertungsverfahren waren nicht immer nachvollziehbar und nicht vergleichbar, Aufnahmekriterien für Ärzte nicht eindeutig.

Damals wie heute stützte sich die einzelne Bewertung oft nur auf wenige Patienteneingaben, und die Kriterien, nach denen bewertet wurde, waren sehr unterschiedlich. Das Fazit von 2008: "Die derzeit vorhandenen Portale sind nicht in der Lage, Nutzern eine angemessene Hilfestellung bei der Suche nach dem geeigneten Arzt zu geben."

Vor diesem Hintergrund hatten Bundesärztekammer (BÄK) und Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) im Dezember 2008 dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) den Auftrag erteilt, einen Katalog mit Anforderungen für gute Arztbewertungsportale zu erarbeiten.

Stiftung Warentest rät zur Checkliste

Die Stiftung Warentest gibt den Nutzern der Arztbewertungsportalen aktuell den Rat, sich ein möglichst genaues Bild von der Zuverlässigkeit des Portals zu machen, bevor sie Arztbewertungen anschauen oder abgeben. Hierbei helfe eine Checkliste, die die Mindestanforderungen an ein solches Online- Instrument beschreibt.

Danach sollte ein gutes Portal Angaben zu Betreibern, Datenschutz und Finanzierung machen, eine Arztsuche nach Kriterien wie Fachgebiet, Ort, Name ermöglichen und sortierbare Trefferlisten erlauben.

Zur Datenerhebung sollten differenzierte Fragebögen dienen, die ausschließlich mit Fragen arbeiten, die der Nutzer beurteilen kann. Persönliche Fragen dürften nicht beantwortungspflichtig sein und eine Bewertung insgesamt erst nach Registrierung erfolgen.

Vor Veröffentlichung müssten die Bewertungstexte überprüft und den Nutzern eine Kontaktadresse zur Meldung von Missbrauchsfällen gegeben werden. Schließlich sollte Ärztewerbung deutlich erkennbar sein.

Zu Bewertung der Portale selbst fordern die Verbraucherschützer verständliche Erläuterungen zur Bewertungsmethode und -darstellung sowie Angaben zu Menge, Herkunft, Aktualität der Arztdaten und -bewertungen.

Eine Verbesserung ist dringend nötig

Von diesen Kriterien sind die meisten Arztbewertungsportale aber noch weit entfernt. Dabei beißt sich die Katze sprichwörtlich in den Schwanz.

Sind nicht genügend Patienten bereit, sich nach Anmeldung zu ihren Ärzten zu äußern, bleiben die Portale zwangsläufig hinter den selbst gesteckten ehrgeizigen Zielen zurück. Zum jetzigen Zeitpunkt ist die Nutzung des Angebotes via Internet also mehr oder weniger eine Glücksache.

Elmar Esser

Arztbewertungsportale-Auswahl

  • arzt-auskunft.de (Stiftung Gesundheit, Hamburg)
  • docinsider.de (Doclnsider GmbH, Hamburg)
  • esando.de (Comventure GmbH, Ludwigshafen)
  • imedo.de (imedo GmbH, Berlin)
  • jameda.de (jameda GmbH, München)
  • medfuehrer.de (medführer GmbH, Heidelberg)
  • onmeda.de (gofeminin.de GmbH, Köln)
  • sanego.de (continuo invest UG, Dreieich)
  • topmedic.de (ArztData GmbH, Hamburg)

Quelle: Stiftung Waren test

 

Die Erfahrung mancher unserer Mitglieder ist aber gar nicht schlecht mit Bewertungsportalen, es sei sogar so, dass man durch ja meist überwiegenden  positiven Bewertungen auch bei Google "weiter nach oben rutsche"...und damit schneller gefunden werde zu einem bestimmten Thema. Analog verhalte sich das beim Platzieren von Adworks, also den Seitenbalken rechts neben Google-Stichworten.

Dr. Gepp

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So machen Praxen ihre Website bekannt

Ärzte Zeitung, 15.04.2011

Zum modernen Praxismarketing gehört eine eigene Website. Doch die nützt kaum etwas, wenn potenzielle Patienten sie nicht finden. Gezielte Anzeigen im Internet helfen hier.

Von Rebekka Höhl

NEU-ISENBURG. Eine eigene Praxis-Website wird in der Patientenansprache und vor allem, wenn Ärzte neue Patienten für sich gewinnen wollen, immer wichtiger. Denn immerhin sind mittlerweile über 69 Prozent der Deutschen zumindest gelegentlich online, so das Ergebnis der ARD/ZDF-Onlinestudie 2010.

Doch die Praxis-Website bringt wenig, wenn sie im Internet von potenziellen Patienten nicht gefunden wird. Die Lösung: Neben der Listung in Arztbewertungsportalen können Ärzte Anzeigen im Internet schalten. Dabei seien vor allem die Google AdWords geeignet, erklärt die Online-Marketing-Expertin Sabrina Zebisch von der Convecto New Media GmbH in Offenbach.

Die Funktionsweise ist einfach erklärt: "Sucht ein Nutzer etwa nach `Hausarzt Frankfurt´, bekommt er neben oder über dem Suchergebnis Anzeigen eingeblendet, die sogenannten Google AdWords", sagt Zebisch. Die Vorteile dieser Werbeform liegen laut Zebisch zum einen darin, dass der Arzt seine Anzeige regional begrenzt schalten könne.

So könne ein Arzt nur in Frankfurt, einem oder mehreren Bundesländern oder auch einem selbst definierten Umkreis rund um seine Praxis werben. Die Anzeige wird dann nur Web-Nutzern gezeigt, deren IP-Adresse (jedem Rechner im Internet wird eine bestimmte Adresse basierend auf dem Internet Protokoll - IP- zugewiesen), darauf schließen lässt, dass sie sich in diesem Gebiet aufhalten.

Ärzte legen den Klick-Preis selbst fest

Wichtig für Ärzte sei aber ebenso, dass die Kosten genau kalkulierbar sind. Zebisch: "Der Arzt legt selbst fest, wie viel er monatlich für Google AdWords ausgeben will. Und anders als bei klassischer Bannerwerbung zahlt er nicht für das reine Einblenden seiner Anzeige, sondern nur für einen tatsächlich erfolgten Klick auf diese."

Wie das funktioniert? Der Arzt gibt ein festes Monatsbudget vor, das können 100 Euro, 50 Euro oder weniger sein. Er legt außerdem fest, wie viel er für einen Klick auf die Anzeige zahlen will. Dabei gibt es keine feste Laufzeit für die Anzeige. "Die Kampagne kann jederzeit eingestellt werden", sagt Zebisch.

