Liebe PÄP-Leser,

wir freuen uns, Ihnen mit dieser Ausgabe das neue Publikationskonzept präsentieren zu dürfen.
Die Informationsgesellschaft hat im letzten Jahrzehnt einen großen Wandel erfahren. Während noch Anfang des Jahrtausends redaktionell erarbeitete Beiträge in Fernsehen, Radio und Tagespresse unseren Informationsalltag bestimmten, werden wir inzwischen stündlich oder gar minütlich mit den neuesten Informationen via Smartphone und Tablets versorgt. Dies fordert von klassischen, regelmäßig erscheinenden Publikationen eine Anpassung an die neue Zeit. Mit diesem Grundgedanken haben wir uns entschlossen, auch das Konzept der PÄP neu zu denken. Die zweimonatliche Erscheinungsweise, die wir gerne beibehalten möchten, bietet sich an, um den hektischen Informationsalltag Revue passieren zu lassen und das für den Privatmediziner wirklich Wichtige festzuhalten und zu bewerten.

Außerdem hoffen wir, dass die neue PÄP gerne und möglichst vollständig gelesen wird, trotz der
alltäglichen Überflutung mit neuesten Informationen. Deshalb wird die neue PÄP kompakt und überschaubar: Gesundheitspolitik, Innovationen, GOÄ/Abrechnung und Rechtliches sind hierbei zentrale Bestandteile, die sich je nach Aktualität abwechseln können. In der aktuellen Ausgabe stehen aus diesem Grund die Themen Bundestagswahl und Impfaktion in besonderem Fokus. Sie können uns für die zukünftigen Ausgaben auch Ihre Themenvorschläge zukommen lassen. Wir freuen uns, von Ihnen zu hören, und greifen Ihre Themen gerne in der Redaktionsbesprechung auf.

Unser besonderer Dank geht an dieser Stelle an unser langjähriges Vorstandsmitglied Dr. Heinz Oehl-Voss. Er hat über lange Zeit die Vorstandsarbeit insgesamt und das Publikationsorgan PÄP im Speziellen durch sein unermüdliches Engagement geprägt. Wir freuen uns, dass Heinz Oehl-Voss uns weiterhin eng verbunden bleibt.

Mit besten kollegialen Grüßen, der Vorstand des PBV

 

Aus Gründen der besseren Lesbarkeit wird in der PÄP auf die gleichzeitige Verwendung männlicher und weiblicher
Sprachformen verzichtet. Sämtliche Personenbezeichnungen gelten gleichermaßen für alle Geschlechter.


Gesundheitspolitik
Vor der Wahl

 

Aus dem Blickwinkel der Politik betrachtet, gab es seit Bismarcks Zeiten wohl kein Ereignis, das das Thema Gesundheit so sehr in den Fokus der Geschehnisse gerückt hat, wie die aktuelle Pandemie.


Die staatliche Impfkampagne, die durch das intensive Engagement des PBV auch für Privatärzte ge-öffnet wurde, lässt nun hoffen, dass die Pandemie beendet oder zumindest in ein weniger bedrohliches Szenario von epidemischen Episoden gewandelt wird. Wir hoffen, dass dies im Herbst zumindest in Deutschland der Fall sein wird. Nahezu zeitgleich stehen nun die Bundestagswahlen und Koalitionsverhandlungen an. Es ist leicht zu erahnen, dass die Politik diese besondere Situation als Steilvorlage erachtet, um Veränderungen im Gesundheitswesen herbeizuführen. Denn Gesundheitspolitik ist nicht zuletzt aufgrund der Komplexität der Materie ein stets ungeliebtes Feld gewesen. Es war schwierig, dort politische Erfolge zu erzielen. Mit dem Argument der Erfahrungen aus der Pandemie eröffnen sich nun aber zuvor scheinbar verschlossene Spielräume.  

Die politischen Parteien wollen dies nutzen. Daher bietet es sich in dieser neuen Ausgabe der PÄP an, die Programme und Wahlkampfaussagen der einzelnen Parteien genauer zu reflektieren. Wir haben uns bei der Auswahl der zitierten Wahlprogramme auf die Parteien beschränkt, denen in aktuellen Umfragen die größten Chancen auf eine Regierungsbeteiligung zugesprochen werden. Dies betrifft die CDU, SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, FDP und LINKE.

