2. PBV Vorsitzender – Privatärztlicher Bundesverband e. V., Dr. med. Heinz Oehl-Voss

Situationsbericht

Zusammengefasst von von Dr. med. Heinz Oehl-Voss,

2. Vorsitzender des PBV


Corona-Situation Mai 2020

Obwohl Corona bei Google unangefochten an erster Stelle steht – fassen wir die wichtigsten Neuheiten hier zeitnah zusammen!

Corona-Situation Stand 15. Mai 2020

 

GOÄ-Öffnung durch Corona

BÄK und PKV Verband haben sich im Zusammenhang mit Praxisveränderungen durch Corona auf wesentliche Ergänzungen zunächst bis 31. 7. 2020 verständigt.

Der Hygiene Zuschlag in Höhe von 14,75 €  GOÄ Nr. 245 analog kann in den derzeitigen Rechnungen zurück bis 10. 4. 2020 für alle Patienten angesetzt werden, die die Praxis aufgesucht haben. Auch die Beihilfe ist involviert (für Kliniken gilt das nicht)!
Eine weitere wesentliche Verbesserung ist die Möglichkeit, die Ziffer 3 für längere telefonische Beratungen bis zu viermal je vollendete 10 Minuten zu berechnen, wenn Patienten Pandemie-bedingt nicht zum Arzt kommen können und auch keine Videosprechstunde möglich ist.
Pro Monat sind maximal vier telefonische Beratungen berechnungsfähig (ÄrzteZeitung 13. 5. 2020). Wir gehen jedoch davon aus, dass dies fallbezogen ist und bei neuer Diagnose noch einmal greifen kann. Wir empfehlen auch einen Kurztext in die aktuellen Rechnungen zu integrieren: „PKV-Verband, BÄK und Beihilfe haben sich im Rahmen der Besonderheiten während der Corona-Pandemie auf Extravergütungen geeinigt“.

„Die Leistungen der niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte sind auch in der Corona-Pandemie ein unverzichtbarer Beitrag zur Tragfähigkeit des deutschen Gesundheitssystems insgesamt“, sagte in diesem Zusammenhang der Vorsitzende des PKV-Verbandes Ralf Kantak. Der Schutz der Krankenhäuser und des Systems vor einer Überlastung beginne in jeder Praxis, sodass hier die Unterstützung auch der PKV ansetzen wolle.

 

Privatpatienten, die in eine ungünstige wirtschaftliche Situation gekommen sind, dürfen in einen günstigeren Basistarif wechseln, später jedoch einfach (ohne Gesundheitsprüfung) in den Ursprungstarif zurück wechseln.

 

Videosprechstunde kein Hype

Die meisten von uns erleben die Möglichkeit, Patienten per Videosprechstunde zu behandeln gerade nicht als besonders große Nachfrage (es mag Ausnahmen geben!). Die Corona-Krise bringt zum Vorschein, dass der Arzt-Patienten-Kontakt doch ein sehr hohes Gut darstellt. Die freie Ärzteschaft spricht sogar davon, dass die zuvor schon gepriesene Videosprechstunde „entzaubert“ sei. Jedenfalls ist es gut, auf eine solche Möglichkeit zugreifen zu können, möchten wir doch aber festhalten.

 

Aufatmen der Menschen nach jüngsten Lockerungen

Die ersten Lokale haben geöffnet, die meisten Geschäfte auch. Reiseunternehmen hoffen und bangen, dass der Sommerurlaub zumindest im Schengenraum möglich sein wird, immer vorausgesetzt es treten nicht übermäßig viele Neuerkrankungen in bestimmten Ländern auf.
Schlachthöfe und andere Hotspots müssen streng kontrolliert werden; es kommen Arbeitsbedingungen zum Vorschein, die man auch ohne Corona längst hätte verbessern müssen! Abstandsregelungen können bei solchen Verhältnissen glatt vergessen werden. Ein Luxusproblem dagegen sind die Bemessungen an Stränden, die geöffnet werden (wollen): 5 m sollen es bitte sein zwischen den Sonnenschirmen, die ligurische Steilküste reglementiert Sonderbehandlung. Seilbahnen in Südtirol wollen möglichst sofort öffnen, der „Kampf mit Rom“ zwecks Sondererlaubnis im Bezirk Bozen ist in vollem Gange.