Allerdings beeinflusst der vom Arzt festgelegte Klick-Preis auch die Positionierung der Anzeige auf google.de. Denn da jeder Anzeigenkunde den Klick-Preis selbst festlegen kann, entsteht so etwas wie eine Auktion um bessere Werbepositionen.

Doch der Klick-Preis ist zum Glück nicht die einzige Komponente, die über die Platzierung der Anzeige entscheidet, wie Zebisch deutlich macht. Viel wichtiger sei der Anzeigentext, weil dieser die Internet-Nutzer dazu bewege, überhaupt auf die Anzeige zu klicken.

Und je öfter eine Anzeige angeklickt werde, als umso relevanter wertet Google sie für gewisse Suchanfragen. Zusätzlich sei es wichtig, dass der Link in der Anzeige auch zu einer seriösen Website führe und vor allem zu einer, die dem Anzeigentext entspreche. So können Ärzte auch mit niedrigem Klick-Preis ganz vorne im Ranking um die besten Werbeplätze landen.

Für den Text gilt: "Er muss sich von dem konkurrierender Anzeigen unterscheiden und dem Internet-User suggerieren, dass er für seine Suchanfrage relevant ist", so Zebisch. Wenig hilfreich sei etwa folgender Text: "Arzt FFM Westend: Hausarztpraxis von Dr. M. Muster in FFM, Musterstraße 3. www.hausarzt-muster.de.

Der Grund: Der Text schaffe es nicht, die Emotionen des Web-Nutzers anzusprechen. Besser wäre es zudem, Schwerpunkte der Praxis, eine besondere Ausstattung etc. zu nennen.

Gerichte sehen Arztwerbung relativ locker

Doch was ist Ärzten hier überhaupt erlaubt? Eine ganze Menge, sagt der Bonner Medizinrechtler Dr. Ingo Pflugmacher. Denn die Grenzen des Heilmittelwerberechts sind schon längst nicht mehr so eng gesetzt und auch die Gerichte haben in den vergangenen Jahren Ärzten immer mehr zugebilligt.

So habe das Bundesverfassungsgericht die sogenannte Sympathiewerbung gebilligt. "Der Arzt darf also auch über persönliche Merkmale in seiner Außendarstellung berichten", erklärt Pflugmacher.

Anlass für die grundsätzliche Erörterung dieser Rechtsfrage sei eine Veröffentlichung in einer Zeitschrift gewesen, in der der Arzt mit seiner Billigung dahingehend zitiert worden sei, dass es ihn jeweils rühre, wenn die von ihm operierten Patienten bereits am Tag nach der Operation mit der Krankenschwester "ein Tänzchen führen können".

Pflugmacher: "Es wurde hierzu festgestellt, dass solche Aspekte der Sympathiewerbung zugelassen sind, sofern sie nicht die sachlichen Angaben überwiegen."

Ärzte seien zudem berechtigt, sachliche und wahre Tatsachen über sich und ihre Praxis in der werbenden Außendarstellung anzugeben. Dazu gehörte auch das Nennen von Tätigkeitsschwerpunkten; sofern diese Leistungen nicht nur ganz gelegentlich durchgeführt würden und nicht die Gefahr der Verwechslung mit weiterbildungsrechtlichen Schwerpunkten oder Zusatzbezeichnungen bestehe.

Bei letzteren Zusatzbezeichnungen dürfe der Arzt nur dann auf die Bezeichnung hinweisen, wenn er auch über die förmliche Weiterbildung verfüge.

Werben im Web - was ist erlaubt?

Was Ärzte dürfen:

  • sachlich wahre Tatsachen über sich und die Praxis nennen;
  • Schwerpunkte und Zusatzbezeichnungen angeben, sofern die Leistungen nicht nur gelegentlich erbracht werden und Ärzte - falls nötig - über die förmliche Weiterbildung verfügen;
  • organisatorische Hinweise geben (etwa auf Sprechzeiten auch für spezielle Untersuchungen oder IGeL).

Was Ärzte nicht dürfen:

  • die Namen von medizinisch-technischen Geräten oder Links zu Geräteherstellern nennen;
  • erben mit fremd- und fachsprachlichen Begriffen (diese sollten immer in Deutsch erläutert werden);
  • mit Namen oder Schwerpunkten werben, die eine Verwechslungsgefahr zu weiterbildungspflichtigen Bezeichnungen oder anderen Fachgruppen beinhalten.

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Der App-Boom geht in die nächste Runde

Ärzte Zeitung, 13.10.2011

Der Markt für Apps im Gesundheitsbereich entwickelt sich rasant. Damit Ärzte nicht den Überblick verlieren, startet die "Ärzte Zeitung" eine Serie zu Gesundheits-Apps.

Von Kerstin Mitternacht und Pete Smith

NEU-ISENBURG. Apps für Smartphones legen bei der Beliebtheit immer weiter zu. Mehr als 15 Millionen Deutsche haben laut dem Hightech-Verband BITKOM die kleinen Programme auf ihrem Handy oder Smartphone - etwa dem iPhone von Apple - installiert.

Dabei haben Smartphonebesitzer im Durchschnitt 17 Apps auf ihrem Mobiltelefon. Der App-Markt befinde sich noch am Anfang und habe ein enormes Potenzial nach oben, so die Einschätzung von René Schuster, BITKOM-Präsidiumsmitglied.

Markt entwickelt sich auch im Gesundheitsbereich rasant

Auch im Gesundheitsbereich entwickelt sich der Markt rasant. Neben Apps, die über Gesundheitsthemen informieren, oder mit denen sich Werte wie das Körpergewicht kontrollieren lassen, gibt es auch immer mehr spezielle Zusatzgeräte, die Blutdruck oder Puls berechnen.

So wird mithilfe einer App und einem kleinen Zusatzgerät aus dem Handy schnell ein Medizingerät. Über eine Internetverbindung lassen sich die Messwerte dann unkompliziert an einen Arzt weiterleiten.

Die "Stiftung Warentest" hat gerade solche Zusatzgeräte getestet. Die Frage, die sich die Tester stellten, lautete: Kann das Blutdruck- oder Blutzuckermessen mit iPhone oder iPad mit der Messung durch herkömmliche Geräte mithalten?

"Stiftung Warentest" war überzeugt von drei erhältlichen Zusatzgeräten

Das Ergebnis: Beim Thema Blutdruck- und Blutzuckermessung konnten die drei auf dem Markt erhältlichen Zusatzgeräte die Tester überzeugen und erhielten durchweg gute Noten. Diese Verbindung von Medizintechnik und mobiler Kommunikation wird den Gesundheitsmarkt in Zukunft weiter verändern.