PKV, GKV oder Bürgerversicherung – welche Partei steht wofür?

Im Hinblick auf die Finanzierung des Gesundheitssystems kann man es aus Sicht des Privatarztes auf folgenden Kernpunkt bringen: CDU/CSU und FDP halten an der dualen Finanzierung aus gesetzlichem und privatem System fest, während SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und LINKE an diesem Punkt eine grundsätzliche Veränderung des Systems hin zu einer sogenannten Bürgerversicherung einfordern.

Auszug aus dem Wahlprogramm der CDU
 Im Einzelnen heißt es hierzu im Wahlprogramm der CDU: „Eine umfassende Versorgung der Bürgerinnen und Bürger und den Erhalt unseres sehr guten Gesundheitssystems erreichen wir mit der bewährten Selbstverwaltung, der freien Arzt- und Therapiewahl sowie mit dem Zusammenspiel von gesetzlichen und privaten Krankenversicherungen. Eine Einheitsversicherung und Schritte dahin lehnen wir ab.“

Auszug aus dem Wahlprogramm der FDP
Bei der FDP greift die Begründung zum Erhalt des dualen Systems die im Grundgesetz verankerten Freiheitsrechte auf: „Der Freie Beruf ist das Fundament einer liberalen Gesundheitsversorgung. Wir Freie Demokraten setzen uns dafür ein, dass auch weiterhin die freien Berufe im Gesundheitswesen gestärkt werden.

Niedergelassene Ärzte, Zahnärzte, Tierärzte, Apotheker, Heilmittelerbringer und Hebammen müssen in medizinischen Fragen autonom und frei von Weisungen Dritter entscheiden können. Denn die Therapiefreiheit der Behandlung ohne Budgetierungszwang kommt den Patienten zugute. Freiheit und Verantwortung sind die Basis der Vertrauensbeziehung zwischen Arzt und Patient.“

 

und

„Mündige Bürger auch in der Krankenversicherung. Wir Freie Demokraten wollen den Wechsel zwischen gesetzlicher (GKV) und privater (PKV) Krankenversicherung vereinfachen. Wir stehen für ein solidarisches und duales Gesundheitssystem, in dem die Wahlfreiheit des Versicherten durch Krankenkassen- und Krankenversicherungsvielfalt gewährleistet ist. Dazu gehört neben einer starken privaten auch eine freiheitliche gesetzliche Krankenversicherung. Diese soll Versicherten- und Patienteninteressen in den Mittelpunkt rücken und Möglichkeiten bieten, aus verschiedenen Modellen zu wählen.“

Diese Aussagen zum Erhalt des dualen Systems stehen in Einklang mit der Frankfurter Erklärung
des PBV. Im Widerspruch hierzu stehen die programmatischen Aussagen von SPD, BÜNDNIS 90/
DIE GRÜNEN und LINKE.

Auszug aus dem Wahlprogramm der SPD
Die SPD sieht sich in der aktuellen Situation siegesgewiss auf dem Weg in die Bürgerversicherung. Hierzu heißt es im Programm: „Ein leistungsfähiges Gesundheitssystem braucht eine stabile und solidarische Finanzierung. Steuerzuschüsse und Investitionsmittel sollten mit klaren Zielvorgaben für die Reform des Systems verbunden werden. Wir werden eine Bürgerversicherung einführen. Das bedeutet: Gleich guter Zugang zur medizinischen Versorgung für alle, eine solidarische Finanzierung und hohe Qualität der Leistungen. Gesundheit ist keine Ware, deshalb müssen in unserem Gesundheitssystem die Bürger*innen im Mittelpunkt stehen. Der Staat muss deshalb sicherstellen, dass die Leistungen der Gesundheitsversorgung den Bedürfnissen derer entsprechen, die sie benötigen. Gute Arbeitsbedingungen und vernünftige Löhne in der Pflege sind dafür eine wichtige Grundlage.“

 

Auszug aus dem Wahlprogramm von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN
Ein neuer und etwas verwunderlicher Vorschlag zur Systemänderung wurde von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN ins Spiel gebracht: „Außerdem heben wir die strikte Trennung der ambulanten Gebührenordnungen EBM und GOÄ auf.“