 

Warten auf die Impfung

All die derzeitigen Lockerungen leben vom Prinzip Hoffnung: Wenn schon die Neuinfektionen wieder ansteigen, dann hoffentlich nicht zu sehr, bis denn die Impfung wieder fast ein Normalleben ermöglichen würde! Die deutsche Firma Biontech ist soweit, dass bereits Testungen an 200 gesunden Freiwilligen (in Österreich) bzgl. der Verträglichkeit laufen. Danach, wird bei 200 infizierten die Wirksamkeit geprüft. Dann folgt der nächste Schritt: 20.000 geimpfte müssen klinisch geprüft werden, bevor eine Produktion starten kann. Man hofft (auch bei Konkurrenten) auf einen „Treffer“ noch im Jahr 2020. Doch sind wir uns im Klaren: Wissen tut das niemand.

Bei den Therapiemöglichkeiten enttäuschen weiterhin die meisten Medikamente, neuerdings machen Interleukin-Antagonisten viel Hoffnung gerade bei schweren Verläufen; interessant auch, dass der Hormon-Entzug bei Prostatakrebs-Patienten günstig gegen Covid-19 wirkt (Androgenen kommt die Rolle zu, dass sie eher entzündungsfördernd wirken, somit Frauen eher bei vielen Erkrankungen „besser abschneiden“. Der Wirkmechanismus wird jedoch (von Robert Bublak, ÄrzteZeitung 13. 5.) ziemlich genau beschrieben und ist auch wieder an eine sehr faszinierende Besonderheit des Corona-Virus gebunden.

 

Spahn bestellt Antikörpertests von Roche

Zur allgemeinen Verunsicherung tragen zahlreiche, sogar von gesetzlichen Versicherungen bezahlte SARS-CoV-2 Tests bei, deren Aussagekraft äußerst begrenzt sind. Stand heute ist, der Goldstandard der direkte Erregernachweis. Die Komplexität der verschiedenen Testmöglichkeiten wollen wir an dieser Stelle nicht erörtern (die ÄrzteZeitung vom 13. 5. hat es auf Seite 4 versucht).

Bisher konnten wir durchaus Abstriche entnehmen (lassen, vom Patienten selbst, damit er nicht in die Praxis kommen muss) und diesen im Labor auswerten lassen. Wenn er negativ war, musste man auch nicht das Gesundheitsamt mit einbinden. Ein neuer Beschluss vom 14. 5. fordert nun, dass auch negative Tests gemeldet werden müssen.

Vielsagend wurde dort aufgeführt, dass Jens Spahn drei Millionen Testeinheiten von Roches Immunoassay Elcsys R Anti-Sars-CoV-2 bestellt hat. Der Antikörpertests basiert auf der Cobas-Plattform. Der Hersteller gibt die Sensitivität mit 100 % an – validiert anhand von 29 Proben von Covid-19 Patienten ab dem 14. Tag nach einem positiven PCR-Test. Die Spezifität gibt der Hersteller mit 99,81 % an, validiert an 5272 Proben. (ÄrzteZeitung). Solange jedoch zu wenige Menschen infiziert sind, begrenzt auch hier eine solche niedrige Prävalenz sowohl Einsetzbarkeit der Tests als auch eine Risikostratifizierung.

 

Ausblick vor Pfingsten

Derweil ist es in weiten Teilen der Welt erstaunlich, wie sehr die derzeitig verlangten Vorsichtsmaßnahmen befolgt werden, abgesehen von unverbesserlichen „Demonstranten“ (gegen „Corona-Restriktionen“), die all die gewonnenen (Teil-) Freiheiten in hohem Maße wieder gefährden. Zu viele neue Hotspots könnten zu einer erneuten Downregulierung zwingen, die einen irreparablen Schaden anrichten würde.
Hoffen wir also, dass verbesserte Tests, eine ergänzende App und atemberaubende Forschungen bzgl. Therapie bzw. Impfungen weitere Erleichterungen schaffen.