Denn auch medizinische Laien können mit Apps ihre Körperfunktion einfach überwachen und sich und den Praxisteams so oft Zeit raubende Praxisbesuche sparen. Sofern die Patienten im Umgang mit den Geräten geübt sind.

Dies zeigt auch eine internationale Studie des Instituts research2guidance, die Anfang des Jahres von BITKOM vorgestellt worden ist. Die Studie sagt den Gesundheits-Apps auf Smartphones eine herausragende Zukunft voraus.

Danach erwarten zwei Drittel der 231 befragten Unternehmen im Gesundheitssektor, dass im Jahr 2015 (bezogen auf die Industrieländer) die Mehrheit der Ärzte, Krankenschwestern, Pfleger und Therapeuten Gesundheits-Apps verwenden werden.

Nach Berechnungen von BITKOM existieren derzeit weltweit rund 520.000 Apps. Die Mehrzahl dieser Apps sind kostenlos, für einige werden Preise von durchschnittlich drei Euro verlangt.

Ärzte können mit Apps Therapietreue bei Patienten steigern

Da täglich Hunderte neue Applikationen auf den Markt kommen, ist es schwer, den Überblick zu behalten. Aus diesem Grund wird die "Ärzte Zeitung" in einer Serie die neuesten Apps aus Medizin und der Gesundheitsbranche, aber auch interessante Apps fürs Praxismanagement vorstellen. Denn die kleinen Programme können Patienten und Ärzte im Alltag unterstützen.

Ärzte können mit Apps etwa die Compliance bei ihren Patienten steigern, durch die regelmäßige Überprüfung von Messwerten den Patienten die Sicherheit geben, dass ihr Arzt bei kritischen Werten reagieren kann oder Patienten mithilfe einer App dazu bringen, dass sie sich mehr bewegen und Spaß daran haben.

Gesundheits-Apps wie AsthmaApp oder Notfall-mobil-App

Ein paar Beispiele für Gesundheits-Apps: Patienten mit Asthma können mithilfe des AsthmaApp, entwickelt von GlaxoSmithKline und dem Online-Portal Luft-zum-Leben.de, einen Asthmakontrolltest machen sowie Pollenflugdaten einsehen.

Takeda Pharma stellt eine Notfall-mobil-App zur Verfügung, die Notrufnummern mit Direktwahl listet und den eigenen Standort an die Leitstellen weiterleitet. "MyHandicap", eine App der Stiftung MyHandicap und der Kölner Ford-Werke, gibt die Adressen behindertengerechter Einrichtungen an.

Mangelnder Datenschutz der Apps wird kritisiert

Ein Kritikpunkt an den Apps ist der mangelnde Datenschutz. Wenn medizinische Daten unverschlüsselt und kabellos versendet werden, sind sie auch für Dritte einsehbar. Datenschützer befürchten hier Missbrauch und warnen vor dem gläsernen Patienten.

Außerdem bemängeln Kritiker, dass noch immer ein gemeinsamer Standard fehlt, der die Kompatibilität von Apps fürs iPhone mit denen anderer Smartphone-Hersteller sicherstellt.

Serie: Apps im Gesundheitswesen

Täglich kommen hunderte von neuen Apps für Smartphones und Tablet-PC auf den Markt.

Auch im Bereich Medizin und Gesundheit wächst der Markt rasant. Damit Ärzte nicht den Überblick bei Gesundheits-Apps und Apps fürs Praxismanagement verlieren, testet die "Ärzte Zeitung" in einer Serie für sie die neuesten und interessantesten Apps.

Achten Sie einfach auf die Rubrik "Gesundheits-Apps". Zum Start der Serie stellen wir Ihnen die App der "Ärzte Zeitung" vor. 

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Facebook auch für Arztpraxen?

In Anlehnung an die zuletzt erschienenen Artikel in der Ärztezeitung vom 25.10.2011 „Täglich ins Internet – das ist heute Standard“, möchten wir schwerpunktmäßig über das Für und Wider in der Nutzung moderner Internetportale berichten.

Das Internet hat auch die Arztpraxen inzwischen erheblich verändert. Nur noch 7,5 % der niedergelassenen Allgemeinmediziner und Internisten nutzen das Internet außerhalb der KV-Abrechnung überhaupt nicht. Dagegen sind über 50% täglich oder sogar mehrfach täglich online. Bei Ärzten unter 40 gibt es keinen, der das Internet nicht nutzt.

Der zweite Schritt der „Revolution“ durch das Internet – die Kommunikation mit dem Patienten – sind die Ärzte in ihrer Mehrheit noch nicht gegangen. Auch verfügen nur 30 % über eine eigene Homepage. Dagegen bringen immer mehr Patienten Ergebnisse aus Internetrecherchen mit in die Sprechstunde, und über 50% der Deutschen suchen im Internet nach Ärzten.

Den eventuell vulnerablen dritten Schritt für Ärztinnen und Ärzte, die Nutzung verschiedener Internetforen zum Austausch mit Patienten via Facebook, Twitter, Apps usw. besprechen wir mit Ihnen ausführlich sowohl hier in der PÄP als auch auf unserer Herbsttagung in Frankfurt. Datenschützer warnen vor einem solchen Schritt, da z.B. Facebook nicht garantiert, dass die Daten sicher sind, sondern sie bieten ihren Dienst nur „auf eigenes Risiko“ an, Daten von lebenslangen Profilen lagern in den USA. Eine Verweigerung wäre also naheliegend, bedeutet aber, dass man sich einer tollen neuen Technologie verschließen würde. Ein eigenes Bild können Sie sich machen auf der Basis der hier wieder gegebenen Artikel. Auch der Spiegel hatte am 24.10. ein Interview mit Facebook-Manager Schrage veröffentlicht, der behauptet, man könne "jederzeit bei Facebook die Löschtaste drücken"; lesen Sie nun folgende weitere Stellungnahmen:

Dr. Oehl-Voss

 

Moderne Patienten schätzen moderne Kommunikation — für wichtige News über heutzutage alltägliche Kanäle sind viele dankbar Ein Hausarzt auf Facebook: Wie Sie Patienten an die Praxis binden und gut informieren

Quelle: Der Hausarzt 17/11

publiziert am: 30.10.2011 11:29

Zeitschrift: Der Hausarzt 2011/17: 8-9

Autor: von Kerstin Mitternacht

Facebook ist für viele Menschen wichtige und tägliche Informationsquelle. Auch Firmen haben das längst erkannt und präsentieren sich teils aufwändig in dem sozialen Online-Netzwerk. Gerade für Arztpraxen als Teil der unmittelbaren Lebenssphäre vieler Patienten bieten sich hier interessante Möglichkeiten. Der rheinische Hausarzt Hans Joachim Schirner zeigt, wie Facebook-Erfolg funktioniert.