Wie das zu verstehen sein soll, wird im Folgenden erläutert: „Auf dem Weg zur Bürger*innenversicherung für Gesundheit und Pflege, gesetzlich Versicherte warten länger auf Termine bei Fachärzt*innen und viele privat Versicherte können sich die hohen Prämien nicht mehr leisten. Von dieser Zwei-Klassen- Medizin profitieren wenige, zum Nachteil vieler. Unser Ziel ist eine solidarisch finanzierte Bürger*innenversicherung, in der jede*r unabhängig vom Einkommen die Versorgung bekommt, die er oder sie braucht. Dafür wollen wir in der nächsten Wahlperiode die Weichen stellen. Mit der Bürger*innenversicherung wollen wir alle in die Finanzierung eines leistungsstarken Versicherungssystems einbeziehen und so auch vor dem Hintergrund künftiger Kostensteigerungen im Gesundheitswesen für eine stabile und solidarische Lastenteilung sorgen. Auch Beamt*innen, Selbständige, Unternehmer*innen und Abgeordnete beteiligen sich mit einkommensabhängigen Beiträgen, ohne fiktive Mindesteinkommen. Die Beiträge sollen auf alle Einkommensarten erhoben werden, zum Beispiel neben Löhnen und Gehältern auch auf Kapitaleinkommen. Wir verbessern die Versorgung gesetzlich Versicherter – zum Beispiel bei der Erstattung von Brillen. Außerdem wollen wir die Benachteiligung gesetzlich versicherter Beamt*innen durch einen beihilfefähigen Tarif beenden und privat Versicherte, die sich nur den Basistarif leisten können, besser absichern. Für gesetzlich Versicherte mit Beitragsschulden wollen wir die vollwertige Rückkehr in die Krankenkasse erleichtern und wir wollen die Absicherung von gering verdienenden Selbständigen in der Krankenversicherung verbessern, um sie nicht durch zu hohe Beiträge finanziell zu überfordern.“

Die ersten Analysen ließen nach Präsentation des Wahlprogramms nicht lange auf sich warten. Man ist sich inzwischen einig, dass man auf diesem Weg die private Krankenversicherung auslaufen lassen will, da sich die meisten Menschen eine Zahlung von doppelten Beiträgen (bei gleicher Versorgung) schlicht und ergreifend nicht leisten können. Auf diesem Weg würde die private Medizin nur noch
(Super-)Reichen zur Verfügung stehen. Spätestens dann hätte man wieder zwei Klassen in Deutschland.

Auszug aus dem Wahlprogramm der LINKEN
Besonders radikal formuliert es die LINKE und erhofft sich, mit dem Rückenwind der Pandemie den ersten großen gesellschaftlichen Sektor gleichzuschalten: „Schluss mit der Zweiklassenmedizin: Wir wollen die Trennung zwischen gesetzlicher und privater Krankenversicherung abschaffen. In die Solidarische Gesundheitsversicherung zahlen alle mit ihren gesamten Einkünften (Erwerbs-, Kapital- und anderen Einkommen) ein und bekommen alle medizinisch notwendigen Leistungen, auch vollumfänglich Medikamente, Brillen, Zahnersatz oder Physiotherapie. Medizinisch unnötige Behandlungen zu finanziellen Zwecken an privat Versicherten gehören der Vergangenheit an.“

Die LINKE versuchte ferner, ihre Pläne durch ein Gutachten zu untermauern, das kolportierte, dass eine Gleichschaltung einer finanziellen Entlastung des Gesundheitswesens entspricht. Dies konnte jedoch vom Institut der deutschen Wirtschaft umgehend als Strohfeuer enttarnt werden.

 

Streitthema: Finanzierung des Gesundheitssystems

Neben diesen grund- und gegensätzlichen Standpunkten von CDU/CSU und FDP auf der einen Seite und SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und LINKE auf der anderen Seite, fällt in den Wahlprogrammen auf, dass dem Thema Gesundheit angesichts eines volkswirtschaftlich betrachteten Marktvolumens in Höhe von 411 Milliarden Euro relativ wenig Raum zugesprochen wird. Dies lässt die Befürchtung zu, dass es inhaltlich zu wenig kompetenten Input gibt. Dadurch erhöht sich das Risiko, das Thema Gesundheit im Rahmen von Koalitionsverhandlungen auf die „Systemfrage Finanzierung“ zu reduzieren und abzuhandeln. Für die Gesundheit der Menschen in unserem Land wäre dies der denkbar schlechteste Verlauf.
Daher sollen die wenigen inhaltlichen Impulse der Parteien nicht unerwähnt bleiben.

