Privatärztliche Praxis
Ausgabe 4/2020

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Besonderheiten bei der GOÄ bis 30. 09. 2020

Die Regelungen zur Abrechnung telefonischer Kontakte mit dem Patienten, auch wenn dieser nicht mit einer COVID 19-Infektion in Verbindung steht oder stehen könnte, ist zum 31. Juli 2020 ausgelaufen. Ab diesem Zeitpunkt kann die Nr. 3 GOÄ – egal ob telefonisch oder im persönlichen Arzt-Patienten-Kontakt (APK) erbracht - wieder nur noch einmal im Behandlungsfall und auch nur neben den GOÄ-Nr. 5-8, 800 und 801 berechnet werden. Mit Begründung ist aber eine Mehrfachabrechnung weiter erlaubt und im neuen Behandlungsfall (neue Diagnose) auch ohne Begründung.

Neu ist, dass der Hygienezuschlag A245 GOÄ bereits ab 9. April ansatzfähig ist (bislang galt dafür der 5. Mai). Die Leistung kann für jeden Behandlungstag, an dem es zu einem persönlichen APK gekommen ist, zwischen 9. April und 30. September zum 2,3-fachen Satz (14,75 Euro) berechnet werden, da der Zeitraum rückwirkend erweitert wurde, können bereits verschickte Rechnungen ohne den "Hygienezuschlag" korrigiert werden.
Weiter seit 5. Mai, aber jetzt verlängert bis 30. September, dürfen Ärzte die psychiatrisch-psychotherapeutischen Leistungen nach den Nrn. 801, 807, 808, 860 und 885 GOÄ sowie den Nrn. 804, 806, 817, 846, 849, 861, 863, 870 und 886 GOÄ als Videosprechstunde erbringen und abrechnen.

Bei einer Videokonferenz kann ebenso im genannten Zeitraum die Nr. 60 GOÄ zusätzlich zu den anderen dort möglichen Leistungen angesetzt werden, auch wenn zuvor kein persönlicher APK stattfand. In den bei-den letzten Fällen muss der Kontakt aber in Zusammenhang mit der Pandemie stehen und deshalb entsprechend begründet werden. Beim Ansatz der Nr. A245 GOÄ ist dies nicht der Fall!

Corona: Situation Mitte August 2020

 

Von Dr. med. Heinz Oehl-Voss, 2. Vorsitzender des PBV
Die Corona-Tages-Infektionszahlen steigen wieder über die "magische" Zahl 1000, was von verschiedenen Meinungsführern bereits als Beginn einer zweiten Welle gesehen wird. Dem entgegen sind Popkonzerte und Fußballspiele bereits in Planung mit über 15.000 Zuschauern und Schulen sollen nach den Ferien möglichst wieder im "Normalbetrieb" funktionieren; wie passt das zusammen?
Prof. Henrik Streek (Heinsberg-Studie) kommt im FAZ-Interview vom 7. August zu dem Schluss: "Wir müssen einen Kompass haben, wie wir eine Souveränität mit dem Virus erlangen. Das Virus wird bleiben, und da brauchen wir eine Richtschnur, die für alle einleuchtend ist. Das Ziel ist und war es, das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und dass jeder die bestmögliche Versorgung bekommt. Das ist ein realistisches Ziel. Nicht zielführend ist hingegen nur auf einen Impfstoff zu hoffen."
Im Weiteren Verlauf geht er darauf ein, wie die Infektionszahlen auf ein Minimum beschränkt werden können/müssen, er spricht sich gegen die Öffnung von Fußballstadien und Konzertsälen derzeit aus, auch wenn z. B. die gesamten Todesfälle 2020 nicht höher liegen wie in den Jahren zuvor  ... mehr im PDF


Covit-19: was kommt nach Tönnies/Ballermann und Co.

 

Die Datenlage über die bisherigen Verlaufsformen wird immer größer; gleichwohl normalisiert sich das Praxisleben in den meisten Bundesländern. Das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Verhalten v. a. der jüngeren Menschen darauf schließen lässt, dass wir es doch noch einmal mit einer "zweiten Welle" (von Corona-Erkrankten) zu tun bekommen! Sind es in den Groß-Schlachtbetrieben wie Tönnies usw. die unzumutbaren Lebensbedingungen von Mensch und Tier sowie die idealen klimatischen Bedingungen für das Virus, so sind es bei entgleisenden Urlaubsbedingungen am Ballermann in Mallorca die völlig unvernünftigen Verhaltensweisen von "Urlaubern", die ein zweites Ischgl bedingen können.  ... mehr im PDF

Wofür Geld vorhanden ist im „System“

 

„Richtergehälter zu niedrig“, hat man in Berlin festgestellt (FAZ 29.7.2020): Auch Staatsanwälte „müssen“ dort nachträglich mehr bekommen; die Bezüge seien in den Jahren 2009 bis 2015 nicht mit dem Grundgesetz vereinbar, entschied das Bundesverfassungsgericht (Az.:2 BvL 4/18). Das Bundesverwaltungsgericht in Leipzig hatte dies 2017 ähnlich gesehen und den Fall in Karlsruhe vorgelegt. Das Land Berlin muss nun spätestens vom 1. Juli 2021 an verfassungskonforme Regelungen treffen. Rückwirkend bekommen diejenigen Betroffenen mehr Geld, die gegen ihre Besoldung in den fraglichen Zeiträumen vorgegangen waren.