Vierhundert Klicks in der Woche, das ist für die Facebook-Patientenseite von Hausarzt Hans Joachim Schirner kein schlechtes Ergebnis. Und es beweist, dass seine Patienten das Angebot nutzen. Der Hausarzt aus Langenfeld betreibt daher seine Seite auch sehr aktiv: Er macht sie unter seinen Patienten gezielt bekannt. Neben einem Aushang in der Praxis, der auf die Seite hinweist, bekommen Patienten auch Informationsblätter zu Facebook mit. Neue Patienten erhalten generell eine kleine Broschüre über seine Praxis und auch einen Hinweis auf die Facebook-Seite, die viele von ihnen sehr interessant finden.

Dabei klärt Schirner seine Patienten immer über die Datenschutzproblematik auf. „Facebook-Nutzer wissen im Groben, dass ihre Daten weitergegeben werden, aber was das im Einzelnen bedeuten kann, ist ihnen oft nicht bewusst“, weiß Schirner aus einer kleinen Umfrage, die er unter seinen Patienten gemacht hat. Wobei Patienten, die zwischen 20 und 40 Jahre alt sind, gut informiert seien — darunter oder darüber fehle oft einfach das Interesse, so Schirner.

Dass der Datenschutz aber gerade bei Facebook ein wichtiges Thema ist, zeigt etwa der automatische Datenabgleich mit dem Adressbuch und dem E-Mail-Account auf dem Smartphone. Ärzte müssen hier besonders aufpassen, dass keine ihrer sensiblen Patientendaten unbeabsichtigt an Facebook übermittelt werden.

Auch Schirner benutzt über sein iPhone und iPad das soziale Netzwerk. „Ich habe natürlich eingestellt, dass Facebook nicht auf meine Kontaktliste zugreifen kann. Das ist nicht nur für Patientendaten sinnvoll, sondern auch für alle privaten Adressen.“ Der Zugriff auf Facebook, über Smartphone oder Tablet-PC, ermöglicht Schirner, auch von unterwegs immer einen Blick auf seiner Seite zu haben und aktuelle Informationen zu posten oder bei kritischen Kommentaren schnell eingreifen zu können. „Das Internet vergisst nichts. Aber es bietet auch enorme Möglichkeiten der Kommunikation“, sagt Schirner.

Hausarzt Hans Joachim Schirner hat auf Facebook eine beliebte Seite für seine Patienten eingerichtet.© [M] Hans-Joachim Schirner

Natürlich sollten Ärzte nicht auf Facebook mit Patienten über deren Krankheitsgeschichten öffentlich diskutieren, so der Hausarzt. „Davon abgesehen wäre eine solche Beratung über das Internet zeitlich auch überhaupt nicht möglich - ich bin ja kein Facebook-Doktor. Meine Patientenseite ist eine reine Informationsseite“, betont Schirner.

Solange es jedoch keine konkreten Vorschriften gibt, wie Ärzte soziale Online-Netzwerke handhaben sollen, müsse vieles erst einmal ausprobiert werden. Schirner weist auf seiner Seite, die keine Privatseite, sondern eine kommerzielle Fanseite ist, daher an mehreren Stellen auf Datenschutzprobleme und Sicherheitslücken hin.

Postet jemand etwas öffentlich auf seiner Seite, schickt er ihm eine Mail, in der er nochmals über die Datenweitergabe an Facebook hinweist. „Mehr geht auf Facebook nicht“, sagt er „und in der Regel weiß der mündige Facebook-Nutzer auch darüber Bescheid.“ p ]Schirner schätzt trotz Risiken, die das Internet mit sich bringt, den Nutzen seiner Patienteninformationsseite auf einer zukunftsorientierten Plattform wie Facebook positiv ein. Bevor er seine Seite auf Facebook gestellt hat, hat Schirner sich ausführlich mit dem Thema soziales Netzwerk befasst, zum Beispiel auch mit seiner privaten Seite, und sich dann durch „learning by doing“ Funktionen und Möglichkeiten einer Fan-Seite selbst beigebracht.

„Das Meiste ist weniger kompliziert, als es im ersten Moment vielleicht den Eindruck macht“. Auch der zeitliche Aufwand ist nach Schirners Einschätzung auf Facebook geringer als bei einer Homepage: „Facebook läuft bei mir in der Praxis quasi nebenbei mit“, so Schirner.

Zwischen zwei Patienten sind schnell ein paar Zeilen getippt — und schon ist eine Meldung fertig. Bei komplexen und ausführlichen Themen kann es natürlich etwas länger dauern, so Schirner.

DAFÜR IST FACEBOOK GEEIGNET... 

Nach Erfahrungen von Allgemeinarzt Schirner erreicht man mit einer Patientenseite eine bestimmte Patientengruppe relativ einfach, da sie sich mittlerweile täglich auf Facebook tummeln und so auch regelmäßig vorbeischauen können.

Eine Facebook-Seite zu bearbeiten ist weniger kompliziert, als eine Homepage aktuell zu halten, und daher auch nicht so zeitaufwändig: Einloggen als Administrator, einen Beitrag posten und wieder ausloggen.

Ärzte können über eine Facebook-Seite ihre Praxis vorstellen und allgemeine Informationen wie Sprechzeiten, Anfahrtsbeschreibung oder Praxisbesonderheiten bekannt geben und Bilder der Räume und des Praxisteams einstellen. Wichtig: immer im Vorfeld das schriftliche Einverständnis der Mitarbeiter einholen.

Facebook bietet die Möglichkeit, aktuelle Praxisinformationen zu posten — etwa zu Quartalsbeginn an die Praxisgebühr zu erinnern. Bei Erkrankungswellen, etwa Grippe oder EHEC, können Patienten schnell etwa zu Hygienemaßnahmen informiert werden. Eigene Veranstaltungen, Fortbildungen, Notdienst, dienstbereite Apotheken oder Urlaub können angekündigt werden.

Links zu anderen Internetseiten, Zeitungsartikeln oder Videos sind möglich. Ein weiterer Vorteil: Mit Kollegen kann man sich über berufspolitische Informationen austauschen.