Bleiben Sie weiterhin gesund! Ihr Dr. Oehl-Voss


Corona-Situation Stand 8. Mai 2020

 

Freiheitsgewinn durch föderales System

Nach dem Motto „Mehr Schweden wagen“ (FAZ 6. 5. 2020) haben sich die Ministerpräsidenten der Länder gegenseitig überboten, die Freiheitsbeschränkungen der Bürger durch die Corona-Pandemie zurückzunehmen, noch bevor die Bundeskanzlerin ihr Statement abgegeben hatte. Der Druck von der Bevölkerung auf die jeweiligen Ministerpräsidenten hat eine Eigendynamik entwickelt, die das deutsche System allerdings positiv unterscheidet vom französischen Zentralismus (Macron lässt die einsamen bretonischen Strände mit Drohnen kontrollieren, wenn ein Park in Paris berechtigterweise gesperrt werden muss, gleiches „Recht“ fürs ganze Land!).

In Griechenland sind die abendlichen Worte eines Arztes im Fernsehen dagegen durch Überzeugungskraft fürs ganze Land sehr wirksam: man solle sich stets so verhalten, als wenn man infiziert wäre! Man solle genügend Abstand halten, Masken tragen und selbst mit entscheiden, wen und wie man gefährdet, wie beim Rauchen, Trinken, Rasen. Auch Südtirol hat sich einer solchen Vorgehensweise verschrieben, man möchte möglichst den Tourismus bereits zu Pfingsten wieder beleben! Man diskutiert auch einen sog. Immunpass im Schengenraum, der die Grenzöffnungen erleichtern könnte. Griechenland spricht sich derzeit dafür aus, Touristen bald einreisen zu lassen, wenn sie einen aktuellen negativen Abstrichtest vorweisen können. Man kann sich ja noch nicht darauf verlassen, anhand von Antikörpertests zu entscheiden. Weiterhin muss darauf hingewiesen werden, dass es zwar CE-zertifizierte Tests gibt, dass diese jedoch immer noch keine Sicherheit bieten. Die ersten Roche-Tests sind nun aber in deutschen Krankenhäusern bereits in Erprobung! (Weitere wohl von Siemens und Abbott).

Wir müssen uns trotzdem weiter vergegenwärtigen: Es sind höchstens 2 Millionen Bundesbürger infiziert (80 % davon symptomlos), die Antikörperrate kann noch nicht zu einer völligen Öffnung führen, egal wie man das dreht.

 

In Deutschland sieht man Modalitäten bzgl. Immunitätsbescheinigungen noch äußerst skeptisch, das Missbrauchspotenzial ist durchaus sehr hoch. (Minister Spahn hat sich darüber hinaus gegen eine Impfpflicht ausgesprochen, falls eine solche denn eine Zulassung bekommen würde, derweil Präsident Trump bereits eine Zwangslizenzierung für eine irgendwie mögliche in Erwägung zieht: etwa 102 seien möglich, 13 weitere im Gespräch, das Paul Ehrlich-Institut favorisiert den von der Mainzer Firma Biontech, ein RNA-Impfstoff BNT162

Schweden ist am experimentier-freudigsten: Angeblich sind in Stockholm bereits 40 % infiziert, man wäre also am weitesten mit einer „Herdenimmunisierung“. Deutschland wagt das „Experiment“ mit den Fußball-Geisterspielen: Man darf gespannt sein, ob es zu neuen „Infektionsnestern“ kommen wird, oder aber wir erleben, dass vergleichsweise wenig passiert, und bereits wieder zwei Wochen nach Neubeginn zahlreiche andere Sportarten nachziehen können.

Auch die Infektionen der letzten Tage in Schlachthöfen zeigen, dass es noch darum geht, ganz schnell „Nester auszuheben“ bevor alles von vorne anfängt!

 

Besonderheiten des Covit-19 Genoms

Tausende von Genomen des Corona-Virus sind bereits entschlüsselt. Mutationen sind anscheinend weniger prägnant und häufig wie beim Grippe-Virus, bei dem deswegen jährlich neu geimpft werden muss. Bei Covit-19 kommt es am ehesten im Spike-Protein ganz außen zu Mutationen, dieses könnte sich dann einer Impfung evtl. entziehen (FAZ 6. 5. 2020 Natur und Wissenschaft, dort auch solche spannende Zusammenhänge auf dem Podcast: www.faz.net/podcasts).

 

Ein Nachweis über die Intensität der Erkrankung lässt sich mithilfe der Bestimmung von IL-6 und CRP erkennen, ebenso eine Besonderheit gegenüber Influenza, so wie auch die Aerosolübertragung eine größere Rolle spielt, (die dann die Plexiglasabschirmung der Supermarktkassen etwas relativiert: Aerosole finden da noch ihren Weg!).