Honnie sois qui mal y pense … würde man da wohl in Frankreich sagen. Stellen wir uns in diesem Zusammenhang durchaus einmal vor, wir Privatärzte würden ähnlich klagen und ab 1996 einen "Sold-Ausgleich" fordern! Schnell wird man bemerken, dass ja die Beamten-Gehälter auf völlig anderen Füßen stehen wie die der Freiberufler; wir lassen uns jedoch auf keinen Fall mehr abspeisen mit Äußerungen wie: „Die Länder sind hoch verschuldet, für die GOÄ bleibt da nicht viel übrig!“

Wenn es auch für Rechtsanwälte ebenfalls als Freiberufler eine öffentliche Gebührenordnung gibt: In dieser Branche kann man sich sein „Geschäftsfeld“ zu einem gewissen Teil selbst „gestalten“. Beim Gesundheitsministerium gingen bis Mitte August 21 Klagen ein (mit einem Volumen von 59 Millionen €) wegen Qualitätsmängel oder falsch gestellte Rechnungen für Masken und Schutzkleidung (ÄND 8.8.2020). Die Landgerichte bestätigen sogar 48 Klagen (die natürlich alle einzeln aufgeführt werden von versierten Anwälten, weil da mehr zu holen ist); es geht hier dann schnell um Einzelbeträge zwischen 300.000 € und 5 Mill. €. Am Ende kann sich hier wohl auch keiner (aus dem BGM) rausreden nach dem Motto „wir haben das Geld leider nicht“!

Nun warten wir (bei der langen Liste der „GOÄ-Verhinderungsgründe“) auch noch auf die Begründung „leider hat Corona die letzten Reserven des Systems verbraucht, Ärztinnen und Ärzte bitte gedulden“!

Liebe Mitglieder,
leider sind uns auch vonseiten der Vorstandschaft mehr oder weniger die Hände gebunden, wenn wir unseren berechtigten Forderungen Nachdruck verleihen wollen. Wir unterhalten jedoch weiterhin die allerbesten Kontakte mit den Entscheidungsträgern: Was möglich ist, gehen wir an!

Bewältigung der Pandemie: Was leisten Apps, Antikörpertests und Impfungen?

In den ersten 2 Wochen nach dem Start der bundesrepublikanischen Corona-App am 16.6. haben sich immerhin bereits 16 Mio. Bürgerinnen und Bürger registriert bei den Älteren (über 50) möchten, das allerdings nur 48 %, wie die deutsche Seniorenliga berichtet. Viele von ihnen besitzen zu alte Handys; diejenigen, die die App installieren, sind sehr zufrieden und betonen die Einfachheit des Vorgehens, bspw. genügt einmaliges WLAN am Tag, mobile Daten können ausgeschaltet bleiben; die App funktioniert neuerdings auch im Ausland!
Bei den vielen Antikörpertests, mit denen unsere Praxen überflutet werden, ist nach wie vor die Spreu vom Weizen zu trennen: Die meisten sind immer noch zu ungenau, die Bundesregierung favorisiert den von Roche, Nadine Eckert schreibt im Deutschen Ärzteblatt jedoch, derzeit sei keiner zu favorisieren, von Schnell-Tests wird jedoch dringend abgeraten, die Verunsicherung sei zu groß!   ... mehr im PDF


Elektronische Patientenakte: Datenschutz bleibt ein Problem
2021 kommt sie: die elektronische Patientenakte (ePA). So steht es im Koalitionsvertrag. Doch das Zeitfenster für deren Einführung ist eng, betrachtet man vor allem die derzeitigen Probleme beim Datenschutz, die sowohl Krankenkassen als auch Kassenärztliche Bundesvereinigung (KBV) umtreiben. Dies zeigte eine Diskussion mit Gesundheitspolitikern beim Hauptstadtkongress 2019.

Alle medizinischen Daten auf einen Blick – vom Röntgenbild bis zum Blutwert –, sämtliche Diagnosen, Behandlungsberichte und Impfungen: Diese Informationen soll der Patient auf der neuen Karte speichern können. Bis spätestens 2021 müssen die Kassen ihren Versicherten die ePA anbieten (elektronische Gesundheitsakte gibt es heute schon von fast allen Krankenkassen). Die Apotheken (bis März 2020) und die Krankenhäuser (bis März 2021) hat das Bundesgesundheitsministerium (BMG) zudem dazu verpflichtet, sich an die Telematik-Infrastruktur anzuschließen.  ... mehr im PDF
(Quelle „Der Allgemeinarzt online“ 14/2019)
Weitere Berichte, z. B. zu Covid-19, PKV-Themen oder Abrechnungsempfehlungen lesen Sie in der PDF-Ausgabe!

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