...UND DAFÜR NICHT!

Neben den Vorteilen gibt es auch einiges, was Ärzte im sozialen Netzwerk nicht einfach so tun dürfen. Dazu gehört unter anderem, eine Internet-Sprechstunde abzuhalten. Der Grund ist glasklar: Facebook ist öffentlich; je nach gewählter Einstellung können alle Fans der Seite oder sogar jeder Internetnutzer die Einträge lesen. Datenschutz ist deshalb nicht gewährleistet. Patienten individuell zu beraten, ist deshalb auf Facebook ebenso wenig möglich wie im voll besetzten Wartezimmer.

Generell muss darüber hinaus aber alles, was Patienten erkennbar macht oder die ärztliche Schweigepflicht verletzt, nicht von Seiten des Arztes auf die Facebook-Seite gelangen. Wenn der Patient selbst mit seinem Klarnamen dort auftritt, ist das seine Entscheidung — der Arzt darf aber nicht selbst die Identität anderer offenlegen. Zudem sollte klar sein, dass Facebook ein öffentliches Netzwerk ist und Daten weiterverarbeitet — Patienten müssen dies generell wissen.

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Vorsicht bei Facebook und Co: Schnell sind die Patientendaten in Gefahr!

Zur Diskussion nach unserer Veranstaltung am 12.11.2011 über das entsprechende Thema:

Ärzte Zeitung, 09.08.2011

Tipps für die Arzthelferin

Soziale Netzwerke bieten für Praxen ungeahnte Möglichkeiten. Aus datenschutzrechtlichen Gründen sollten die Accounts aber nicht vom Praxis-PC aus erstellt werden.

Von Theresia Wölker

Facebook, MySpace, Twitter, Xing und Co. - Jugendliche und junge Berufsanfänger tummeln sich heute ganz selbstverständlich in diesen sozialen Netzwerken. Auch für medizinische Fachangestellte (MFA) haben Internet-Plattformen ihre praktischen und nützlichen Seiten.

Idealerweise findet man darüber als MFA sogar eine neue, gute Arbeitsstelle oder - als Arzt - interessanten Austausch mit Kollegen und Interessenten für das eigene Praxis-Angebot (zum Beispiel für IGeL, praxisparalleles Gesundheitszentrum).

Einige Praxisteams sind schon aktiv bei der Nutzung von Social-Media-Portalen - wenige sogar mit eigenem Facebook-Profil -, andere trauen sich aus mangelnder Kenntnis (noch) nicht oder sind einfach zurückhaltend aus datenschutz- und berufsrechtlichen Gründen.

Soziale Netzwerke werden zum Austausch über Krankenheiten und Therapien genutzt

Schließlich lauern auch Gefahren, und das nicht nur beim Datenschutz. Aber es gilt zu bedenken, dass viele Patienten die sozialen Netzwerke längst für den Austausch über Krankheiten und Therapien nutzen.

Grundsätzlich müssen Nachrichten aus der Praxis - egal ob über E-Mail, Telefon oder über andere neue Marketingkanäle - professionell sein, und die Patientendaten müssen geschützt bleiben. Und wer sein Praxismarketing über die eigene Homepage hinaus zum Beispiel auf die Online-Plattform YouTube ausweiten möchte, muss sich auf die Schnelligkeit und den Facettenreichtum als neue und nicht zu unterschätzende Dimension im Web einstellen.

Aktive Internetnutzer orientieren sich an aktuellen Inhalten wie saisonalen Kampagnen zur Reise- und Urlaubszeit; bei veralteten Inhalten verlieren sie schnell das Interesse.

Ein geplantes Engagement der Arztpraxis auf der Plattform YouTube oder bei Social-Media-Angeboten wie Facebook sollte im Vorfeld sehr genau hinsichtlich juristischer und möglicher berufsrechtlicher Vorgaben analysiert und vor dem Start abgesichert werden.

Datenschutz: Patientendaten dürfen nicht in soziale Netzwerke gelangen

Denn unter die ärztliche Schweigepflicht fällt sogar, ob eine Person Patient einer Praxis ist. Umso schlimmer, wenn diese Verbindung ohne Zutun der Patienten bei Facebook auftaucht. So weist die Stiftung Gesundheit darauf hin, dass ein Facebook-Account keinesfalls vom Praxis-PC aus erstellt werden sollte.

Denn mit einem Klick können Patientendaten in das soziale Netzwerk gelangen und unbekannte Patienten werden einander als mögliche Freunde vorgestellt.

Außerdem speichert Facebook die Handynummern, Anschriften und E-Mail-Adressen, soweit verfügbar. Der "Gefällt mir"-Button ist also datenschutzrechtlich bedenklich.

In jedem Fall sollte die zuständige QM-Beauftragte in der Praxis darauf achten, dass der Umgang mit den sozialen Netzwerken verbindlich festgelegt wird.

Theresia Wölker aus Bendorf ist Personaltrainerin und Beraterin für Praxisteams.

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Gerade auch bei Facebook gilt Schweigepflicht!

PRAXIS-MARKETING ONLINE

Arzt und Wirtschaft 09/2011

Social Media wie Facebook oder Twitter werden auch von Ärzten zunehmend kommunikativ genutzt. Dabei darf die Privatsphäre der Patienten aber nicht vergessen werden, erinnert A&W-Redakteur Peter Leveringhaus.

Mehr als jeder zweite Niedergelassene, so der Ärztenachrichtendienst (ÄND), nutzt Facebook, Twitter und Co. Doch Vorsicht beim Erstellen solcher Accounts: Man „muss sich im Klaren sein, dass Facebook beim Abgleich des eMail-Kontos beziehungsweise des Adressbuchs alle Kontaktdaten für seine Marketingzwecke verwenden kann und wird“, sagt Dr. Gunter Pollanz, Vorstandsvorsitzender der Med-O-Card AG. Das gelte auch für Smartphones.

Das Sammeln der Kontaktdaten begünstigt, die ärztliche Schweigepflicht auszuhebeln, warnt Hamburgs Datenschützer Johannes Caspar. Der Unsicherheitsfaktor: die „Freunde-Finder- Funktion“ bei Facebook. Viele Patienten hätten sich bei ihrem Arzt gemeldet, weil sie bei Facebook „Einladungen“ erhielten, in denen ihnen andere Patienten mit Namen und Bild als „mögliche Bekannte, die schon bei Facebook sind“, vorgestellt wurden. Riskant, denn: „Ob ein Patient überhaupt in dieser oder jener Praxis behandelt wird, unterliegt der Schweigepflicht“, sagt Caspar.