Auszug aus dem Wahlprogramm der CDU

  •  „Wir werden Bürokratie reduzieren, damit Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegepersonal mehr Zeit fürPatientinnen und Patienten haben und Gesundheits- und Pflegeberufe attraktiver werden.“
  •  „Wir wollen weitere 500 Millionen Euro für eine Innovationsoffensive für Robotik und Digitalisierung in der Pflege bereitstellen. Die Digitalisierung, der Einsatz von Smart-Home-Technologien sowie der Einsatz modernster Roboter sind eine enorme Chance für eine hohe Lebensqualität im Alter und die Entlastung der Pflegekräfte.“
  •  „Wir werden das Robert Koch-Institut stärken und zum deutschen Public-Health-Institut ausbauen.“

Auszug aus dem Wahlprogramm der FDP

  •  „Wir Freie Demokraten wollen die Entbürokratisierung des Gesundheitswesens vorantreiben. Dazuordern wir eine „Bepreisung“ der Bürokratie- und Berichtspflichten. Bezahlen soll sie künftig derjenige, der sie anfordert.“
  •  „Wir Freie Demokraten wollen die Digitalisierung im Gesundheitswesen durch klare und transparente Rahmenbedingungen voranbringen. Dazu benötigen wir offene Standards, Interoperabilität und Datensicherheit. Digitale Infrastruktur und robotische Assistenzsysteme wollen wir hier gezielt fördern.“

Auszug aus dem Wahlprogramm der SPD

  • „Wir brauchen darum eine stärkere Öffnung von Krankenhäusern für ambulante, teambasierte und interdisziplinäre Formen der Versorgung.“
  • „Gute Arbeitsbedingungen und vernünftige Löhne in der Pflege sind dafür eine wichtige Grundlage.“

Auszug aus dem Wahlprogramm von BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN

  •  „Wir wollen die Chancen der Digitalisierung – ob Robotik zur Unterstützung in der Pflege, Telemedizin oder die elektronische Patientenakte – nutzen, um das Gesundheitssystem zukunftsfähig zu machen.“
  •  „Gesundheitsdaten sollen anonymisiert und wo nötig pseudonymisiert der Wissenschaft zur Verfügung gestellt werden, um die Gesundheitsversorgung in Deutschland zu verbessern.“

Auszug aus dem Wahlprogramm der LINKEN

  •  „Wir fordern, dass die Kostenerstattung von nicht-evidenzbasierten Behandlungsmethoden durch die GKV beendet wird.“

Es ist gegenwärtig davon auszugehen, dass die Koalitionsverhandlungen 2021 für die Akteure im Gesundheitssystem hochspannend werden. Damit keine falschen Ideen die Verhandlungsrunden bestimmen und am Ende sogar noch umgesetzt werden, müssen vernünftige Politiker am Tisch sitzen.


Privatmedizin aktuell
Wie die Privatärzte zu COVID-19-Impfärzten wurden

 

Der Schock Ende März

Wir Privatärzte wollten gerne unsere Patienten gegen COVID-19 impfen, insbesondere auch die alten und kranken Patienten, die nicht in ein Impfzentrum gehen konnten. Deswegen waren wir sehr erfreut, als Mitte März 2021 aus dem Bundesministerium für Gesundheit (BMG) verlautbart wurde, dass auch die Privatärzte an der Impfkampagne gegen COVID-19 teilnehmen werden. Am Abend des 30. März 2021 wurde dann eine Allgemeinverfügung des BMG publiziert, in der Privatärzte und Betriebsärzte ausdrücklich von der Impfkampagne ausgeschlossen wurden. Das war ein Schock für alle Privatärzte und für uns als Vorstände des privatärztlichen Bundesverbandes.