 

 

Bei der Behandlung wünscht man sich (nicht nur bei der Herstellerfirma GIlead) mehrfache Beteiligung, da der Wirkstoff Remdesivir nur begrenzt produziert werden kann. Allerdings ist die Wirksamkeit auch nicht berauschend: Die Intensität der Krankheitsgeschehens kann etwas reduziert werden, die Sterblichkeit wurde bis jetzt nicht signifikant beeinflusst. (In den meisten Ärztezeitungen dieser Woche wird es positiv bewertet).

 

Schlimmste Rezession der EU

Die Weltwirtschaft ist erwartungsgemäß eingebrochen, die EU erlebt die schlimmste Rezession ihrer Geschichte. Es trifft die Länder unterschiedlich: Griechenland, Spanien und Italien werden mit 10 % angegeben, Deutschland mit 6,5 %, Polen sogar nur mit 4 %! Es wird jedoch keine neue Finanzkrise befürchtet, sodass der Abschwung bald vorbei sein dürfte, das spüren wir ja bereits in unseren Praxen. Der Fahrradhandel boomt dagegen. Die Autoindustrie möchte sich Gelder über uns, die Steuerzahler besorgen, trotz jahrelanger Milliardengewinne; man möchte nicht so gerne auf die Boni verzichten und unverändert Dividende an die Aktionäre ausschütten.
Es bleibt spannend in allen Bereichen. Wir wünschen gutes Gelingen beim Bewältigen der letzten Hindernisse auf dem Weg zu einer einigermaßen normalen Praxistätigkeit.


Bleiben Sie weiterhin gesund! Ihr Dr. Oehl-Voss


Corona-Situation Stand 4. Mai 2020

 

Alles neu macht der Mai – auch bei Corona!?

Haben uns die (Virologen-) Gelehrten noch vor knapp zwei Wochen nahegelegt, die Kindergärten und Schulen zu öffnen, so möchten einige von ihnen das Rad wieder etwas zurückdrehen: die Kinder seien nun doch infektiöser als angenommen. Professor Drosten hat ca. 60.000 Labordaten analysiert, bei etwas mehr als 3.000 Kindern, bei denen wiederum „nur“ ca. 200 infiziert waren. Das Ergebnis: Diejenigen, die wenig Symptome hatten (von den Infizierten!) hatten z. T. noch mehr Viruslast im Rachen als die Kranken. Und: 1 Mio. Viren/ml Speichel bedeutet ansteckende Tröpfcheninfektion. Auch wenn also ziemlich wenige Kinder erkranken, müsse man restriktiv damit umgehen.
Kritiker behaupten, Kinder seien dennoch viel weniger „gefährlich“, u. a. weil auch der Hustenstoß nur etwa ein Drittel so stark sei wie bei Erwachsenen, aber auch die allgemeine bisherige Beobachtung, dass viel weniger unter Kindern „passiere“. Wir werden also beobachten müssen, wie es in den Ländern läuft, die sich bereits für großzügigere Öffnungsszenarien entschieden haben.

 

Einkommens-Einbußen in Privatpraxen existenzgefährdend

Derweil erreichen uns inzwischen immer mehr Klagen von Mitgliedern, die bereits finanzielle Einbußen derart haben, dass sie Hilfsgelder beantragen müssen: ob in Form von Kurzarbeit oder über Kredite. Wir weisen darauf hin, dass dieser Weg nicht über eine KV oder Ärztekammer führt, sondern direkt bei der Landesregierung beantragt werden muss. Gespräche laufen (auf Betreiben des PBV) auch mit den privaten Krankenversicherungen, über einen möglichen Hilfsfonds für solche Situationen wo Privatpraxen in ihrer Existenz bedroht werden. Wir schätzen das so ein, dass sich solche Anträge nur dann „lohnen“ wenn es weitere Monate mit Corona so weiter gehen würde, ansonsten lohnt sich der bürokratische Aufwand eher nicht (es müssen Einkommen später mit den letzten Jahren abgeglichen werden, auch wenn Gelder teilweise sehr rasch zur Verfügung gestellt werden).
Über einen allgemeinen Schutzschirm für alle Arztpraxen berät die Bundesregierung in der kommenden Woche; wir halten Sie auf dem Laufenden.


Bleiben Sie weiterhin gesund! Ihr Dr. Oehl-Voss