Dagmar Nedbal, Leiterin der Pressestelle der Bayerischen Landesärztekammer, rät deshalb: „Ärzte sollten ihren Facebook- Account nie von ihrem Praxis-PC aus erstellen“ und so Patienten-Datenmissbrauch ausschließen. Dass da die Ärzte selber in der Pflicht seien, betont auch Iris Kraft-Kinz, Chefin der MEDplan Steuerberatung in Wien. Aus gutem Grund rät sie deshalb dazu, die Privatsphäre-Einstellungen am PC regelmäßig zu überprüfen, da Facebook etwa jährlich die Standardeinstellungen ändere.

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Die Residenzpflicht fällt!

ZWEIGPRAXEN

aus (Arzt und Wirtschaft 09/2011)

Die KV redet künftig viel weniger mit, wo Sie wohnen und wie weit Sie es zu Ihrer Praxis haben.

28.09.2011 –  

Neue Chancen für Hausärzte: Mit dem Versorgungsstrukturgesetz erfolgt eine weitere Liberalisierung der Vorgaben für die ärztliche Berufsausübung. Diese Chancen sollten Sie wirklich nutzen, empfiehlt A&W-Autor Hans Linder.

Positive Elemente des Versorgungsstrukturgesetzes sind der Verzicht auf die „Residenzpflicht“ und Einschränkungen beim Errichten von Zweigpraxen.

Residenzpflicht: Die Vorgaben in der Zulassungsverordnung sollen so geändert werden:

  • Die Zulassung erfolgt für den Ort der Niederlassung als Arzt.
  • Der Vertragsarzt muss am Vertragsarztsitz seine Sprechstunde halten. Die Forderung, „der Vertragsarzt hat seine Wohnung so zu wählen, dass er für die ärztliche Versorgung am Vertragsarztsitz zur Verfügung steht. Liegt der in unterversorgtem Gebiet, gilt die Pflicht bei der Wohnungswahl nicht“, entfällt. Somit muss man den Praxissitz auch außerhalb der üblichen Sprechstundenzeiten nicht mehr rasch erreichen können. Die Teilnahme am organisierten Notdienst bleibt aber Pflicht.

Zweigpraxen: Die Liberalisierung der Vorgaben für die Errichtung von Zweigpraxen ist zweischneidig. Einerseits vermitteln die Änderungen Chancen zur Verbesserung der hausärztlichen Versorgung in unterversorgten Gebieten und gestatten dem Hausarzt mit einer Zweigpraxis Umsatz und Ertragsperspektiven seines Unternehmens zu verbessern. Andererseits verschärfen die neuen Regelungen den Wettbewerb innerhalb der Ärzteschaft, wenn Konkurrenten im Umfeld Zweigpraxen gründen. Laut Bundesregierung soll die zentrale gesetzliche Vorgabe so formuliert werden:

„Vertragsärztliche Tätigkeiten außerhalb des Vertragsarztsitzes an weiteren Orten sind zulässig, wenn und soweit

  • dies die Versorgung der Versicherten an den weiteren Orten verbessert und 
  • die ordnungsgemäße Versorgung der Versicherten am Ort des Vertragsarztsitzes nicht beeinträchtigt wird; geringfügige Beeinträchtigungen für die Versor- gung am Ort des Vertragsarztsitzes sind unbeachtlich, wenn sie durch die Verbesserung der Versorgung an dem weiteren Ort aufgewogen werden.“

 

Damit werden die Hausärzte keine Schwierigkeiten mehr haben, Zweigpraxen beim Zulassungsausschuss durchzusetzen. Dessen Entscheidung darf nicht mehr schematisch auf die Entfernung zwischen dem Vertragsarztsitz und der Zweigpraxis oder auf die erforderliche Fahrzeit abstellen. Die Bundesregierung weist ausdrücklich darauf hin, dass die beiden Voraussetzungen für die Genehmigung einer Zweigpraxis – Versorgungsverbesserung am neuen Tätigkeitsort und Gewährleistung der Versor- gungspräsenz am Vertragsarztsitz – in gegenseitigem Abhängigkeitsverhältnis stehen.

A&W-TIPP

Nach dem Verzicht

… auf die „Residenzpflicht“ können Sie ihre Wohnung frei wählen. Sie müssen künftig nur noch in den Sprechstundenzeiten in der Praxis präsent sein. Die Beseitigung der rechtlichen Hürden für die Errichtung von Zweigpraxen verbessert die Möglichkeiten, in der Unternehmensentwicklung flexibel auf die Versorgungsbedürfnisse der Patienten zu reagieren.

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Ist Werbung durch Ärzte nun unbegrenzt erlaubt?

Zeitschrift: Der Hausarzt 2011/15

Weil Zahnärztekammer und zahnärztliche Berufsgerichte gegen einen Zahnarzt empfindliche Geldbußen verhängten, weil dieser angeblich in berufswidriger Weise für seine Leistungen geworben hatte, ist dieser vor das Bundesverfassungsgericht gezogen.

Das wiederum hat nun die Handlungsweise von Kammer und Berufsgericht für verfassungswidrig erklärt (Az. BvR 233/10 und 235/10). Welche Werbeformen als sachlich und übertrieben bewertet werden, unterliegt nach Auffassung der Verfassungsrichter nämlich zeitbedingten Veränderungen.

Allein daraus, dass eine Berufsgruppe ihre Werbung anders als bisher üblich gestaltet, folge nicht, dass das geänderte Vorgehen berufswidrig sei. Vielmehr habe der einzelne Berufsangehörige es in der Hand, in welcher Weise er sich für die interessierte Öffentlichkeit darstellt, solange er sich in den durch schützende Gemeinwohlbelange gezogenen Schranken hält. Auch das Sachlichkeitsgebot verlangt nach Auffassung des Gerichts nicht, sich auf die Mitteilung nüchterner Fakten zu beschränken.

KOMMENTAR

Inwieweit dieses Urteil auf die Gesamtheit der ambulanten ärztlichen Tätigkeit übertragen werden kann, unterliegt der Beurteilung im Einzelfall. Die Zeiten des stringenten Werbeverbots für Ärzte dürfte aber endgültig vorbei sein, zumal das Gericht sich auch schon in früheren Verfahren auf die Seite der Ärzteschaft gestellt hatte (BVerfGE 94, 372 ff., 111, 366 ff, BvR 233/10). Die Chancen, sich spätestens mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die oft sehr rigiden Entscheidungen von Berufsgerichten durchzusetzen, sind aber auf jeden Fall deutlich gestiegen.