Kontaktaufnahme mit Gesundheitsminister Jens Spahn
Die Ablehnung der COVID-19-Impfungen durch Privatärzte hatte ein enormes mediales Echo zur Folge. Ich allein gab ca. 20 schriftliche und telefonische Interviews; Sprachinterviews wurden unter anderem vom RBB, SWR 4 und BR 5 gesendet. Das begründete einen gewissen politischen Druck.

Wir haben in dieser Situation sofort mit Herrn Spahn Kontakt aufgenommen und in der Tat noch in der zweiten Märzwoche eine Videokonferenz mit ihm geführt. In dieser versicherte er, dass er großes Interesse hat, dass die Privatärzte an der Impfkampagne teilnehmen. Sein Problem war jedoch, dass die niedergelassenen Privatärzte in keiner Liste zentral erfasst waren. Das heißt, jeder, der einen Arztausweis und eine lebenslange Arztnummer besitzt, hätte sich als niedergelassener Privatarzt ausgeben und darüber Impfstoff bestellen können. In der damaligen Situation wären unter diesen Umständen z. B. Meldungen möglich gewesen, dass Ärzte, die schon lange nicht mehr als Ärzte, sondern längst als Journalisten, Schauspieler etc. arbeiten, Impfstoff bestellt hätten. Dies wäre eine mediale Katastrophe für das BMG und die Impfkampagne gewesen. Insofern war die Handlungsweise von Herrn Spahn im Nachhinein verständlich.

Eine Verifizierung wird geschaffen
Es ging also darum, nachzuweisen, dass der Privatarzt, der Impfstoff bestellt, auch niedergelassen ist. Die Landesärztekammern waren hier wenig kooperativ und wollten ihre Daten nicht an die Bundesärztekammer zentral weitergeben. Das BMG hatte dazu nicht die nötigen Impulse und gab die Aufgabe an den PBV weiter. Deswegen haben wir nach einem verlässlichen Partner gesucht.

PVS unterstützt die Privatärzte
Der PVS-Verband stellte dann in vergleichsweise kurzer Zeit nach langen und wiederkehrenden Absprachen mit uns, dem RKI und dem BMG ein System auf die Beine, wie sich Privatärzte als niedergelassene Privatärzte verifizieren konnten. Die Absprachen mit den oben genannten Parteien waren nicht immer einfach, und man musste sich erst an die Geschwindigkeit gewöhnen, die in den öffentlichen Institutionen herrscht. Neben einem enormen Aufwand des PBV-Vorstandes (teilweise mehr als 40 Stunden pro Woche neben unserer Praxisarbeit!) engagierte sich insbesondere Herr Tilgner vom PVS-Verband persönlich enorm, um die Privatärzte zum Impfen zu bringen.

Forderungen des BMG
Der Bundesgesundheitsminister Spahn stellte im Vorfeld unter anderem die Forderung, dass jeder Privatarzt tagesgenaue Daten darüber zur Verfügung stellen muss, welchen Impfstoff er verwendet, und welche Altersgruppe von Patienten er geimpft hat. Hinzu kam, dass die Anforderungen des BMG und RKI an das Portal doch großen (teilweise täglichen) Änderungen unterworfen waren. Das Ergebnis war, dass das Portal, das der PVS-Verband in der Zeit der Vorbereitung in über insgesamt knapp zwei Monaten aufgebaut hatte, mit großem Aufwand regelmäßig modifiziert werden musste.

Letzter Schliff
Wir vom Vorstand des Privatärztlichen Bundesverbandes und der PVS-Verband beschleunigten das Verfahren dann insofern, als wir rechtzeitig Ende Mai ein solides Konzept, eine perfekte Infrastruktur und eine funktionierende Plattform geschaffen hatten. Dies führte dazu, dass Herr Spahn und das BMG den Startschuss gaben, dass zum 7. Juni 2021 auch Privatärzte impfen können.

Die tägliche Praxis
Der PVS-Verband schuf nicht nur die Plattform und stellte sie zur Verfügung, sondern musste auch enorme Leistungen erbringen, um alle Privatärzte an diese Plattform anzubinden. Dabei wurden die Mitarbeiter des PVS-Verbandes, die eigentlich die „Retter“ der Privatärzte waren, häufig nicht adäquat behandelt, teilweise sogar beschimpft. Als Privatarzt war ich mehr als einmal erschüttert und beschämt, wie sich Kolleginnen und Kollegen gegenüber dem PVS-Verband verhalten, der kostenlos eine Plattform zur Verfügung stellt, damit Privatärzte impfen können.

