Privatärztliche Praxis
Ausgabe 5/2020

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Digitalisierungsgesetz – Cybersicherheit in Arztpraxen

Von Dr. Heinz Oehl-Voss, 2. Vorsitzender des PBV

Auch kleinere Praxen werden angegriffen (Thomas Pache, Mitglied einer Cyberversicherung); wir haben bereits in Ausgabe 1/2020 berichtet, dass für eine Praxisversicherungssumme von 100.000 € ca. 400 € Prämie/Jahr anfallen.
Wird das nun zwingend notwendig für Praxen? Und haben wir in der Privatpraxis noch etwas mehr „Schonfrist“?

In der FAZ vom 4. 12. 19 wurde in Anbetracht solcher Fragen aufgeführt, dass der Befund der letzten Darmspiegelung wertvoller sei als die Kreditkarte, die Kreditkartennummer werde auf dem Schwarzmarkt von Hackern teurer gehandelt, wurde vor fünf Jahren schon vermutet. Mit einer zentralen Datenbank meint nun Jens Spahn, könne dem entgegengewirkt werden. Aber wenn man bedenkt, in welchem Ausmaß die gesamte Republik die meisten ihrer Daten bereits unvermeidlich an das Silikon Valley ausliefert, kommen Zweifel auf, was nationale Bemühungen diesbezüglich bewirken können.
Dem wird z. B. entgegengehalten, durch restriktive Haltung werde der medizinische Fortschritt gebremst: So könne z. B. die künftige Medizin durch das molekularbiologische Profil eines Menschen personalisierte Behandlung erlauben, statt grober Behandlung nach Krankheitsstadien; von vermeintlich besserer Notfallmediziner ganz abgesehen (wenn Daten des Patienten rascher zur Verfügung stehen würden ...).

Dennoch mahnen derzeit Verbraucherschützer und „Skeptiker“, Jens Spahn müsse dafür sorgen, dass ein Patient der Erfassung kompletter Datensätze widersprechen kann. Nichtsdestotrotz: Das zweite Digitalisierungsgesetz (des Datenschutzgesetzes) ist auf den Weg gebracht, darin werden die künftigen Aufgabenbeschreibungen für die Gesellschaft für Telematik, Ärzte und Krankenkassen festgelegt. (Ärzteblatt 7. 2. 2020) Versicherte bekommen ab 1. 1. 2021 Anspruch darauf, dass Ärztinnen und Ärzte die digitale Patientenakte befüllen, Ärzte bekommen dafür einmalig 10 €, für 2022 wird das noch ausgehandelt. Bei der Hardware-Installation werden ja ohnehin nur Kassenärzte bezuschusst!

Wir berichten darüber hier, auch wenn dies alles vorerst nur den EBM-Bereich betrifft; wir bleiben jedoch am Ball für den Fall, dass der privatärztliche Bereich unverzüglich einbezogen werden soll/muss. Wir versuchen in Anlehnung an unsere „Frankfurter Erklärung“, diese Entwicklungen nicht dahingehend „entgleisen“ zu lassen, dass wieder von den linken Politikern eine Bürgerversicherung als unverzichtbar bezeichnet wird und die bewährte Dualität unseres Systems infrage gestellt wird.

Privatmedizin in Zeiten der Corona-Pandemie
Was kommt nach der Krise?

 

Von Dr. med. Heinz Oehl-Voss, 2. Vorsitzender des PBV
Je nach Region entwickelten sich in den vergangenen Wochen und Monaten immer weitere Divergenzen im Umgang mit der Pandemie. Sonderregelungen zu Praxismodalitäten (z. B. die Vorgabe zu Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen über längeren Zeitraum ohne direkten Patientenkontakt) werden bundesweit zurückgefahren, Klinikkapazitäten werden neu ausgerichtet. In Hotspot-Bezirken bleibt es bei restriktiven Auflagen, in weiten Teilen der Bundesrepublik kehren fast schon Normalverhältnisse zurück. Dennoch ist ein gewisser Konsens mit allen Bundesländern notwendig. Leichtsinnig wird wahrscheinlich niemand, auch wenn die wirklichen Drohszenarien (z. B. USA) weit weg zu sein scheinen.

„Private Facharztpraxen leiden mehr unter den Verlusten als Kassenpraxen.”


Unterstützung durch die PKV?