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Privatleistung nur auf Wunsch

(Deutsche Bank medNachrichten Ausgabe 3/2011)

Wer bei einem gesetzlich versicherten Patienten eine Privatleistung erbringt, muss sich absichern, dass der Patient ausdrücklich diese Behandlung gewünscht hat - und ihm bewusst war, dass er bezahlen muss. Sonst läuft der Arzt Gefahr, dass der Patient am Ende die Rechnung nicht bezahlt und damit vor Gericht durchkommt. Erst vor Kurzem hat das Amtsgericht München einen solchen Fall entschieden und dem Patienten Recht gegeben, obwohl sogar ein Behandlungsvertrag vorlag. (Az.: 163 C 34297/09)

Wichtig: Die Vereinbarung muss schriftlich vorliegen, und sie muss eindeutig dokumentieren, dass der Patient trotz seines gesetzlichen Versicherungsschutzes eine private Behandlung gewünscht hat. Am besten, die Praxis arbeitet mit einem MusterBehandlungsvertrag, der diese Anforderungen erfüllt. Für Rechtssicherheit ist es auch wichtig, dem Patienten genügend Bedenkzeit einzuräumen.

Möglicher Abrechnungsvorteil: In diesem Fall geht es eher um die Verhinderung eines Nachteils - nämlich, dass der Patient am Ende die Rechnung nicht bezahlt oder sogar das bezahlte Geld zurückfordert.

PS: wir hatten zuletzt wieder 3 Mitglieder mit solchen „hausgemachten“ Problemen. Gemeinsam versuchen wir dann noch, eine Lösung zu finden; es ist sehr schwer, in solchen Fällen auf Kulanz der PKV zu hofen!

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GELDWERTE VORTEILE

Ärzte Zeitung, 19.09.2011

Prozesskosten am Hals? Das spart Steuern

Zivilprozesskosten können unter bestimmten Umständen von der Steuer abgesetzt werden. Der Bundesfinanzhof hat die Anforderungen dafür gesenkt. Und Betroffene können dadurch ihre Steuerlast senken.

Wer Kosten für Zivilprozesse in der Steuererklärung ansetzt, dem bleibt netto mehr vom Einkommen.

© Erwin Wodicka / Panthermedia

CELLE. Zivilprozesskosten hat die Rechtsprechung bisher nur ausnahmsweise bei Rechtsstreitigkeiten mit existenzieller Bedeutung als außergewöhnliche Belastung anerkannt. Jetzt hat der Bundesfinanzhof (BFH) die Anforderungen für die Absetzbarkeit gesenkt.

Auch außergewönliche Belastungen absetzbar

Hintergrund ist der Paragraf 33 Absatz 1 des Einkommenssteuergesetzes, das es auch Ärzten ermöglicht, von ihrem zu versteuernden Einkommen außergewöhnliche Belastungen abzusetzen.

Damit sind zwangsläufig entstehende, größere Aufwendungen gemeint, die über die entstehenden Kosten bei der überwiegenden Mehrheit der Steuerpflichtigen mit ähnlichen Einkommensverhältnissen und gleichem Familienstand hinausgehen.

Der BFH hat nun entschieden, dass unabhängig vom Grund des Klageverfahrens eine Zivilklage lediglich hinreichende Aussicht auf Erfolg bieten muss und nicht mutwillig erscheinen darf. Davon ist auszugehen, wenn der Erfolg des Zivilprozesses mindestens ebenso wahrscheinlich wie ein Misserfolg ist. Die zuvor anderslautende Rechtsprechung des BFH wurde dadurch aufgehoben.

Prozesskosten von rund 10.000 Euro als Werbungskosten

In einem Fall hatte kürzlich eine wegen Fortzahlung von Krankentagegeld prozessierende Klägerin aufgrund zwischenzeitlich eingetretener Erwerbsunfähigkeit keinen Erfolg. Die dadurch entstandenen Prozesskosten in Höhe von rund 10.000 Euro hat die Klägerin als Werbungskosten bei den Einkünften aus nichtselbstständiger Arbeit geltend gemacht.

Zu Recht, entschied der BFH. Diese sind nach Paragraf 11 Einkommensteuergesetz als außergewöhnliche Belastungen abzugsfähig.

Die Gebühren für Anwälte und das Gericht, Fahrtkosten für Zeugen oder auch Kosten für Ortsbesichtigungen stellt das Gericht dem Unterlegenen in Rechnung. So kann sich im Rahmen eines Prozesses eine hohe Kostenlast ergeben.

Alle Kosten, die über die steuerlich zumutbare Belastungsgrenze (vergleichbar einem Eigenanteil) hinausgehen, sind einkommensreduzierend anzurechnen. Die Belastungsgrenze müsste hierfür in jedem Fall überschritten werden.

Grenzen der steuerlich zumutbaren Belastungen

Ein Zivilprozess in zweiter Instanz mit einem Streitwert von bis 10.000 Euro kann durchaus mit Kosten in Höhe von 5500 Euro zu Buche schlagen. Die grundsätzlich steuerlich zumutbaren Belastungen nach Paragraf 33 Einkommensteuergesetz lägen bei einem ledigen und kinderlosen Steuerzahler mit Einkünften von 35.000 Euro bei 2100 Euro (sechs Prozent von 35.000 Euro).

Um den Unterschiedsbetrag von 3400 Euro reduzieren sich dann die Einkünfte auf 31.600 Euro. Das entspricht einer Reduzierung der Steuerlast um mehr als 1000 Euro. Bei verheirateten Steuerpflichtigen mit Kindern kann die steuerliche Entlastung sogar bei rund 3000 Euro liegen.

Nach Auskunft eines Sprechers des BFH kann auch rückwirkend gegen noch nicht bestandskräftige Steuerbescheide Einspruch eingelegt werden - dies kann sich durchaus finanziell rechnen.

Positive Rechtssprechung könnte künftig wieder aufgehoben werden

Lohnenswert können vor dem Hintergrund des "Eigenanteils" auch Prozesskostenvorauszahlungen sein, wenn dadurch die Grenze der zumutbaren Eigenbelastung noch im Steuerjahr überschritten wird. Entscheidend ist steuerlich stets der Zeitpunkt der Zahlung der Beträge.

Da zu befürchten ist, dass diese sich positiv für den Steuerzahler auswirkende Rechtsprechung im Nachgang durch Gesetzesänderungen für die Zukunft wieder aufgehoben wird, sollte umgehend gehandelt werden.