Resümee
Unter dem Strich sind wir vom Vorstand des Privatärztlichen Bundesverbandes und die Geschäftsführung des PVS-Verbandes sehr stolz auf das, was wir geleistet haben. Wir haben eine enorme politische Präsenz gezeigt, wir haben Druck auf die Politik ausgeübt und wir haben in kurzer Zeit ein funktionierendes System geschaffen, das Privatärzte zur Impfärzten machen konnte. Es hätte noch schneller gehen können, aber die Mühlen der Bürokratie mahlen langsamer, als wir Selbstständige uns das vorstellen können. Dieses Instrument kann uns unter Umständen in Zukunft mehr als nützlich sein, sollten weitere Impfkampagnen folgen.

Als Nebeneffekt haben wir vom PBV, wie auch der PVS-Verband, gezeigt, dass wir die Privatärzte mobilisieren können und zu unserer gesamtgesellschaftlichen Verantwortung stehen, wenn es notwendig ist. Das hat uns enormen Respekt in der gesamten Gesundheitspolitik eingebracht und die Wahrnehmung von – wie auch die Sicht auf – Privatärzte verändert. Nebenbei hat diese Kampagne den PBV als Vertreter der Privatärzte in der politischen Wahrnehmung enorm gefestigt.

Wir vom Vorstand des Privatärztlichen Bundesverbandes bedanken uns ganz herzlich beim PVS-Verband, der die Privatärzte so effektiv und mit einem enormen persönlichen und personellen Einsatz unterstützt hat! Es war eine großartige Zusammenarbeit zum Wohle aller Privatärzte.


GOÄ
Die neue GOÄ – Mythos oder Realität?

 

Seit 1982 muss die deutsche Ärzteschaft mit einer völlig antiquierten Gebührenordnung (GOÄ) arbeiten und abrechnen. Neben den teilweise nicht mal kostendeckenden Bewertungen und der nicht an die aktuelle Medizin angepassten Leistungsbeschreibung fehlen zudem zahlreiche Positionen und Leistungen, die heute standardmäßig erbracht werden, völlig.

Dies führt immer wieder zu Schwierigkeiten mit den Kostenträgern, die sich gerne hinter der alten GOÄ verstecken. In seltenen Fällen kann es sogar zu rechtlichen Streitigkeiten selbst mit der Staatsanwaltschaft führen, was dann extrem unangenehm für die betroffenen Kolleginnen und Kollegen sein kann. Daher ist es sehr wichtig, dass die Ärzteschaft zeitnah eine neue Gebührenordnung erhält. Seit Jahren liefen dazu die Arbeiten bei der Bundesärztekammer auf Hochtouren und sind nun abgeschlossen. Neue Leistungsbeschreibungen, ein neuer Paragrafenteil, neue zusätzliche Ziffern und ein Vorschlag zur Bepreisung von ärztlicher Seite liegen bereits vor.
 
Aktuell finden die Preisverhandlungen zwischen der Bundeärztekammer (BÄK) und der Privaten Krankenversicherung (PKV) statt. Diese werden bis zur Bundestagswahl abgeschlossen sein und für die Koalitionsverhandlungen auf dem Tisch liegen. Damit wäre die neue GOÄ weltweit das modernste, an die aktuelle Medizin angepasste, rechtssicherste Gebührenwerk. Sollte in der nächsten Koalition die CDU mit der Regierungsbildung beauftragt sein, sieht es gut aus, dass die neue GOÄ vom Parlament verabschiedet wird und dann vom Bundesministerium für Gesundheit erlassen wird. Auch die FDP unterstützt die neue GOÄ.

BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SPD und LINKE sind erneut mit der Forderung einer Bürgerversicherung unterwegs und von daher wenig an einer neuen GOÄ interessiert.


PBV
In eigener Sache

 

Liebe Mitglieder, nachdem unser 2. Vorsitzender Dr. Oehl-Voss, nach über 35 Jahren im PBV-Vorstand ausgeschieden ist, möchte ich Ihnen hier kurz seinen Nachfolger Prof. Dr. Markus Hambek vorstellen.