Was geschieht in einer unverschuldeten Notlage in der Privatpraxis? Falls aufgrund einer Infektion eines Mitarbeiters Quarantäne angeordnet oder sogar die Praxis geschlossen werden muss, gibt es – je nach Bundesland – verschiedene Anlaufstellen zur finanziellen Kompensation: Gesundheitsämter, Regierungsbezirke oder Landschaftsverbände sollte man kontaktieren. Entschädigt wird nach dem Steuerbescheid der Vorjahre. Zusätzlich kann man Entschädigungen für in dieser Zeit weiterlaufende Betriebsausgaben geltend machen – hierbei gibt es keine Unterschiede zu Kassenpraxen.

Die PKV beteiligt sich nicht an Hilfsprogrammen für einzelne Praxen. Dies sieht das System der Freiberuflichkeit nicht vor, auch wenn dies in einigen Ärztezeitungen zuletzt kolportiert wurde.

Hilfestellung durch private Kostenträger

In Abstimmung der BÄK mit den Kostenträgern wurde rückwirkend ab dem 10. 4. 2020 eine moderate Hilfe, die Hygiene-Pauschale GOÄ A-245, bei jedem direkten Patientenkontakt etabliert. Auch wurde, wenn direkte Kontakte nur schwer möglich sind, ein flexiblerer Einsatz der Beratungsziffer GOÄ 3 ermöglicht. Somit muss das Rad bei einer zweiten Welle nicht neu erfunden werden.

Die PKV hat mit dieser Unterstützung im ersten Halbjahr 189 Mio. Euro an niedergelassene Ärzte gegeben, mit den Kliniken zusammen ungefähr 300 Mio. Euro. Hinzukommen für die Ärzte die Beträge aus Hygienezuschlägen, die wegen Eigenbeteiligung von Versicherten gar nicht eingereicht werden. In diesem Zusammenhang öffnet die PKV für freiwillig Versicherte den Zugang zur Privatversicherung (bspw. ohne Gesundheitsprüfung, oder es wird bei Vorerkrankungen ein Risikozuschlag von höchstens 30 % erhoben). Die übliche Quersubventionierung der 6KV durch die PKV fällt zu Corona-Zeiten geringer aus, da auch Privatpatienten häufig ausbleiben (im April z. B. 33 % gegenüber dem Vorjahr). Für private Facharztpraxen fallen die Verluste größer aus als für Kassenpraxen.

„Die neue GOÄ sollte noch in dieser Legislaturperiode fertiggestellt werden."

Was Leisten Apps und Antikörpertests?
In den ersten zwei Wochen nach dem Start der deutschen Corona-App am 16. 6. 2020 haben sich immerhin bereits 16 Mio. Bürger registriert. Diejenigen, die die App bisher installiert haben, sind Umfragen zufolge zufrieden und betonen die Einfachheit des Vorgehens.
Bei den vielen Antikörpertests ist nach wie vor die Spreu vom Weizen zu trennen: Die meisten sind immer noch zu ungenau. Bekannt ist inzwischen, dass einmalige Abstrichtests ungenügend sind, weil sie falsch negativ ausfallen können. Der Charité-Test, der bei uns etabliert ist, hat zusammen mit einem Test aus Hongkong und einem aus der USA die Spitzenposition bei den PCR-Tests. Die derzeit entwickelten Schnelltests sind noch nicht das Maß der Dinge, können jedoch in naher Zukunft z. B. den Zugang zu Großveranstaltungen begünstigen. Wir erfahren einen rasanten Fortschritt der Digitalisierung, auch wenn der PBV für eine restriktive Vorgehensweise plädiert, um nicht etwa die Menschen mit einer App in Infizierte, Gesunde oder Genesene einzuteilen. Gleichwohl sind wir uns bewusst, dass die Covid-19-Pandemie die Digitalisierung auch in der Praxis voranbringen muss. So wird es z. B. vermehrt digitale Medikationspläne geben und Notfalldaten im Unglücksfall unmittelbar abrufbar sein. Wenn es so weit ist, benötigen auch wir Privatärzte den elektronischen Heilberufsausweis (ei-IBA), welcher für weitere Anwendungen im Rahmen der Telematikinfrastruktur (TI) Voraussetzung sein wird.
Weitere Berichte, z. B. zu Coronahilfen, SARS-CoV-2-Antigen-Schnelltest, GOÄ-Themen, Privatabrechnung etc. lesen Sie in der PDF-Ausgabe!

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