Somit sind im Übrigen auch die Kosten im Familienrecht für Prozesse um Unterhalt, Zugewinn und Sorgerecht steuerlich absetzbar.

Heike Jablonsky ist Fachanwältin für Medizinrecht und Arbeitsrecht in Celle (www.ra-jablonsky.de)

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Heimkosten für Eltern können Steuer mindern

Ärzte Zeitung, 15.09.2011

MÜNCHEN (mwo). Die Kosten für den krankheitsbedingten Heimaufenthalt eines Angehörigen können steuerlich als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden.

Das hat der Bundesfinanzhof (BFH) in München mit einem am Mittwoch veröffentlichten Urteil entschieden. Damit dies zu einer steuerlichen Entlastung führt, müssen allerdings die gesetzlichen Grenzen einer "zumutbaren Belastung" überschritten sein.

Im Streitfall war der Vater der Klägerin nach einem Schlaganfall auf Betreuung und Pflege in einem Heim angewiesen.

Von den Kosten in Höhe von insgesamt rund 37.000 Euro zahlte die Pflegeversicherung 22.000 Euro, 9000 Euro konnte der Vater selbst aufbringen. Die verbliebenen 6000 Euro übernahm die Sozialhilfe.

Davon musste die Tochter dem Sozialamt 1316 Euro erstatten. Sie machte dies in ihrer Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend.

Das Finanzamt erkannte den Abzug aber nicht an. Mit Urteil vom 30. Juni 2011 gab der BFH nun der Tochter zwar grundsätzlich recht, wies ihre Klage aber trotzdem ab.

Danach muss der Fiskus solche Heimkosten anerkennen. Abziehbar sind dabei nicht nur Pflegekosten, sondern auch Kosten für Unterkunft und Verpflegung, "soweit es sich um Mehrkosten gegenüber der normalen Lebensführung handelt".

Allerdings gelten die im Einkommensteuergesetz festgelegten Grenzen einer "zumutbaren Belastung". Diese liegt je nach Einkommen, Familienstand und Zahl der Kinder zwischen einem und sieben Prozent der zu versteuernden Einkünfte.

Abzugsfähig sind nur Aufwendungen, die diese "zumutbare Belastung" übersteigen. Im Streitfall war die Belastungsgrenze von sechs Prozent des Einkommens nicht überschritten.

Az.: VI R 14/10

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Eigenbeleg senkt Steuerlast

TIPP DES TAGES

Sind Ärzten Belege für die Steuererklärung verloren gegangen, heißt das noch nicht, dass sie entstandene  Kosten steuerlich nicht ansetzen können. In diesem Fall hilft ihnen der Eigenbeleg. Dabei versichert der Steuerpflichtige, dass für beruflich bedingte Investitionen wie etwa einen Drucker oder neuen Scanner für die Praxis Ausgaben angefallen sind. Allerdings müssen Ärzte dies glaubhaft nachweisen - das gelingt etwa durch Vorlegen der Bedienungsanleitung für die Geräte. Außerdem können Ärzte fehlende Belege auch nach Abgabe der Steuererklärung nachliefern - das geht sogar noch innerhalb der einmonatigen Einspruchsfrist nach Erhalt des Steuerbescheids.

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Stellenangebote

Die Fachklinik für Psychosomatische Medizin in Bad Zwischenahn stellt zum nächstmöglichen Zeitpunkt in Vollzeit- oder Teilzeit ein:

Einen/eine Leitende Oberärztin / Leitenden Oberarzt oder Oberärztin / Oberarzt

Erwünscht sind

  • Facharztqualifikation für Psychotherapeutische Medizin und Psychosomatik oder Psychiatrie und Psychotherapie oder der Ärztliche Zusatztitel Psychotherapie
  • Interesse an systemischen und hypnotherapeutischen Ansätzen
  • Die überdurchschnittliche Dotierung entspricht der gehobenen Qualifikation.

Des weiteren einen/eine

Fachärztin / Facharzt (z. B. Quereinstieg aus anderen Fachgebieten) oder Assistenzärztin / -arzt oder Diplom-Psychologin / Diplom-Psychologen

Erwünscht ist

  • Interesse an systemischen und hypnotherapeutischen Ansätzen
  • Die überdurchschnittliche Dotierung entspricht der jeweiligen Qualifikation.

Zusätzlich sind Vollzeit- oder Teilzeitstellen von Dienstärztinnen / Dienstärzten zu besetzen. Es handelt sich um Nacht- und Feiertags-Bereitschaftsdienste. Einzelheiten wie Honorar u.a. sind Verhandlungssache, auch die Modalitäten für entfernt woh­nende KollegInnen. Die Tätigkeit enthält allgemeinmedizinische Aufgaben und vorwiegend stützende Patientenbegleitung.

Ihre Bewerbung wird selbstverständlich vertraulich behandelt. Bitte richten Sie sie an Dr. F. Ingwersen, Privatklinik Bad Zwischenahn, Seestraße 2, 26160 Bad Zwischenahn, Telefon: (0 44 03) 97 91-0, Telefax: (0 44 03) 97 91-11

E-Mail: info@privatklinik-zwischenahn.de      www.privatklinik-zwischenahn.de

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Wegen Todesfall sofort zu übernehmen:

Moderne und ertragstarke Praxis für Allgemeinmedizin

In Stolberg Gressenich.

Gute Autobahnanbindung: 20 Min. nach Aachen und  20 Min. nach Köln.

Modernste Ausstattung und Struktur ( inkl. Sono, Ergo, LZ-RR, LZ EKG, Papierloses Praxissystem etc.), hoher Privat-Anteil, hohe Rendite, evtl. mit Immobilie (260qm Wohnfläche, 110qm Praxis), ggfs. m. parallelem Gesundheitszentrum. Erfahrenes, nettes und kompetentes Team.

Kontakt:

Ina Scheitinger, Gracht 13, 52224 Stolberg, Tel.: 0151 17 323035,

eMail:  ina.scheitinger(at)web.de

Wir bitten Sie diese Praxisanzeige an alle interessierten Kolleginnen und Kollegen weiter zu leiten.

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Wünsche zu Weihnachten

Liebe Mitglieder,

Wir möchten Ihnen wiederum schönen Advent und ein gesegnetes Weihnachtsfest wünschen.

Wir blicken auf ein lebhaftes Jahr zurück und auf ein mindestens genauso lebhaftes Jahr voraus! Lassen Sie 2011 ruhig und gelassen ausklingen

Ihre Vorstände des PBV.

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Privatärztlicher Bundesverband • Dreisamstraße 1 • 76337 Waldbronn • Telefon 07243-715363