Markus Hambek begann seine ärztliche und akademische Laufbahn an der Goethe-Universität Frankfurt. Dort initiierte und leitete er zahlreiche klinische Studien, u. a. in Kooperation mit dem Dana-Farber Cancer Institute/Boston. Akademisch führte ihn eine Kooperation mit der Universitätsklinik Marburg als apl. Professor an die dortige Philipps-Universität. Sein Engagement in der Forschung spiegelt sich in zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen wider. Seine wissenschaftlichen Arbeiten wurden in den renommiertesten Fachjournalen zitiert (Nature Reviews, Nature Biotechnology etc.). Markus Hambek ist als Peer Reviewer für international angesehene, wissenschaftliche Fachjournale im Bereich HNO, Onkologie und Pharmakoökonomie tätig.

Seit vielen Jahren ist er als Prüfer in der ärztlichen Weiterbildung der Landesärztekammer Hessen und als sachverständiger Gutachter bei Gericht tätig. Er ist bestellter Vorsitzender für Prüfungskommissionen des Landesprüfungsamtes Hessen (Staatsexamen).

Markus Hambek engagierte sich für die Erprobung digitaler Versorgungsangebote („App auf Rezept“) im Rahmen der vom Bundesgesundheitsministerium initiierten Zukunftsregion digitale Gesundheit Berlin-Brandenburg und begleitete medizinisch die Beantragung der Zulassung einer Kopfschmerz-App beim Bundesamt für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM). Markus Hambek ist Mitglied zahlreicher Fachgesellschaften und Interessensverbände.

Wir freuen uns sehr auf die gemeinsame Vorstandsarbeit.


Massiver Fehler im System

Das deutsche Gesundheitswesen teilt Patienten in zwei Klassen, in private und gesetzlich Versicherte. In der Praxis bedeutet das Privilegien für die einen und Nachteile für die anderen. Das ist unwürdig und lächerlich – und es muss ein Ende haben.

 

Deutschland ist ein Land voller Widersprüche. Es gibt hier höchste Ingenieurskunst und ein grauenhaftes Handynetz, ein Selbstverständnis als Land der Dichter und Denker und Schulen, ...

Zum vollständigen Kommentar in der
Süddeutschen Zeitung.

Quelle: Kommentar von Angelika Slavik, Berlin
Süddeutsche Zeitung, 25. Juli 2021



Leserbrief von Dr. Christoph Gepp

 

PKV-Abschaffung schädigt alle

In einem Punkt muss man der Autorin Angelika Slavik recht geben: Wenn es kein duales System mehr gäbe, wäre eine Ungleichheit beseitigt. Allerdings hätte das Gesundheitssystem einige Probleme mehr: Mehr als 30 Prozent der gesamten Kosten des Gesundheitswesens werden von zehn Prozent Privatpatienten getragen. Es ist nicht zu erwarten, dass Kliniken und Arztpraxen diese Ausfälle kompensieren können. Einen Ausgleich kann man nur durch ein extrem kompliziertes Abrechnungssystem schaffen, das man nicht allen Ernstes wollen kann, weil es Unsummen an die Bürokratie verschwendet. Die Folge wäre ein Rückgang der ambulanten Versorgung, der zum Schaden aller Versicherten, nicht nur der Privatversicherten, sein würde. Termine würden dann natürlich noch rarer werden. Die wirklich Wohlhabenden würden sich in reinen Privatkliniken natürlich weiter versorgen lassen, sodass die Ungleichheit weiter zunähme. Die Hoffnung, dass durch den Wegfall von zehn Prozent Privatpatienten wesentlich schneller Termine für Untersuchung zur Verfügung stünden, ist schon rein mathematisch Unsinn. Am Ende sind alle gleich, aber eben alle schlechtergestellt. Das mag manchen eine gewisse Befriedigung geben; der Versorgung der Bevölkerung würde großer Schaden zugefügt.

Dr. Christoph Gepp, Darmstadt
Veröffentlicht, Süddeutsche Zeitung, 12. August 2021


Sonja Schroeter
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sekretariat@pbv-aerzte.de

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Mittwoch von 15:00 – 18:00 Uhr
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Die Arztsuche des PBV

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Mögliche Fachrichtungen und Zusatzbezeichnung finden Sie unter: www.arztsuche-privataerzte.de



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